Hausbooturlaub mit der Familie: im Herbst auf der Müritz

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Ist es ein Kinderspiel, so ein Hausboot über den See und in den Hafen zu manövrieren? Und wie fühlt sich ein Familienurlaub auf einem schwimmenden Ferienhaus an, noch dazu im Herbst? Lumao-Autor Knud Harms hat es ausprobiert.

Der Himmel ist fast wolkenlos. Ein Schwarm Gänse flattert der Müritz entgegen, im Hafenbecken schnappen Fische nach tieffliegenden Mücken. Ich spüre Nervosität in mir aufsteigen und Schweiß auf meiner Stirn. Dieses gut 11 Meter lange und fast vier Meter breite Schiff soll ich durch das kleine Hafenbecken manövrieren? Erich, der mich in die Kunst des Hausboot-Fahrens einführt, steht ungerührt neben mir, während ich unser Feriendomizil vorsichtig durch die Marina Müritz manövriere. Ob er eingreift, wenn ich den anderen Schiffen, der Kaimauer oder der Uferböschung zu nah komme?

Noch ist die Anspannung des Kapitäns spürbar: Lumao-Autor Knud steuert die „Klaipeda“ ©Knud Harms

Um es kurz zu machen: Erich hat nicht eingegriffen, musste er auch nicht. Nach gut zwei Stunden lege ich wieder an – ohne eine Spur der Verwüstung hinterlassen zu haben. Nun dürfen wir ohne Sportbootführerschein über die Müritz schippern. Erich klopft mir auf die Schultern und sagt: „Gute Reise! Das schafft ihr schon.“ Dann wendet er sich ab – und wir sind allein auf der „Klaipeda“.

©Knud Harms

Hausbooturlaub: Kombüse, Betten, Bad – alles da

Während sich meine Anspannung langsam auflöst, bezieht meine Familie schon mal unser Hausboot. Im Inneren versteckt „Klaipeda“ eine Kombüse, zwei Kabinen mit je drei Betten, zwei Bäder und ein Sonnendeck. Aurelia (9), Amelie (12) und Anton (12) nehmen die Bugkabine in Beschlag, „die hat echte Bullaugen und ein Panoramadach“, stellen sie begeistert fest. Theodor (5), meine Frau Nele und ich beziehen die ebenso gemütliche Kabine im Heck der „Klaipeda“.

Perfekt zum Spielen und um den Kurs zu planen: der gemütliche Salon im Hausboot ©Knud Harms

Am nächsten Morgen lässt der Dieselmotor das Schiff vibrieren. Aurelia und Amelie machen die Leinen los, kurz darauf gleiten wir langsam durch die schmale Hafenausfahrt. Vor uns liegt die Müritz, groß, weit und leer, da macht sich auch in mir Entspannung breit. „Ist es schwer, das Schiff zu steuern?“, fragt Amelie in meine Gedanken hinein. „Nein, eigentlich nicht“, sage ich, „aber im Hafen war es ganz schön eng und das Schiff schien ziemlich groß.“ „Darf ich auch mal steuern?“, folgt gleich die nächste Frage.


Auf dem Hausboot dürfen auch die Kinder mal ans Ruder

Natürlich dürfen die Kinder ans Ruder. Es ist Herbst und auf der morgendlichen Müritz ist nichts los. Die Kinder übernehmen der Reihe nach das Steuer und drehen diverse Schlenker. Und irgendwann singt jemand „Jetzt fahr‘n wir über‘n See, über‘n See…“

Hochkonzentriert: Steuerkind Aurelia hat die „Klaipeda“ voll im Griff ©Knud Harms

Ein paar Stunden und sechs Seemeilen später nähern wir uns langsam unserem ersten Ziel: dem kleinen Städtchen Röbel. Links schwimmt das Naturschutzgebiet „Großer Schwerin“ an uns vorüber, dann taucht Gegenverkehr auf: das nostalgische Dampfschiff Europa, mit dem man die Müritz erkunden kann, wenn man nicht gerade selber Kapitän spielt. Wir winken den Fahrgästen zu und halten kurz darauf inne. Ein Schwarm Graugänse erhebt sich laut schnatternd aus dem dichten Grün des Naturschutzgebiets und zieht über unser Schiff hinweg. „Wo die wohl hinfliegen?“, fragt Theodor in die Runde.

Röbel ist über 1000 Jahre alt und eines der beiden touristischen Zentren der Müritz. Schmucke und bunt verputzte Fachwerkhäuser, ein kleiner, gemütlicher Hafen mit ein paar Souvenirläden und Fischbrötchenbuden. Und nicht zu vergessen: die Windmühle, postkartenschön, steinalt und von nahezu jedem Punkt der Stadt zu sehen.

Klein, alt und wunderschön: der 5.000-Seelen-Ort Röbel ©Bergringfoto/stock.adobe.com

Urlaub auf dem Hausboot: Für Familien eine 1A-Idee!

Die nächste Etappe. Mit Kompass und Karte stecke ich den Kurs ab. Unser Ziel: der Fischerhof Damerow. Langsam bewegt sich unsere „Klaipeda“ vorwärts, wir können beobachten, wie sie auf unserer Seekarten-App vorwärts kriecht. „Wie tief ist die Müritz eigentlich?“, will Amelie wissen. „Unser Echolot zeigt gerade eine Tiefe von 11 Metern an“, antworte ich. In den folgenden Minuten versuchen die Kinder, die tiefste Stelle auf die Seekarte zu finden. Sie verfolgen den Kurs und suchen Ziele aus. Bis wir nach einer weiteren Stunde an Waren vorbeigleiten und durch den Reeckkanal in den Kölpinsee schippern.

Matrose Theodor hat alles im Blick, nur die Wisente machen sich rar ©Knud Harms

Zeit, die mitgebrachten Ferngläser zu zücken. Am Nordufer des Kölpinsees befindet sich der Damerower Werder, eine Halbinsel, auf der bereits seit 1957 Wisente gehalten und gezüchtet werden, um die größten Landsäugetiere Europas vor dem Aussterben zu bewahren. Doch leider lässt sich keines der Wisente am Ufer blicken.


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Zum Glück haben wir inzwischen schon ein paar Seemeilen Erfahrung, denn voraus liegt die Zufahrt zum Jabelschen See, schmal und nur etwa einen Meter tief. An Back- und Steuerbord ragen die Äste der Bäume fast bis aufs Deck, die „Klaipeda“ wirkt in dem engen Kanal plötzlich wie die „Queen Mary 2“ im Hamburger Hafen. „Ich kann den Boden sehen“, ruft Aurelia vom Bug des Schiffes aus. Wieder steigt ein bisschen Aufregung in mir auf. Doch wir schaffen die Durchfahrt ohne Grundberührung und auch das Anlegemanöver am Steg von Damerow.

Idylle auf 117 Quadratkilometern: die Müritz ©Knud Harms

Die Hausboot-Küche bietet alles, was man braucht

Die wahrscheinlich leckersten Fischbrötchen der Welt: die Fischbrötchen von den Müritzfischern ©Knud Harms

Zur Belohnung gibt es eine Runde Fischbrötchen bei den Müritzfischern, die mehrere Fischerhöfe an den Mecklenburgischen Seen betreiben. „Das sind die frischesten, besten und leckersten Fischbrötchen, die ich je gegessen habe“, begeistert sich meine Frau Nele nach dem dritten Bissen. Die Kinder haben es sich auf unserem Sonnendeck gemütlich gemacht und kauen mit Blick auf den See. „Einfach himmlisch“, denke ich und bleibe mit meinen Blicken am Silberreiher hängen, der nur ein paar Meter entfernt im Schilf nach Fischen jagt.

Am nächsten Morgen gibt es Pfannkuchen zum Frühstück. Die Küche ist zwar klein, doch mit Gasherd, Backofen, Kühlschrank und Kaffeemaschine bietet sie alles, was wir brauchen. Es dauert nicht lange, bis der leckere Duft in die Kabinen zieht und selbst die Teenager aus den Betten locken.

Für Hausboote bis 15 Meter Länge und max. 12 km/h braucht ihr keinen Sportbootführerschein ©Knud Harms

Auch im Herbst eine gute Idee: Hausbooturlaub auf der Müritz

 „Dürfen wir heute überhaupt fahren?“, fragt meine Frau beim Blick auf die grauen Wolken, die über uns hinwegrasen und krause Wellen auf dem Jabelschen See hinterlassen. „Dürfen wir, aber morgen vielleicht nicht“, sage ich mit einem Blick auf die Wetterprognose: Wer keinen Sportbootführerschein hat, muss auf der Müritz ab Windstärke 4 im Hafen bleiben.  So ziehen wir die für morgen geplante Etappe vor und schaukeln über die Müritz, die heute ein wenig an die Nordsee erinnert.

Gemütlich trotz Regenwetter: ein Urlaub auf dem Hausboot ©Knud Harms

Im Hausbootrevier an der Müritz: der Affenwald und die Sommerrodelbahn Malchow

Am nächsten Tag geht es also statt in den nächsten Hafen in den Affenwald und zur Sommerrodelbahn nach Malchow. Die Kinder sausen die 800 Meter lange Rodelstrecke hinunter, dann wandern wir zu den Berberaffen, die hier in einem riesigen Naturgehege leben.

Affen hautnah erleben – das ist im Affenwald Malchow möglich ©Knud Harms

„Wie süüüß!“, höre ich meine Kinder kreischen, noch bevor ich überhaupt das Gehege betreten habe. Tatsächlich: Direkt hinter der Eingangspforte sitzt einer der vielen Berberaffen und verspeist Erdnüsse. Die anderen Mitglieder der Affenbande hangeln sich die Bäumen rauf und runter, und ein besonders mutiger Affe springt meiner Frau sogar auf die Schulter. Wirklich süß!

Auch der Bärenwald Müritz liegt in unserem Hausbootrevier, klar, dass wir auch dem einen Besuch abstatten. Die Bären lebten früher in Zoos, im Zirkus oder wurden privat gehalten – meist unter grausamen Bedingungen, hier leben sie jetzt artgerecht. Wir streifen durch den grünen Wald, entdecken hier und da ein paar der 15 Bären, lesen ihre Geschichten und rätseln um die Wette, welchen der Bären wir wohl gerade vor uns haben.

16 Braunbären leben aktuell im Bärenwald Müritz, dem größten Bärenschutzzentrum Westeuropas ©Bärenwald Müritz/ Thomas Oppermann

Hausbooturlaub auf der Müritz: für Familien ein top Revier

Am letzten Morgen gibt es Fischbrötchen zum Frühstück. Kauend lassen wir unsere Blicke über die „kleine Müritz“ wandern. Wir denken an die schönen Morgenstunden mit den leckeren Pfannkuchen, an die Gänse, die Bären und die Berberaffen. An die Nächte in den Häfen und die Stunden auf See. „Ich finde es toll, dass man auf einem Hausboot immer alles dabei hat“, resümiert Theodor. Das stimmt. Für Familien ist ein Hausboot wie unsere „Klaipeda“ eine tolle Art zu reisen. Und die Müritz, dieses Land der 1000 Seen, ist ein 1A-Revier für Familien. Wir haben in den vergangenen Tagen gerade mal 10 Seen geschafft – wir können also noch oft wiederkommen!

So viele Boote! In den Häfen gibt es für Kinder immer viel zu sehen ©Knud Harms

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Knud Harms durchstreifte während seines Ozeanographie- und Geographie-Studiums viele Länder und Meere – doch er kehrte immer wieder zurück in seine Heimatstadt Hamburg. Mit seiner Frau und drei Kindern nutzt er die Stadt noch immer als Tor zur Welt. Er arbeitet in einer echten Fernweh-Buchhandlung und hat so ständig jedes Reiseziel vor Augen.

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