Coolcation: Die besten Tipps für Familien!

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Die Sommerferien einfach mal nicht im Süden, sondern in kühleren Breitengraden verbringen – der Trend nennt sich Coolcation. Unsere Autorin Kim Kopacka hat es mit ihrer Familie schon mehrfach ausprobiert.

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„Wirklich? Dort wollt ihr hin? Aha …“ Mein Gegenüber runzelt die Stirn und schiebt nach kurzem Zögern ein „Cool!“ hinterher. Aus Höflichkeit. Wobei sich dieses wohl mehr auf die Temperaturen bezieht als auf unser Urlaubsziel. Solche Reaktionen bekomme ich immer, wenn ich erzähle, dass wir im Sommer nicht nach Italien, Spanien oder Kroatien reisen, sondern nach Irland, Estland oder in die Niederlande. Heute nennt man das Coolcation – eine Mischung aus „cool“ (kühl) und „vacation“ (Urlaub). Wir waren schon Fans, bevor es einen Namen dafür gab.

Die Autorin des Artikels mit ihren beiden Kindern.
Im Sommerurlaub in Regenjacke unterwegs – das sieht ganz nach Coolcation aus ©Kim Kopacka

Länder für Coolcation: Dänemark, Schweden, England & Co

Statt in der Sonne zu brutzeln, sind wir mitten im August durch Hochmoore gestapft, haben Nationalparks mit dem Rad erkundet oder den Kindern einen heißen Kakao mit Schlagsahne und Marshmallows spendiert. Sonnenbrand? Gab es keinen – außer in Helsinki, da war es tatsächlich überraschend warm. Dafür kam das Stirnband mitunter öfter zum Einsatz als die Badehose. Erfrischend war auch das Meer. Richtig angenehm und nicht so aufgeheizt wie ein Baby-Planschbecken im Hochsommer. Und die Einheimischen empfangen uns oft freundlich, hilfsbereit und überhaupt nicht genervt vom Sommertourismus. Ja, auch so geht Urlaub!

Kind schaut von einem Boot auf eine Gracht in den Niederlanden.
Perfekt für einen Städtetrip im Sommer: Amsterdam, da ist es nicht so heiß wie im Süden Europas ©Kim Kopacka

Coolcation entwickelt sich zunehmend zum Reisetrend. Immer mehr Familien zieht es angesichts steigender Temperaturen, Hitzewellen und Menschenmassen in kühlere Gefilde. So verzeichnete Norwegen 2024 mit rund 38,6 Millionen Übernachtungen einen neuen Rekord. Der größte Zuwachs kam laut der norwegischen Statistikbehörde SSB von ausländischen Gästen. 12,4 Millionen waren es insgesamt, so viele wie noch nie. Allen voran: deutsche Urlauberinnen und Urlauber.

Familie beim Angeln an einem See in Skandinavien
Nicht so heiß, dafür wunderschön und voller Möglichkeiten: Norwegen, Schweden, Dänemark & Co ©stock.adobe.com/Georgii

Doch auch andere Länder wie Island, Dänemark oder Schweden erleben einen Aufschwung. Eine Umfrage des Tourismusverbands Visit Sweden ergab, dass rund ein Drittel der Befragten seine Reisepläne wegen der zunehmenden Hitze in Südeuropa geändert hat.

Gute Idee: Coolcation mit Kindern

Aber: Ein Nordtrip ist kein Selbstläufer. Zum einen – da spreche ich aus Erfahrung – erntet man nicht nur Jubel, wenn man beim Abendessen feierlich verkündet: „Dieses Jahr geht’s nach Estland statt nach Kreta!“ Fügt man noch fröhlich hinzu, dass man sich bereits die besten Wanderrouten herausgesucht hat, hebt das die Stimmung auch nicht. Und das Packen fordert ebenfalls mehr Denkarbeit: T-Shirts, Badeanzug und Flipflops müssen mit, aber eben auch Pullis, Regenjacken und feste Schuhe. Und ja, es kann vorkommen, dass ein Ausflug ins Wasser fällt oder die Kinder jammern. Und trotzdem lohnen sich Coolcation!

Kinder mit Windjacken und viel Spaß am Strand in den Niederlanden.
Es gibt auch schöne Strände im Norden Europas, zum Beispiel den hier bei Den Haag ©Kim Kopacka

Fünf gute Gründe für Coolcation im Norden

1. Coolcation garantiert Sport ohne Schwitzen

Am Strand liegen, in den Pool springen oder einfach nichts tun – für viele mag das nach dem perfekten Urlaub klingen. Aber ein oder zwei Wochen lang? Ich persönlich brauche Abwechslung und Erlebnisse, die mir noch lange in Erinnerung bleiben. Wie unsere Radtour durch den Killarney Nationalpark in Irland – Aktivurlaub und Zeitreise in einem. Damals waren unsere Töchter sechs und neun Jahre alt, die Räder haben wir uns vor Ort geliehen.

Ein Kind auf Fahrradtour im Killarney Nationalpark in Irland.
Unsere Autorin Kim erinnert sich noch heute gern zurück an die Radtouren im Killarney Nationalpark in irland ©Kim Kopacka

Manchmal fuhren wir ratternden Pferdekutschen hinterher, dann wieder den See entlang oder durch idyllische Waldgebiete. Den ersten Zwischenstopp legten wir bei einer alten Kirchenruine mit Friedhof ein. Und auch für das Muckross House, ein Museum, das einst als herrschaftlicher Ansitz diente, nahmen wir uns Zeit und bekamen einen Einblick ins Leben der Adeligen im 19. und 20. Jahrhundert. Am Abend waren die Kinder zwar fix und fertig und unsere Jüngste wäre beim Heimradeln beinahe eingeschlafen. Doch es sind Ausflüge wie dieser, an die wir auch Jahre später noch gerne zurückdenken.

2. Museumsbesuche: Berühren erlaubt

Schönwettergarantie gibt es im Norden nicht, dafür bieten viele Städte ein abwechslungsreiches Schlechtwetterprogramm für Familien an, das Museum Escher im Palast in Den Haag zum Beispiel. Dort sind mehr als 120 Drucke des niederländischen Künstlers M. C. Escher zu sehen, darunter einige seiner bekanntesten Werke. Doch nicht nur für uns Eltern war das Museum eine gute Wahl, auch für die Kinder war es spannend: speziell der interaktive Teil des Museums im zweiten Stock, wo sich Säle voller optischer Täuschungen befinden, Wände, die sich bewegen und verändern und ein magischer Fußboden. Eine angenehme Abwechslung, einmal in Ruhe durch ein richtiges Museum (kein Kindermuseum) schlendern zu können, ohne von quengelnden Kindern angetrieben zu werden.

Ein Kind im Museum.
Wer im Sommer in den Norden reist, kann auch ein reiches Kulturprogramm einplanen Museum in Amsterdam… ©Kim Kopacka

3. Irland, Estland & Co: Urlaub mit Aussicht

Estlands Hochmoore, die Grachten in den Niederlanden oder Irlands raue Küsten mit ihren steilen Klippen und peitschenden Wellen sind atemberaubend. Und manchmal steht man einfach nur da, staunt und fühlt sich in eine andere Welt oder Zeit versetzt. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns die Kerry Cliffs am Ring of Kerry, einer der bekanntesten Panoramastraßen im Südwesten Irlands. Sie bieten einen freien Blick auf die Skelligs, zwei Inseln, die durch die Star Wars Filme „Das Erwachen der Macht“ und „Die Letzten Jedi“ weltweite Berühmtheit erlangten. Auf Skellig Michael, der größeren der beiden, zog sich einst Luke Skywalker ins Exil zurück.

Blick über die Kerry Cliffs bis zu den Skelligs Inseln.
Die Kerry Cliffs gelten als die spektakulärsten Klippen in Kerry ©Kim Kopacka

4. Coolcation macht’s möglich: Stadtführungen bei angenehmen Temperaturen

Mit euren Kindern eine Stadt erkunden? In vielen südeuropäischen Städten ist das eine schweißtreibende Angelegenheit, im Sommer oft auch eine Qual. Im Norden dagegen lässt sich Kultur viel entspannter erleben. Wir haben in Helsinki eine Stadtführung gemacht und von einem Guide viel über die Geschichte, Kultur, Sprache und die Mentalität der Finnen gelernt, zum Beispiel, dass die Sauna in Finnland so wichtig ist, dass sie von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde. Mehr als drei Millionen Saunen soll es landesweit geben – und das bei nur etwa 5,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Wer möchte (und bereit ist, 240 Euro zu bezahlen), kann sogar im Riesenrad in Helsinki in der Skygondel schwitzen, 40 Meter über der Hauptstadt.

Das Riesenrad in Helsinki mit Saunagondel.
In diesem Riesenrad in Helsinki befindet sich tatsächlich eine Sauna ©Kim Kopacka

5. Coolcation mit Kindern: Hunger statt Hitze

Was uns wirklich positiv überrascht hat: das Essen. Zugegeben, es ist nicht immer günstig – in Helsinki kann eine Kugel Eis schon mal 5 Euro kosten. Aber egal, ob in Howth, einem kleinen Fischerdorf östlich von Dublin mit seinen gemütlichen Cafés und Fischrestaurants oder im estnischen Kurort Haapsalu: Wir haben jeden einzelnen Bissen genossen. Noch leichter tut man sich, wenn die Kinder jünger sind. Da reichen oft schon eingangs erwähnter Kakao oder ein Eis – und Regenwetter sowie lange Spaziergänge sind schnell verschmerzt und vergessen.

Zwei Kinder in einem Cafe mit heißer Schokolade und großer Sahnehaube.
Eigentlich eher in Herbst und Winter ein Thema: heiße Schokolade. Bei Lumao-Autorin Kim kommt sie aber regelmäßig in Coolcations auf den Tisch ©Kim Kopacka

Fazit: Coolcation mit Kindern – eine 1A-Idee

In die Alpen statt nach Apulien reisen, nach Skandinavien statt nach Spanien – der Sommerhitze entfliehen und in kühleren Regionen den Sommerurlaub verbringen: Für unsere Autorin Kim steht fest: Urlaub in kühleren Regionen kann unglaublich erfrischend sein. Hier kann sie mit ihrer Familie viel besser abschalten, auftanken und sich vom Alltag erholen als in brütender Sommerhitze.

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