Helgoland mit Kindern: Lieblingsinsel voraus!

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Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel. Wer einmal um das Eiland wandern möchte, braucht auch mit Kindern nicht viel länger als eine Stunde. Langweilig ist Helgoland trotzdem nicht – im Gegenteil!

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Reportage von Ann-Christin Wimber

„Ich sehe sie!“, ruft Zoe und zeigt in den Dunst, der über dem Meer liegt. Plötzlich taucht er am Horizont auf, der Felsen im Meer, die rote Insel, James Krüss‘ Hummerklippe. Aufgeregt hüpfen Zoe, Leif, Anna, Jasper und Ida am Bug der „Funny Girl“ auf und ab. Seit gut zwei Stunden warten die Kinder an Deck der Helgoland-Fähre auf diesen Augenblick – jetzt ist es bald soweit. Allerdings wird es immer noch eine ganze Weile dauern, bis wir endlich einen Fuß auf die Insel setzen können. Erst müssen wir noch in die Börteboote umsteigen.

Erst mit der Fähre, dann mit den Börtebooten – so gehts nach Helgoland ©Ann-Christin Wimber

Schon die Anreise nach Helgoland ist für Kinder ein Highligt

Kurz darauf dröhnt das Horn der „Funny Girl“ über das Meer und die traditionellen, offenen Holzboote der Helgoländer Fischer kommen uns entgegen. Wir – zwei Mütter mit insgesamt fünf Kindern – warten geduldig, bis die Tagesausflügler ausgestiegen sind, dann erst sammeln wir unsere Koffer und Roller ein und schleppen alles zum Ausgang. „Arme hängen lassen!“, nuscheln uns die wettergegerbten Matrosen entgegen, die uns in die schaukelnden Börteboote helfen möchten. Also stellen wir uns wie schlappe Marionetten vor der Luke auf, lassen uns unter die Achseln greifen und landen etwas unsanft im Boot.

Die letzten Meter der Helgoland-Anreise erledigt man im Börteboot ©Ann-Christin Wimber

Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel. Fast 50 Kilometer liegen zwischen der schleswig-holsteinischen Küste und dem Felseneiland im Meer. Die „Funny Girl“ braucht von Büsum gut zwei Stunden bis hierher, die Börteboote für die letzten Meter nur wenige Minuten. So schaukeln wir noch kurz durch die Nordseewellen und freuen uns auf die kommenden Tage auf der Insel.

Abenteuer Anreise: Mit Katamaran und Flugzeug auf die Hochseeinsel

Das klassische Ausbooten, also das Umsteigen auf offener See vom großen Seebäderschiff in die Börteboote, ist im regulären Linienverkehr leider komplett eingestellt worden. Die Funny Girl und auch die Fair Lady (ab Cuxhaven/Bremerhaven) legen mittlerweile direkt im Hafen an. Ihr könnt die hölzernen Börteboote aber noch im Hafen anschauen oder für eine gemütliche Rundfahrt nutzen. Der Highspeed-Katamaran „Halunder Jet“ verbindet Helgoland mit Cuxhaven (ca. 75 Minuten) und Hamburg (ca. 3,5 Stunden). Auch aus der Luft kann man Helgoland ansteuern: Kleine Inselflieger starten von Cuxhaven/Nordholz und landen direkt auf der Landebahn der Düne. Von dort geht es dann mit der Dünenfähre hinüber zur Hauptinsel.

Klein, aber oho: die Hochseeinsel Helgoland

Als erstes geht es an den Südstrand. Der befindet sich gleich an der Landungsbrücke und wird von den meisten Urlauberinnen und Urlaubern links liegen gelassen. Der Strom der Touristen schwappt Richtung Lung Wai, Richtung Haupteinkaufsstraße, von der aus auch der Fahrstuhl zum Oberland abhebt. Doch uns zieht es ans Meer, wir sind darauf aus, Schätze zu suchen: Glas, sogenanntes Meerglas, schöne Muscheln und Treibholz.

Helgoland Geheimtipp: Auf der Suche nach buntem Meerglas

Ein absolutes Highlight für kleine Entdecker ist die Schatzsuche an den Stränden Helgolands – hier kann man richtig gut Meerglas, auch Seeglas genannt, finden. Da die Insel mitten in der offenen Nordsee liegt und von starken Strömungen und Brandungen umgeben ist, werden alte Glasscherben oft jahrzehntelang im Spiel der Gezeiten über die Steine gerollt. Das Ergebnis: Die scharfen Kanten werden perfekt rundgeschliffen, und das Glas bekommt eine wunderschöne, matte Oberfläche. Besonders an den steinigeren Strandabschnitten des Nordstrands oder auf der Düne haben Kinder riesigen Spaß daran, nach den bunten, grünen, braunen oder seltenen blauen „Meeres-Edelsteinen“ Ausschau zu halten.

Rund 300 Meter lang und direkt am Hafen: Helgolands Südstrand ©Ann-Christin Wimber

Helgoland ist gerade mal 1.700 Meter lang und 600 Meter breit, wer einmal um das Inselchen laufen möchte, hat vier Kilometer vor sich. Das ist auch mit Kindern locker zu schaffen, vor allem für Familien, die – wie wir – Roller dabei haben.

Mit Kindern unterwegs auf Helgoland: Fortbewegung ohne Auto und Fahrrad

Fahrräder sind für Urlauber und Tagesgäste auf der gesamten Insel strengstens verboten. Das hat einen einfachen Grund: Die Wege im Unter- und Oberland sind oft schmal, und da es keine Autos gibt, gehört die Insel ganz den Fußgängern. Für Familien ist das aber kein Nachteil, im Gegenteil! Die beste Art, sich mit Kindern auf Helgoland fortzubewegen, ist zu Fuß – oder mit dem eigenen Tretroller bzw. Laufrad. Für die Kleinsten sind Roller nämlich ausdrücklich erlaubt und die perfekte Geheimwaffe, um die Wege ohne müde Beine zu meistern. Wer mit ganz kleinen Kindern reist, nimmt am besten einen Buggy mit großen Luftreifen mit, da die Wege auf der Düne sehr sandig sind. Familien können sich für den Strandtag auch direkt auf der Insel oder der Düne einen Bollerwagen ausleihen, um Proviant und müde Entdecker bequem zu transportieren.

Bunte Häuser, raues Klima: Hochseeinsel Helgoland

„Wir möchten ins Oberland“, fordern die Kinder lautstark, nachdem wir unsere Unterkunft bezogen haben. So marschieren und rollern wir zurück Richtung Zentrum und gehen über die Rampe hinauf ins Oberland. Vorbei an ein paar netten kleinen Läden und an der Kirche Sankt Nicolai mit dem schönen, stillen Friedhof, und vorbei an den eng an eng gebauten Häusern aus den 1950er Jahren.

Der Aufstieg ins Oberland: Zu Fuß oder barrierefrei mit dem Lift

Der Weg über die Rampe ist zwar asphaltiert und landschaftlich wunderschön, zieht sich aber ganz schön steil nach oben. Wenn die Kinder vom vielen Rollern müde sind oder ihr mit einem schweren Kinderwagen unterwegs seid, gibt es eine bequeme Alternative: Der kostenpflichtige Inselfahrstuhl verbindet das Unterland direkt mit dem Oberland. Er ist komplett barrierefrei und bringt euch in wenigen Sekunden ganz ohne Schweißtreiben hinauf oder wieder hinunter ins Zentrum.

Häuser in den Farben des Regenbogens: 1.500 Menschen wohnen hier dauerhaft ©Ann-Christin Wimber

Die Helgoland-Aktivität schlechthin: Der Lummenfelsen

Schon von weitem hören wir am nächsten Tag die Basstölpel und die Trottellummen. Wir sind unterwegs zu den Vogelkolonien und zur Langen Anna an der Nord-West-Spitze der Insel. Je näher wir kommen, desto lauter werden ihre schrillen Rufe – und desto schlimmer wird der Gestank. Die roten Klippen sind weiß, und das liegt nicht nur am weißen Gefieder der Basstölpel … Mittendrin: die 47 Meter hohe Lange Anna, das Wahrzeichen Helgolands, umgeben von einem der kleinsten Naturschutzgebiete Deutschlands.

Der Lummensprung im Juni

Jedes Jahr im Juni findet der berühmte Lummensprung statt. Die frisch geschlüpften Küken der Trottellummen sind zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht flugfähig, müssen aber ins Meer gelangen, um zu überleben. Mutig stürzen sich die Kleinen auf Kommando ihrer Eltern aus bis zu 40 Metern Höhe von den roten Felsen hinab in die Brandung.

Der Klippenrundweg bietet zwar atemberaubende Ausblicke, ist an den Kanten aber steil und ungesichert. Da die Vögel die Kinder magisch anziehen, solltet ihr die Kleinen hier oben gut im Blick behalten und am besten ein Fernglas mitnehmen – so können die Kids die nistenden Basstölpel ganz aus der Nähe beobachten, ohne den sicheren Weg zu verlassen.

Auf dem Lummenfelsen brüte mehr als 1.000 Basstölpel-Paare ©Ann-Christin Wimber

Helgolands Badeinsel: die Düne

Wer auf Helgoland einen schönen Strandtag einlegen möchte, steuert die Düne an, eine vorgelagerte Insel mit feinstem Sandstrand. Die Fähre „Witte Kliff“ pendelt im Halbstunden-Takt zwischen der Haupt- und der Badeinsel hin und her. Im Handumdrehen sind wir da und steuern die Südseite der Düne an.

1.000 Meter feinster Sandstrand: Helgolands Strandinsel Düne ©Ann-Christin Wimber

Wir wissen: Hier liegen die meisten Kegelrobben und Seehunde. „Ich sehe schon welche!“, ruft Ida, die Jüngste im Bunde. Tatsächlich: Ein halbes Dutzend der dicken, grauen Tiere döst auf dem weißen Strand. Wir ziehen uns in gebührender Entfernung um und stürzen uns in die kalte Nordsee. Bis Jasper nach ein paar Minuten ruft: „Da, ein Seehund!“ Nur ein ein paar Meter von uns entfernt streckt er seinen Kopf aus den Fluten.

Tipps für die Robben-Beobachtung

Auch wenn die Tiere unglaublich süß aussehen und die Begegnung im Wasser ein absolutes Highlight für die Kinder ist, solltet ihr nie vergessen: Kegelrobben sind Raubtiere! Auf der gesamten Düne gilt daher ein gesetzlich vorgeschriebener Mindestabstand von 30 Metern, an den ihr euch unbedingt halten solltet. Packt am besten ein Fernglas ein, um die Tiere ganz nah sehen zu können.

Zollfrei einkaufen auf Helgoland

Spät am Nachmittag machen wir uns auf den Rückweg nach Helgoland. Die Kinder möchten ein Eis und wir Erwachsenen zollfrei einkaufen. In allen Geschäften der Insel spart man die Mehrwertsteuer, da Helgoland außerhalb der 12-Meilen-Zone liegt. Mein Geheimtipp: Eine riesige Auswahl an allem, was man so braucht im Leben, gibt es am Ende der Hummerbuden beim Großhändler Manfred Engel. Für Laufkundschaft ist seine Lagerhalle allerdings nur für ein paar Stunden morgens und nachmittags geöffnet.

Auf den Spuren von James Krüss

Wenn ihr sowieso gerade an den bunten Hummerbuden im Hafen vorbeischlendert, solltet ihr unbedingt einen kleinen Zwischenstopp einlegen: Hier befindet sich nämlich das liebevoll gestaltete James-Krüss-Museum. Der berühmte Kinderbuchautor, der unter anderem „Timm Thaler“ geschrieben hat, wurde hier auf der Nordseeinsel geboren.

Früher Fischerschuppen, heute Cafés, Galerien und Souvenirläden: die Hummerbuden ©Ann-Christin Wimber

Unser Abschied von der Insel

Die Stunden nach dem Abendessen gehören noch einmal dem Strand und anschließend ein paar Gesellschaftsspielen. Dabei resümieren wir, was wir dieses Mal wieder alles nicht geschafft haben „Morgen können wir höchstens noch eine Partie Minigolf spielen und ein Bad am Südstrand nehmen“, sage ich in die Runde. Dann werden wir mit der „Funny Girl“ wieder Richtung Büsum ablegen. „Den Rest schaffen wir ja vielleicht beim nächsten Mal!“, schlage ich vor. Für uns ist klar: Wir kommen wieder – und nächstes Mal machen wir all das, was wir nicht geschafft haben. Oder vielleicht auch übernächstes Mal…

Helgoland mit Kindern: Noch mehr tolle Aktivitäten

Toben auf den Spielplätzen: Helgoland hat richtig tolle Ecken zum Auspowern. Absoluter Favorit bei Familien ist der Spielplatz am Südstrand (direkt im Unterland) sowie der Spielbereich direkt auf der Düne. Hier können die Kids im Sand buddeln und klettern, während die Eltern die frische Seeluft genießen.
Planschen im Schwimmbad: Sollte die Sonne mal eine Pause einlegen, ist das mare frisicum (das Meerwasserschwimmbad im Unterland) die Rettung. Mit angenehm warmem Wasser und einem tollen Blick auf die echte Nordsee ist es die perfekte Schlechtwetter-Alternative.
Auf Entdeckungstour in der Vogelwarte: Helgoland ist weltweit als einer der wichtigsten Rastplätze für Zugvögel bekannt. In der traditionsreichen Vogelwarte (dem Institut für Vogelforschung) können kleine Naturforscher jede Menge über die faszinierenden Reisen der Vögel lernen. Ein toller und lehrreicher Zwischenstopp, der perfekt zum Klippenspaziergang passt!
Eine Runde Minigolf spielen: Direkt im Unterland gibt es eine schöne Minigolf-Anlage. Das ist der perfekte Programmpunkt für den Nachmittag, bevor die Fähre wieder ablegt.
Die Hummerstation besuchen: Hier können Kinder (und Erwachsene) hautnah erleben, wie die bedrohten Helgoländer Hummer nachgezüchtet und später ausgewildert werden. Ein toller Mix aus Naturschutz und Biologie zum Anfassen.
Bunkerführung (für größere Kids): Wenn ihr mit Kindern ab 10 Jahren reist, ist die Führung durch die unterirdischen Zivilschutzanlagen ein echtes Abenteuer. Die Geschichte der Insel wird hier im kühlen Felslabyrinth hautnah spürbar.

Mehr als 80 Jahre alt und 20 Meter hoch: der Leuchtturm auf der Badeinsel Düne ©Ann-Christin Wimber

Lohnt sich ein Tagesausflug mit Kindern nach Helgoland?

Ein Tagesausflug nach Helgoland ist eine tolle Möglichkeit, um Inselluft zu schnuppern. Wenn ihr allerdings das volle Programm mit der Langen Anna, dem Bootstrip zu den Robben auf der Düne und einem entspannten Eis in den Hummerbuden erleben wollt, lohnt es sich, mindestens ein bis drei Nächte einzuplanen. Schöner Nebeneffekt: Wenn am späten Nachmittag die Tagesschiffe ablegen, kehrt auf der Insel viel mehr Ruhe ein. Dann gehört euch der Südstrand fast allein, die Kinder können ausgiebig im Sand buddeln und ihr genießt das einzigartige Hochsee-Feeling ganz ohne Blick auf die Uhr.

Unterkunftstipps für einen Familienurlaub auf Helgoland

Da das Bettenangebot auf Helgoland überschaubar ist, solltet ihr eure Unterkunft so früh wie möglich buchen. Am besten Monate im Voraus! Besonders familienfreundliche Unterkünfte sind in der Hauptsaison rasant ausgebucht. Hier sind die besten Optionen für euren Aufenthalt:

  • Ferienwohnungen: Perfekt für Familien, da ihr unabhängig seid und selbst kochen könnt. Viele der bunten Häuser im Ober- und Unterland bieten gemütliche Unterkünfte an. Ein tolle und bei Familien sehr beliebte Unterkunft sind die Klassik-Appartements Helgoland* im Unterland, die mit viel Platz und einer familienfreundlichen Ausstattung punkten.
  • Ferienwohnungen (Die flexibelste Wahl): Perfekt für Familien, da ihr unabhängig seid und selbst kochen könnt. Viele der bunten Häuser bieten gemütliche Unterkünfte an. Ein tolles Beispiel, das ihr ganz unkompliziert über Booking.com buchen könnt, sind die Klassik-Appartements Helgoland im Unterland, die mit viel Platz und einer familienfreundlichen Ausstattung punkten.
  • Das Feriendorf auf der Düne: Ein absolutes Highlight für Kinder! Im Dünendorf* könnt ihr in bunten Holzhäusern direkt neben dem Sandstrand übernachten – die Robben quasi als Nachbarn inklusive.
  • Jugendherberge Helgoland: Die nördlichste Jugendherberge Deutschlands liegt im Oberland, ist absolut familienfreundlich, schont den Geldbeutel und bietet einen genialen Blick über die Nordsee.
  • Klassische Familienhotels: Einige Häuser haben sich hervorragend auf Familien eingestellt – das beliebteste Beispiel im Unterland ist das Hotel Rickmers Insulaner*. Hier gibt es geräumige Familienzimmer, ein tolles maritimes Ambiente und ein großes Frühstücksbuffet für einen entspannten Start in den Tag.

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