Mit Eseln im Bayerischen Wald wandern

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Mit Langohren zu wandern ist ein echtes Abenteuer – für Eltern und Kinder. Und man lernt schnell: Esel sind gar nicht störrisch, sondern sehr intelligent …

Anja war mit ihren zwei Söhnen und zwei Eseln im Bayerischen Wald unterwegs. Ein Abenteuer der besonderen Art: Die fünf sind von Unterkunft zu Unterkunft gewandert, dabei hatte Sohn Sönke, 16, meist den einen Esel an der Leine und Jannes, 12, den anderen. Lumao hat nachgefragt, wie es ist, mit Eseln zu wandern.

Lumao: Anja, wie kommt man denn darauf, mit Eseln zu wandern?

Anja: Ich hatte mal im Internet einen Artikel über das Eselwandern gelesen und fand das spannend, obwohl wir keinen Bezug zu Eseln hatten und eigentlich auch nichts über sie wussten.
Sönke: Wir waren schon öfter wandern, ich fand die Idee auch super.
Anja: Wir hatten kurz vor unserer Abreise noch diverse Schauermärchen im Freundeskreis gehört. Esel seien störrische Viecher, sie müssten geschoben und gezogen werden. Da wurde uns schon ein wenig unwohl.

Die meisten Esel sind grau, aber es gibt auch weiße, braune und schwarze Langohren

Lumao: Ihr seid aber dennoch gefahren …

Sönke: Ja klar, wir sind in den Bayerischen Wald gefahren, hier liegt der Eselhof. Dort standen mehrere Esel, doch man kann nicht jeden Esel nehmen. Es gibt kleine Esel, die passen eher zu Familien mit kleinen Kindern, weil sie langsam gehen. Zu uns passten mittelgroße Tiere.
Anja: Die Esel sind Herdentiere und gehen immer mindestens paarweise auf Wanderungen. Doch man kann nur zwei nehmen, die sich gut verstehen. Ein Esel hieß Jannes, genau wie mein jüngerer Sohn. Da war die Sache schnell entschieden: Wir wollten Jannes! Und da Jannes gut mit Polly harmoniert, wollten wir mit Jannes und Polly wandern.

Lumao: Doch zu diesem Zeitpunkt wusstet ihr immer noch nicht, wie man mit Eseln umgeht, richtig?

Anja: Das stimmt. Aber an diesem Nachmittag gab es eine kleine Esel-Einführung. Auf einer Übungswanderung mit der Besitzerin haben wir das Wichtigste über den Umgang mit Jannes und Polly gelernt. Zum Beispiel, dass Esel gar nicht störrisch sind, wie gern behauptet wird.

In manchen Regionen tragen die Langohren das Gepäck, in anderen nicht

Lumao: Esel sind nicht störrisch?

Anja: Nein, sie sind sehr intelligent und handeln eher instinktiv. Wenn etwas ungewohnt ist oder Gefahr droht, bleiben sie stehen. Daher gelten sie wahrscheinlich als störrisch. In Wahrheit halten sie jedoch nur an, um die Situation zu erfassen. Das ist auf einer Eselwanderung sehr praktisch. Pferde würden durchgehen, sie sind Fluchttiere und galoppieren los. Esel bleiben einfach stehen.

Lumao: Das ist wirklich praktisch. Und wie bewegt man die Esel dann dazu, weiterzugehen?

Sönke: Das haben wir auch von den Besitzern der Esel gelernt. Sie haben uns gezeigt, wie man sie zum Gehen und zum Anhalten bewegt. Man soll nicht ziehen, das bringt den Esel aus dem Gleichgewicht. Besser man nimmt die Leine in die Hand, stellt sich mit dem Rücken vor den Esel und geht langsam voran. Dann denkt er, dass seine Herde loszieht und läuft ebenfalls los. Und wenn man vor ihm mit den Armen schwenkt, stoppt er. Macht man hinter ihm große Bewegungen, wird er schneller.
Anja: Außerdem wurde uns erklärt, wie man die Richtung ändern kann. Man muss einfach den Kopf sachte mit der Leine in die entsprechende Richtung ziehen, dann folgt der Esel.

In Italien, Frankreich und Portugal tragen Esel auch das Gepäck

Lumao: Und am nächsten Morgen geht man dann los – mit zwei Eseln. Ich kann mir vorstellen, dass da eine gehörige Portion Unsicherheit mitwandert, oder?

Anja: Nur ganz kurz. Nach einer Stunde haben wir uns schon ziemlich sicher gefühlt. Da konnten wir dann auch die Umgebung genießen: Die Landschaft im Bayerischen Wald ist wunderschön, wir waren rund um den Brotjacklriegel unterwegs.

Lumao: Der Brotjacklriegel ist gut 1.000 Meter hoch. Das bringt mich zu der Frage: Ist so eine Eselwanderung eine anstrengende Tour?

Anja: Nein, überhaupt nicht. Man macht nicht wirklich viel Strecke, wir sind ungefähr zehn Kilometer am Tag gewandert. Der Weg war das Ziel.

Die Wanderroute steht von Anfang an fest und ist meist gut ausgeschildert

Lumao: Man wandert also langsam, friedlich und einträchtig nebeneinander her?

Anja: Meistens, ja. Man muss den Eseln natürlich schon zeigen, wer der Herr ist. Man muss deutlich machen: Jetzt gehen wir. Und: Jetzt machen wir Pause. Aber wenn man das geschafft hat, läuft es super. Nur wenn es bergab ging, mussten wir aufpassen, dann wollten Jannes und Polly losrennen und das leckere Gras am Wegesrand futtern. Einmal sind sie uns in so einer Situation tatsächlich abgehauen. Aber als wir unten in der Talsohle ankamen, konnten wir sie wieder einfangen.

Lumao: Haben die Esel das Gepäck getragen?

Sönke: Nein, leider nicht. Das war eigentlich schade, aber das ist laut Aussage der Besitzerin zu kompliziert. Man muss das Gepäck richtig an- und abschnallen, das ist für Ungeübte offenbar schwierig.
Anja: Unser Gepäck wurde von Unterkunft zu Unterkunft transportiert. Wir hatten nur kleine Rucksäcke mit unserer Verpflegung mit dabei.

Des Esels Leibgericht: frisches Gras und Klee

Lumao: Wie praktisch. Wo bleiben denn die Esel in der Nacht?

Anja: Das ist ganz unterschiedlich. Mal standen sie in einer Art Scheune, dann auch mal in einem Stall, zum Beispiel, als wir auf einem zauberhaften kleinen Bauernhof in Ölberg übernachtet haben. Da konnten wir vom Balkon aus die Alpen sehen, das war wirklich schön.

Lumao: Das klingt alles sehr entschleunigend …

Anja: Ja, das ist es auch. Besonders schön waren auch die Pausen. Wir haben zwischendurch immer mal Rast gemacht, das Wetter war super. Dann haben die Esel Gras gefressen oder unsere Rucksäcke unter die Lupe genommen. Der Duft von Apfeltee scheint für sie besonders verlockend zu sein. 

Lumao: Da möchte man selbst gleich mit Eseln wandern …

Anja: Ja, wir konnten uns am Ende unserer Reise auch schlecht von den beiden trennen. Außerdem gibt einem so eine Wanderung mit Eseln Selbstvertrauen. Man fährt mit dem guten Gefühl nach Hause, das hinbekommen zu haben.

Nach ein paar Tagen sind einem die Langohren richtig ans Herz gewachsen

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