Wer London mit Kindern erkunden will, weiß oft nicht, wo er anfangen soll: Zuerst geht es meist zum berühmten Uhrturm „Big Ben“, zur imposanten Tower Bridge und ins Westminster Abbey, wo die britischen Royals gekrönt werden. Aber dann?
Zusammen mit meinen Töchtern habe ich mir die britische Hauptstadt vorgeknöpft und dabei viel Neues entdeckt, das ich von früheren London-Besuchen noch gar nicht kannte. Wichtigstes Kriterium dabei: Die Aktivitäten sollten kostenlos sein – und natürlich spannend für meine Kinder.

Tipp 1: Hoch hinaus zum Sky Garden
London einmal aus der Vogelperspektive sehen und alle Sehenswürdigkeiten von oben bestaunen? Das geht in der Metropole London auch ohne großes Portemonnaie. Vergesst das Riesenrad London Eye, bei dem ihr für eine vierköpfige Familie mehr als 100 Euro lasst, unser Vorschlag stattdessen: Tragt euch am besten schon vor eurem Städtetrip nach London für ein kostenloses Visitor Ticket beim Sky Garden ein.

Der Sky Garden Tower in der historischen City of London wurde vor 20 Jahren von einem uruguayischen Architekten designt. Seit 2015 sind die drei obersten Ebenen ab dem 35. Stock öffentlich begehbar. Witzigerweise hat das Gebäude aufgrund seiner ungewöhnlichen Form den Spitznamen „The Walkie Talkie“ bekommen – und tatsächlich stellen wir bei unserem Besuch fest: Die Glasscheiben werden umso größer, je höher unsere Augen nach oben wandern.

Oben angekommen in der ersten kostenlosen London-Aktivität für Kinder: Das mit tropischen Pflanzen wunderschön gestaltete Areal sieht aus wie ein botanischer Garten. Nach einem Stück Kuchen in der City Garden Bar könnt ihr auf der Freiluftterrasse mit einem Suchspiel euer London-Wissen testen: Wo steht das London Eye? Wo sind Tower Bridge und London Bridge? Wo befindet sich „The Shard“, Londons größter Skyscraper? Immerhin ist der 310 Meter hohe Wolkenkratzer eine der neuen Ikonen der britischen Hauptstadt – und aktuell das vierthöchste Gebäude Europas.
Tipp 2: National Portrait Gallery + National Gallery
Mit einem Besuch der National Gallery einschließlich der National Portrait Gallery könnt ihr bei euren Kindern das Interesse an der Kunst wecken. Ja, das geht – auch in Zeiten von Tiktok und Nintendo Switch. Spätestens, wer die Exponate des jährlichen Portrait Award erkundet, kommt mit seinen Kindern unweigerlich ins Gespräch – denn hier beschäftigen sich Künstler der Gegenwart damit, wie wir uns ein Bild von uns selbst und anderen machen. Ganz ohne Smartphone-Selfie. Und das sieht bisweilen wirklich skurril aus.

Insgesamt findet ihr allein in der Nationalen Porträtgalerie über 220.000 Exponate – von Gemälden über Zeichnungen, Skulpturen und auch Fotografien ist so ziemlich alles dabei.
Tipp 3: The British Museum of London
Der dritte kostenlose Familien-Tipp in London: das British Museum of London. Hier könnt ihr die Kulturgeschichte der letzten 2 Mio. Jahre bestaunen.

Während es meine Kinder vor allem auf die Mumien und Sarkophage aus dem alten Ägypten abgesehen haben, mag es für andere Kinder mindestens ebenso interessant sein, das antike Asien zu durchqueren. Hier findet ihr nicht nur Drachenmosaike und bunte Buddhas, sondern könnt auch kuriose Dinge lernen: Wusstet ihr beispielsweise, dass das Mongolische Imperium im 13. Jahrhundert von Korea bis nach Österreich reichte?
Übrigens: In London sind fast alle staatlichen Museen kostenlos. Und sie sind oft riesig. Überlegt euch also am besten vor der Reise, welches ihr besuchen wollt. Und bucht ggf. vorab online einen Zeitslot für den Einlass, um lange Wartezeiten zu vermeiden.
- Natural History Museum (South Kensington): Ein absolutes Muss für Dino-Fans. Das riesige Blauwalskelett und die Erdbebensimulation sind Highlights für Kids.
- Science Museum: Direkt nebenan mit spannenden Ausstellungsstücken zu Raumfahrt, Flugzeugen und Dampflokomotiven.
- Young V&A (etwas außerhalb in Bethnal Green): Preisgekröntes Mitmach-Museum, das speziell darauf ausgelegt ist, Kreativität bei Kindern durch Spielen zu fördern.

Tipp 4: Bummel durch Chinatown
Wie jede große Metropole hat auch London sein eigenes Chinatown – für Familien ein Must-see. Hier hängen nicht nur ganz pittoresk hunderte von roten Lampions über den Straßen – die Farbe Rot zieht nach chinesischem Verständnis das Glück an –, es gibt auch über 80 tolle asiatische Restaurants, Bäckereien und Geschäfte. Kein Wunder, immerhin ist jeder fünfte Bewohner Londons asiatischer Herkunft.

Bei einer deutschsprachigen Stadttour von Cobblestone Chronicles erfahren wir, dass ein sehr großer Teil der Chinesen in London aus der Stadt Hong Kong stammt. Warum das so ist? Die Südchinesen können durch vereinfachte Visa besonders leicht einwandern. Ganz ursprünglich war das Londoner Chinatown übrigens mal im Osten der Stadt – damals berühmt für Glücksspiel und Drogen.

In Londons Chinatown könnt ihr mit euren Kids nicht nur Klassiker wie Dumplings und Pekingente probieren, sondern auch andere asiatische Köstlichkeiten, z. B. ein japanisches Matcha Mille Crêpe. In der benachbarten Charing Cross Road findet ihr außerdem ein kleines Stück Südkorea in London: Wenn eure Teens auf K-Pop, K-Beauty, Snacks und niedliche Produkte aus Korea stehen, ist ein Besuch in dieser Ecke Londons Pflicht.
Noch ein Tipp für günstiges Essen: Viele Restaurantketten (wie Gordon Ramsay Restaurants, The Real Greek oder Purezza) haben oft „Kids Eat Free“-Angebote, bei denen Kinder in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen umsonst essen – besonders während der Schulferien lohnt sich hier ein Blick auf die Websites.
Tipp 5: Buckingham Palace und St. James Park
Was wäre ein Besuch in London ohne den Königspalast? Der Buckingham Palace beeindruckt Kinder und Eltern gleichermaßen. Informiert euch deshalb am besten vorab über die aktuellen Happenings bei den britischen Royals! Der Wachwechsel findet meistens vormittags statt. Die Tage und Uhrzeiten lassen sich im Internet nachschauen. Plant etwas mehr Zeit ein und kommt früh, damit die Kinder auch was sehen können.

Bei einem Spaziergang entlang des St. James Parks werdet ihr dabei unweigerlich auf die zahmen Eichhörnchen stoßen, die in England tatsächlich grau sind – und nicht rot wie die deutschen. Toll: Sie sind extrem zutraulich und fressen euch problemlos aus der Hand.
Spartipp für den kleinen Hunger zwischendurch: Bei vielen Supermärkten wie Tesco, Sainsbury’s oder M&S gibt es „Meal Deals“. Ein Sandwich oder Salat, Snack und Getränk für ca. 4–5 £ (umgerechnet ca. 5-6 Є). Perfekt für ein Picknick im Park.
Tipp 6: Vintage & Street Art in Shoreditch
„London mal anders“ erleben könnt ihr mit euren Kindern im hippen Stadtviertel Shoreditch im Londoner East End. Denn hier findet man jede Menge Graffiti Street Art an den Hauswänden – überaus schön zum Fotografieren und Posieren.

Teenager und Eltern mit Vorliebe für Vintage-Mode kommen außerdem in der Brick Lane auf ihre Kosten: In der überaus langen Straße reihen sich Second-Hand-Shops mit Retro-Fashion aneinander. An ihrem Ende stößt man schließlich auf die Bengalische Community Londons: Was uns Deutschen oft als „indisch“ anmutet, ist eine ganze eigene Enklave und absolut einen Besuch wert – allein schon wegen der exotischen Süßigkeiten, die es hier an jeder Ecke gibt.

Tipp 7: Borough Market
Er liegt direkt neben der Station London Bridge und ist ein absolutes Must-Do auf jedem Städtetrip nach London: Der Food Markt „Bourough Market“ ist bereits über 1000 Jahre alt. Wenn ihr das Gelände unter den Subway-Gleisen mit euren Kindern erkundet, könnt ihr ihnen von der langen Handelsgeschichte erzählen: Einst kamen hier die Großhändler zusammen, um mit Fisch, Vieh, Getreide und Gemüse zu handeln.
Heute ist der Markt vor allem etwas für Foodies und Genießer – und eine ausgezeichnete Möglichkeit, um euren Kindern neues, exotisches Essen vorzustellen: Ihr findet hier Street Food aus aller Welt, das ihr sonst noch nirgendwo gegessen habt. Startet beispielsweise mit einer lilafarbenen Lavendellimonade, frisch gepresstem Zuckerrohr-Saft und echt englischem Cider und probiert euch anschließend durch die mehr als 100 Marktstände, Restaurants, Bars und Shops.

Ob Käse in allen Varianten, indonesisches und südindisches Fingerfood, kolumbianischen Kaffee, Schmetterlingsblütentee und köstliches Apple Crumble: hier ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die meisten Produkte kommen aus nachhaltiger, lokaler Produktion. Es gilt „grab & go“, d.h. ihr nehmt alles auf die Hand und schiebt euch durch die Menge. Denn: Der Borough Market ist überaus populär und längst kein Geheimtipp mehr. Menschenmassen sind vorprogrammiert. Um mit Kindern entspannt hier durchzukommen, besucht ihr den Markt am besten werktags an einem Vormittag.

Trotz alledem ist der Food Markt unter den Gleisen der Tube ein überaus stimmungsvoller und außergewöhnlicher Ort in historischem Ambiente. Wer sich beim kulinarischen Entdeckungsgang begleiten lassen will, kann sich einen offiziellen Borough Market Tour Guide buchen. Totally Tailored bietet individuelle Führungen für Familien mit Kindern an. Erster Stopp dabei: die schokolierten Erdbeeren.
Falls ihr, so wie wir, nach dem Borough Market noch weitere Foodmärkte in London besuchen wollt, könnt ihr zum Beispiel den Spitalsfield Market und den Seven Dials Market besuchen.
Stadtrundfahrt zum Sparpreis: Um von Markt zu Markt zu kommen, braucht ihr keinen teuren Hop-on-Hop-off-Bus. Nutzt stattdessen die normalen roten Linienbusse (z.B. Linie 11 oder 159). Setzt euch oben in die erste Reihe – das ist die beste Stadtrundfahrt inklusive Sightseeing für nur 1,75 £ (ca. 2Є) pro Person.
London mit Kindern: Noch mehr Tipps für kostenlose Aktivitäten
Diana Memorial Playground (Kensington Gardens): Ein riesiges Piratenschiff im Sand, inspiriert von Peter Pan. Wahrscheinlich einer der besten Spielplätze der Welt – ganz in der Nähe des Hyde Park und des Kensington Palace.
Coram’s Fields: Ein Park und Spielplatz im Zentrum, in den Erwachsene nur in Begleitung von Kindern dürfen. Es gibt dort sogar einen kleinen Streichelzoo.
Mudchute City Farm: Eine echte Farm mitten in der Stadt (nahe der Isle of Dogs). Hier könnt ihr Alpakas, Schafe und Schweine sehen – völlig umsonst.
Gleis 9 ¾ (King’s Cross): Ein Muss für Harry-Potter-Fans. Das Foto mit dem im Mauerwerk verschwindenden Gepäckwagen ist kostenlos (wenn ihr es selbst mit dem Handy macht).
Hamleys: Das berühmte Spielzeuggeschäft in der Regent Street. Es ist wie ein Museum, in dem man alles ausprobieren darf. Wenn die Kids was kaufen wollen, bleibt dieser Ausflug natürlich nicht kostenlos.
Tipps zum Nahverkehr: U-Bahn fahren mit Kindern in London
Kinder unter 11 Jahren fahren in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen in der Tube, im Bus und in der DLR komplett kostenlos (bis zu vier Kinder pro Erwachsener). Ihr braucht kein Ticket für sie – einfach gemeinsam durch die breiten Schranken gehen. Wenn ihr mit Kleinkindern unterwegs seid, beachtet bitte, dass die U-Bahn-Stationen oft viele Treppen haben. Tragen sind hier meist praktischer als Kinderwagen. In Bussen könnt ihr nicht mit Bargeld zahlen. Dafür aber kontaktlos mit EC- oder Kreditkarte oder einer Oyster Card. Wenn möglich, meidet die Rush Hour von 6.30-9.30 Uhr und 16-19 Uhr. Das schont eure Nerven.
Spartipp für die Anreise nach London
Warum fliegen, wenn es auch über den Landweg geht? Kaum ein Verkehrsmittel ist vor allem auf Reisen mit Kindern so entspannt und nachhaltig wie der Zug. Mit dem Eurostar könnt ihr von Köln, Düsseldorf, Essen, Dortmund, Duisburg und Aachen in die britische Hauptstadt fahren – direkt ins Herz von London. Denn ihr kommt an keinem geringeren Ort an als am Bahnhof St. Pancras, wo ihr direkt das Gleis 9 ¾ aus den Harry-Potter-Filmen besuchen könnt. Bequem ist die Reise in den weiten Samtsesseln außerdem: In den Klassen Plus und Premiers wird euch das Essen sogar am Tisch serviert. Und das ist richtig exquisit und gesund, fanden wir bei unserem Transfer.

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