Sauerland: Familienurlaub auf dem Bauernhof

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Schweine füttern, Trecker fahren und Ponyreiten – Urlaub auf den Ferienbauernhöfen des Schmallenberger Kinderlands bringen tierisch viel Spaß. Und wenn ihr es schafft, eure Kids vom Hof zu locken, überrascht auch das Sauerland mit top Familien-Highlights.

Auf einen Blick!

Das Schmallenberger Kinderland ist eine Kooperation aus 27 familienfreundlichen Ferienbauernhöfen. Alle Kinderland-Höfe liegen im wunderschönen Sauerland, das dank der waldreichen Hügellandschaft als top Reiseziel in Deutschlands Westen gilt.
Zielgruppe Die Ferienhöfe im Schmallenberger Kinderland sind speziell auf Familien mit Kindern ausgerichtet – ob Babys, tiervernarrte Kleinkinder oder reitbegeisterte Teenager.
Highlights Die Bauernhöfe bieten ein abwechslungsreiches Hof-Programm mit Ponyreiten, Treckerfahren, Alpakawanderung und vielem mehr. Aber auch das Sauerland hat mit Freizeitparks und anderen Familien-Highlights einige Trümpfe im Ärmel.
Übernachten Ihr wohnt in komfortablen, kindgerecht eingerichteten Ferienwohnungen, die sich zumeist in traditionsreichen Bauernhäusern befinden.

Eine Reportage von Kirsten Düspohl

Lulu guckt mich aus großen, braunen Kulleraugen an, klimpert mit ihren langen Wimpern und kommt schüchtern ein paar Schritte auf mich zu. Ganz langsam hebe ich meine Hand. Wird sie es zulassen, dass ich sie streichle? Ihr braunes, krauses Fell ist einfach zu verführerisch. Ich wage es und streiche vorsichtig über ihren langen Hals. Meine Finger tauchen in plüschweiche Wolle, die jedem Kuscheltier Konkurrenz macht. Herrlich warm und flauschig! „Alpakas sind sensible Tiere, die euch genau beobachten. Wenn ihr ruhig und besonnen seid, sind sie es auch“, erzählt Janina. Die sympathische Bäuerin ist nicht nur die Besitzerin einer kleinen Alpakaherde, zu der auch Alpakastute Lulu gehört, sie ist in dieser Woche auch unsere Vermieterin.

Gruppenbild mit Alpaka: Lumao-Autorin Kirsten mit ihrer Familie und Lulu ©Kirsten Düspohl

Schmallenberger Kinderland: Bauernhofurlaub aus dem Bilderbuch

Zusammen mit ihrem Mann Thomas und dessen Eltern betreibt Janina den Ferienhof Voß – ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch. Der Bio-Hof liegt im kleinen Örtchen Lenne im Sauerland und ist einer von insgesamt 27 Ferienhöfen, die zum Schmallenberger Kinderland gehören.

Das Fachwerkhaus vom Ferienhof Voß stammt aus dem Jahr 1780 ©Kirsten Düspohl

Und wie all die Ferienhöfe dieser Kooperation ist auch der Bauernhof Voß voll und ganz auf Familien eingestellt. Das zeigt sich unter anderem an den zehn modern eingerichteten Ferienwohnungen, benannt nach den tierischen Bewohnern des Hofes. Unser Domizil für diese Woche: die 75 m² große Ferienwohnung „Ente“ mit allem Komfort, den man sich als vierköpfige Familie wünschen kann.

Ein weiteres Argument für die Schmallenberger Bauernhöfe: das Hofprogramm. „Mitmachen, streicheln und füttern ist hier ausdrücklich erlaubt“, hatte Janina uns schon bei unserer Ankunft vor drei Tagen informiert. „Ihr dürft mir gerne dabei helfen, die Tiere zu füttern, die Eier im Hühnerstall einzusammeln oder die Rinder auf die Weide zu treiben. Und ich halte euch bestimmt nicht davon ab, den Stall auszumisten“, fügte sie augenzwinkernd hinzu. Unsere Kinder Jette (12) und Tom (10) waren sofort Feuer und Flamme.

Jette und Tom helfen überall gern mit – auch im Kuhstall ©Kirsten Düspohl

Ein Höhepunkt für Familien: die Alpaka-Wanderung

Neben den alltäglichen Bauernhofaktivitäten stehen ein paar echte Highlights auf dem Programm. Eine geführte Waldexkursion zum Beispiel, Treckerfahren und eine Wanderung mit den Alpakas – womit wir wieder bei Lulu wären, der flauschigen Alpakadame. „Wenn ihr und eure Alpakas euch beschnuppert habt, kann es losgehen“, sagt Janina zu unserer Gruppe, die aus sämtlichen Gästen des Ferienhofes besteht.

Das hügelige Sauerland ist das größte zusammenhängende Urlaubs- und Erholungsgebiet nördlich des Mains ©Kirsten Düspohl

Unser Jüngster Tom übernimmt motiviert den Führstrick. Schnell stelle ich fest: Alpakas sind vorsichtige, aber auch gemütliche Tiere. Das Tempo ist gemächlich, sodass selbst die Kleinkinder unserer Kolonne problemlos mithalten. „Ich habe letztens erst gelesen, dass Spaziergänge mit Alpakas für Entschleunigung sorgen“, flüstere ich meinem Mann zu, „jetzt weiß ich warum.“ Denn: Zur Ruhe kommen kann man bei dieser Wanderung ganz wunderbar – nicht nur wegen der feinfühligen Tiere, sondern auch aufgrund der postkartenschönen Umgebung.

Die Kinder haben die Alpakas, die zur Familie der Kamele gehören, ins Herz geschlossen ©Kirsten Düspohl

Der Weg führt bergauf durch aromatisch duftende Wälder mit dicken Tannenzapfen und knallroten Fliegenpilzen am Wegesrand. Lichten sich die bunten Laubwälder, öffnet sich der Blick ins Tal mit sattgrünen Wiesen, durch die sich etliche Wanderwege schlängeln. „Hier ist es richtig idyllisch“, bestätigt Jette meine Gedanken und lässt den Blick Richtung Lenne schweifen. Von dem 400-Seelen-Dorf im Tal des gleichnamigen Flusses sind nur noch der hübsche Kirchturm und die Spitzen einiger Fachwerkhäuser zu sehen.

©Kirsten Düspohl

Das Sauerland – ein Top-Ziel für Familien

Keine Frage: Das Sauerland ist ein tolles Reiseziel für Familien. Immer wenn es uns an den letzten zwei Tagen gelang, die Kinder von den Ponys, Ziegen, Schweinen und Hasen fortzulocken, stellten wir fest: Die hügelige Mittelgebirgsregion am Fuße des Rothaargebirges hat gerade für Familien richtig viel zu bieten. Da wären zum einen die zahlreichen Wanderwege von ganz unterschiedlicher Länge. Einen davon, den rund sieben Kilometer langen Rundwanderweg LE1, hatten wir bereits am Vortag getestet.

Richtig hübsch: das historisches Zentrum von Schmallenberg ©Kirsten Düspohl

Zum anderen sind die malerischen Städtchen wie geschaffen für einen gemütlichen Bummel. Auch davon konnten wir uns bereits überzeugen, als wir, ausgestattet mit Flyern der Touristeninformation, bei der kindergerechten „Denkmalrallye“ auf Entdeckungsreise durch das benachbarte Schmallenberg gingen. Die Tour durch die Stadt mit historischem Stadtkern endete am großen Schützenplatz – genauer gesagt im Eiscafé San Remo. Unser Tipp: Crêpes mit Schokoeis und Bananenstückchen.

Doch zurück zu den Bauernhofferien, zum Bauernhof Voß. Nach der Alpakawanderung folgt der kulinarische und gesellige Teil. Heute ist Pizzatag, das heißt: Jede Familie, die Lust auf italienische Küche hat, gibt bei Janina eine Bestellung auf. Wir essen gemeinsam an rustikalen Holztischen unterm großen Scheunenvordach. Und während wir Erwachsenen noch bei Bier und Fassbrause Ausflugstipps austauschen, erstürmen die Kinder Spielscheune, Strohburg und Spielplatz.

Bei jedem Wetter ein Platz zum Toben und Spielen: die Strohballen in der Scheune des Bauernhofs Voß ©Kirsten Düspohl

Spaß und Action im Fort Fun Abenteuerland

Am nächsten Morgen gelingt es uns tatsächlich, die Kinder zu einem Tagesausflug zu überreden. Unsere Argumente: Wildwasserbahn, Kettenkarussell und Achterbahn. Es geht ins Fort Fun Abenteuerland nach Bestwig. Nach einer halben Stunde Autofahrt erreichen wir den im Wildwest-Stil angelegten Freizeitpark, der als eine der bekanntesten Familienattraktionen im Sauerland gilt.

Rund 40 Fahrgeschäfte verteilen sich in dem 70 Hektar großen Park ©Kirsten Düspohl

„Hier ist ja kaum was los“, freut sich mein Mann und fügt mit einem Blick zum Himmel hinzu, „liegt vielleicht am Nieselregen“. Von den paar Tropfen lassen wir uns den Spaß nicht verderben – spätestens in den Wasserbahnen werden wir sowieso nass. „Das war richtig cool“, meint unsere Tochter auf der Rückfahrt, „aber morgen möchte ich gerne wieder mehr Zeit auf dem Bauernhof verbringen. Vielleicht gibt Janina mir Reitunterricht.“

Ponyreiten gehört im Schmallenberger Kinderland dazu

Macht sie! „Wenn die Pferde gestriegelt und die kleineren Kinder mit dem Ponyreiten durch sind, schnappen wir uns Shakira und ich gebe dir auf dem Reitplatz eine Stunde“, sagt die engagierte Bäuerin und deutet auf das braune Deutsche Reitpony, das bereits aufgezäumt am Stall wartet. Die sanfte Stute entpuppt sich als geduldiges Anfängerpony. Shakira läuft an der Longe im Kreis, erst im Schritt, dann etwas schneller im Trab und schließlich sogar im Galopp. Jette grinst wie ein Honigkuchenpferd – manchmal ist das Leben eben doch ein Ponyhof!

Urlaub auf einem der Schmallenberger-Kinderland-Höfe: Reitstunden gehören auf Wunsch dazu ©Kirsten Düspohl

Ein Mix aus Hof-Aktionen und Ausflügen

Die Woche vergeht viel zu schnell und besteht aus einem wunderbaren Mix aus Hof-Aktivitäten und kleineren Ausflügen, etwa zum Erlebnisberg Kappe in Winterberg mit Kletterwald, Panorama-Brücke und Sommerrodelbahn oder hoch auf den Kahlen Asten, den zweithöchsten Berg Nordrhein-Westfalens.

700 Meter rasant bergab – auf der Sommerrodelbahn auf dem Erlebnisberg Kappe ©Kirsten Düspohl

„Wie wäre es heute am letzten Tag noch einmal mit einer Fahrradtour?“, werfe ich beim Frühstück in die Runde, „es gibt eine 53 Kilometer lange Trekking-Route rund um das Gebiet des Schmallenberger Kinderland.“ Die Kinder gucken mich mit großen Augen an. „Über 50 Kilometer in dieser bergigen Landschaft? Bist du verrückt?“, fragt Tom etwas fassungslos. Ich muss grinsen und erzähle ihnen, dass es in der Touristeninformation einen E-Bike-Verleih gibt – auch für Kinder. „Das ist sicher wie Mopedfahren“, versuche ich zu motivieren. Ich sehe es ihnen an: Jette und Tom glauben mir kein Wort, lassen sich aber darauf ein.

Mit E-Bikes total easy – 53 Kilometer bergauf, bergab ©Kirsten Düspohl

Die gut beschilderte Strecke führt die meiste Zeit auf Radwegen durch Wiesen, Wälder und kleine Orte mit so klangvollen Namen wie Grafschaft, Oberkirchen und Fleckenberg. Zugegeben: Mit Mopeds wäre die Tour vermutlich leichter, aber wenn wir auf Turbo schalten, radeln wir selbst die Berge zügig hoch, ohne aus der Puste zu sein. „Mit einem normalen Rad hätten wir jetzt sicher lahme Beine“, meint Tom lachend, als wir die E-Bikes rund vier Stunden später an der Touristinformation zurückgeben.

Urlaub auf dem Bauernhof: ein Kinderspiel

So aber haben wir noch genug Energie, um den Tag auf dem Bauernhof ausklingen zu lassen, noch einmal bei Pünktchen und Anton, den beiden Minischweinen, vorbeizuschauen, den süßen Hasen eine Möhre zuzustecken und Kater Gismo mit einer kleinen Streicheleinheit zu verwöhnen. „Ferien auf dem Bauernhof bringen richtig Spaß. Warum haben wir das nicht schon viel häufiger gemacht?“, fragt Jette abends beim Kofferpacken etwas wehmütig. Eine gute Frage. Denn eines steht fest: So ein Bauernhofurlaub ist ein Selbstläufer. Die Kinder sind glücklich mit den Tieren und den Hofaktionen und wir Erwachsenen können mitmachen oder uns entspannt zurücklehnen. „Besser spät als nie“, sage ich und füge schmunzelnd hinzu, „es gibt im Schmallenberger Kinderland schließlich noch 26 weitere Bauernhöfe, die wir entdecken können …“

Die Schweine namens Pünktchen und Anton haben immer Hunger ©Kirsten Düspohl

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2 KOMMENTARE

  1. Sehr schön beschrieben und der Wahrheit sehr treu geblieben. Sowohl der Hof Voß als auch die Gegend sind sehr schön, fast malerisch.
    Die Betreiber sind jung, engagiert und zuvorkommend.
    Die Vielfältigkeit der Angebote und auch Tiersorten machen das Ganze noch attraktiver.
    Erst vor kurzem durfte unsere Tochter ihr lang ersehnten Mädchentraum erfüllen – aufneinem Pferd gallopieren. Es hat ihr unheimlich viel Spaß gemacht und unter die sorgfältige Einleitung von Janina, durftensie sogar ein paar Kunststücke auf dem Pferderücken üben.
    Da ist Spaß für die ganze Familie vorprogrammiert!
    Wir freuen uns auf ein Wiedersehen! 🙂

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