Kling – klong – kling – klong … „Was bimmelt denn da so?“. Unser Sohn Theodor (8) schaut sich suchend um. Auch seine Geschwister Anton (15) und Aurelia (12) spitzen die Ohren, starren in die Dämmerung, die den kleinen, hell erleuchteten Bahnhof von Disentis umhüllt. Gerade hat uns der Zug in der beschaulichen 2.000-Seelen-Gemeinde ausgespuckt, von der bis auf ein paar Lichter kaum noch etwas zu sehen ist. Stattdessen empfangen uns die rhythmischen Geräusche, die aus dem Schatten der umliegenden Weiden kommen. Meine Frau Nele und ich grinsen uns an: „Das sind Kuhglocken!“ Nichts anderes könnte an diesem lauen Abend auf heimeligere Art verkünden, dass wir in der Schweiz angekommen sind …

Gut und günstig für Familien: die Reka-Feriendörfer in der Schweiz
Vom Bahnhof sind es nur ein paar Minuten bis zum Reka-Feriendorf, unser Urlaubsdomizil für die nächste Woche. Reka, das steht für die „Schweizer Reisekasse“ – in der Schweiz überall bekannt, in Deutschland noch ein echter Geheimtipp. Das Besondere: Als Genossenschaft und Non-Profit-Organisation verzichtet Reka darauf, Gewinne auszuschütten, investiert stattdessen in die „Stiftung für Ferienhilfe“ und ermöglicht so seit 1939 günstigen Urlaub für Familien in der Schweiz.

Ganz neu ist das in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus kreierte Swisstainable-Kids-Programm. Das Konzept stellt die gelebte Nachhaltigkeit in den Vordergrund, verbindet die Schweiz (swiss) mit nachhaltigem (sustainable) Urlaub.

Und genau das werden wir die nächsten sieben Tage ausprobieren – und zwar im Reka-Feriendorf Disentis, eines von insgesamt elf Reka-Feriendörfern, sechs Reka-Ferienanlagen und zwei Reka-Resorts in der Schweiz.
Spielplätze, Schwimmbad & Co – das Reka-Feriendorf Disentis hat viel zu bieten
„Ihr müsst unbedingt rausschauen. Da ist noch Schnee auf den Bergen“. Laute Begeisterungsrufe von Aurelia wecken uns am nächsten Morgen. Schlaftrunken öffne ich meine Augen – und bin ebenso wie der Rest der Familie sofort hellwach. Tatsächlich! Was gestern in der Dämmerung nur schemenhaft erkennbar war, entpuppt sich jetzt bei Tageslicht als atemberaubender Ausblick über das Tal und die gegenüberliegenden Berge.

Nach einem kurzen Frühstück stehen wir schon mitten auf dem großen Spielplatz, der die Häuser des Feriendorfs von den bunt blühenden Almwiesen trennt. Und mir wird klar: In unserer geräumigen Ferienwohnung werden wir in diesem Urlaub nur wenig Zeit verbringen …

Theodor wuselt fröhlich durch kleine, liebevoll gestalte Spielplatzhäuschen, die Namen wie „Ustria“ (Restaurant) und „Lavanderia“ (Wäscherei) tragen. Rätoromanisch, die dritte Amtssprache im Schweizer Kanton Graubünden, ist hier ebenso präsent wie unverständlich für unsere Ohren. Aus dem Gefängnis der „Polizia“ bricht Theodor schnell wieder aus und als die Kinder erfahren, dass in dem Sand des Spielplatzes Rheingold versteckt ist, das an der Rezeption in Eis eingetauscht werden kann, bricht auch bei den großen Geschwistern der erste Goldrausch aus.

Egal, das Schwimmbad mit Panoramafenstern und Bergblick, den Spieleraum mit Schaukelpferd für die Kleinen und Tischtennisplatte, Billard- und Kickertischen für die Großen können wir auch in den nächsten Tagen noch entdecken.

Ein Ferienparadies mitten in den Schweizer Bergen
Ein Eis später stehen wir vor der Frage: Setzen wir unsere Erkundungstour ins Tal Richtung Rhein fort oder laufen wir den Berg hinter dem Feriendorf hinauf? „Wir wollen zum Schnee“, rufen die Kinder unisono und so führt uns die erste Wanderung entlang der rauschenden Schmelzwässer des Rein d’Acletta bergauf in Richtung Alp Caischavedra.

Schattige Nadelwälder und grüne Almwiesen mit gelben Löwenzahntupfen wechseln sich ab, einzig unterbrochen von kristallklar plätschernden Bächen und erfrischenden Wasserfällen. An einem besonders schattigen Platz taucht dann die erste weiß glitzernde Fläche vor uns auf und keine Minute später lässt Anton den ersten Schneeball fliegen. Eine Schneeballschlacht im späten Frühling – in der Schweiz anscheinend kein Problem!

Plötzlich bewegt sich oben am Berg braunes Fell auf vier Pfoten, ist kurz zu sehen und dann schon wieder weg. Fuchs oder Wolf? „Beides ist hier in den Bergen der Surselva möglich“, versichert uns René, der Leiter des Reka-Feriendorfs, nach unserer Rückkehr beim abendlichen Plausch. René wirft gemeinsam mit uns noch einen Blick auf das Wochenprogramm des Rekalino-Clubs. Das Angebot für die „Swisstainable Kids“ hat ein paar spannende Programmpunkte ganz im Sinne der Nachhaltigkeit: Diese Woche wird ein Wasserkreislauf im Glas erstellt, ein Insektenhotel gebaut und die Kinder können ihrer Fantasie beim Upcycling freien Lauf lassen. „Auf jeden Fall gehen wir zur Rekalino Pizza-Party und zum Kinoabend“, sind sich unsere Kinder einig.

Ein Highlight im Swisstainable-Programm: die Lamawanderung
Am nächsten Tag lernen wir Lindo kennen – gespitzte Ohren, schwarzen Augen und das kuscheligste Fell der Welt. Auf dem Programm steht eine Lamawanderung. Das diese entlang der üppig blühenden Wiesen aber auch ihre Tücken haben kann, merken wir immer wieder, wenn sich die langen Hälse unserer Begleiter zu den leckersten Kräutern am Wegesrand beugen. Am Ende der Tour fühlen wir uns trotzdem wie echte Lama-Expertinnen und -Experten. „Papa, die Lamas nehmen wir mit nach Hause“, sagt Aurelia scherzhaft, als wir uns nach gut zwei Stunden von den zotteligen Vierbeinern trennen müssen, und lässt keinen Zweifel daran, dass die Lamawanderung ihr persönliches Highlight in diesem Urlaub war. Ob Lindos Herz beim Abschied ähnlich schwer ist wie Aurelias?

Disentis in Graubünden – der perfekte Ort für kleine und große Goldgräber
Viel Zeit für schwere Herzen bleibt allerdings nicht. In Disentis gab es einige der größten Goldfunde der Schweiz. Klar, dass auch wir unser Glück versuchen wollen, und so finden wir uns nach einer weiteren Nacht und einem goldenen Sonnenaufgang mit unseren Guides Sandro und Priska am Flußufer ein.

Die Fischerstiefel sind schnell angelegt und mit Schaufel, Eimer, Goldwaschschleuse und Pfanne stehen wir im Nu im Jungrhein und träumen davon, unser persönliches Rheingold zu schürfen. Wir graben, waschen und finden dank Priskas Einweisung schnell die richtige Schwenktechnik für die Pfannen heraus. Immer wieder blicken wir fasziniert auf die glitzernden und flimmernden Körnchen in unseren Pfannen. Doch heute bewahrheitet sich der Spruch: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Immerhin: Ein kleines Goldflitterchen im Reagenzglas können die Kinder am Ende des Ausflugs mit nach Hause nehmen. Einen deutlich größeren Bergkristall gibt es als Andenken obendrauf. „Der glänzt auch schön“, findet Theodor und zieht sich zufrieden die Gummistiefel aus.

Mitten in der Schweiz: der höchstgelegene Leuchtturm der Welt
„Kommt ihr mit zum Leuchtturm?“, am nächsten Morgen blicke ich in kritische Kinderaugen. Für unsere Kinder ist heute offensichtlich der Zeitpunkt gekommen, ihren Papa für verrückt zu erklären. Meine Idee ist allerdings absolut ernst gemeint. Denn: Auf dem Oberalppass thront der höchstgelegene Leuchtturm der Welt in über zweitausend Meter Höhe. Er markiert das Rheinquellgebiet und ist eine Kopie eines ehemaligen Rotterdamer Leuchtturms, einst an der Rheinmündung positioniert.

Und so bringt uns die zahnradbetriebene Matterhorn-Gotthard-Bahn von Disentis aus immer höher zur Bahnstation Oberalppass. Und – Überraschung – mitten in den tiefsten Winter! Schneeberge, zugefrorene Seen, keine Handschuhe oder Mützen und mittendrin der Leuchtturm. Die von uns geplante Wanderung zu den Rheinquellen ist bei diesen Bedingungen schlicht unmöglich. Stattdessen bauen wir ein paar Schneemänner und machen uns dann fröstelnd schnell wieder auf den Weg in das T-Shirt-warme Feriendorf im Tal.

Fazit: Die Reka-Feriendörfer verbinden Action, Familienspaß und Bergidylle
Die Woche vergeht wie im Flug. Viel zu schnell steht das letzte Highlight auf dem Programm: ein Besuch des uralten Klosters von Disentis. Einer der knapp zwanzig hier lebenden Mönche führt uns durch die Abtei mit den imposanten, steinalten Mauern. Wir erfahren, dass ein erstes Kloster hier bereits vor 1.300 Jahren von den zwei Eremiten Sigisbert und Placidus errichtet wurde. Noch heute erinnern originale Mauerreste im jetzigen, etwa 300 Jahre alten Kloster daran.

Wir schlendern durch den Garten und den Klostershop, stöbern durch die Regale mit Tees und Essigen. „Guckt mal, die stellen hier auch selber Joghurt her“, sagt meine Frau Nele begeistert. Die Milch dafür kommt natürlich von den Kühen auf den Weiden, deren Glockenklang uns durch die Woche begleitet hat und die wir sicher auch morgen hören werden, wenn wir am Bahnhof wieder in den Zug Richtung Heimat steigen. Das Geläut der Kuhglocken ist unser Schweiz-Geräusch, in das wir uns in der „Swisstainable Kids“-Woche nachhaltig verliebt haben – ein bisschen Klischee, aber unglaublich schön!















