Es ist vielleicht seltsam, das in einem Magazin für Familienreisen zu bekennen, aber es ist so: Wäre ich immer nur mit meiner Familie in den Ferien, würde ich über kurz oder lang verrückt werden. Denn so sehr ich unsere lauten, trubeligen, unberechenbaren Familienurlaube zu fünft auch liebe: Manchmal muss ich mich davon erholen. Manchmal brauche ich davon eine bewusste Pause. Denn Reisen mit und Reisen ohne Kinder ist ein himmelweiter Unterschied, der sich für mich vor allem am Punkt Entspannung festmachen lässt.

Deswegen gönnen mein Mann und ich uns mindestens einmal jährlich einen Paartrip ohne Kids – und finden es großartig. Zumindest ab Tag zwei, weil wir vorher für 48 Stunden Zweisamkeit einen absurden Aufwand betreiben müssen, der ziemlich stressig ist. Denn was sich hinter den harmlosen Wörtern „Planung“ und „Organisation“ verbirgt, wissen nur Menschen, die auch schon mal Ähnliches auf sich genommen haben. Termin und Zielort finden, Kindersitter für zwei Tage und drei Kids organisieren sowie mehrseitige To-do-Listen für Hausaufgaben, Hobbys und Haushalt erstellen, sind nur die Spitze eines gigantischen Bergs an wochenlanger Vorbereitung. Und dann das Bangen an den Tagen vor dem Start: Wird doch noch ein Kind krank? Oder am Ende der Oma-Opa-Sitter? Da könnte man sich zwischendurch schon mal fragen, ob der Aufriss überhaupt lohnt. Und dennoch lautet meine Antwort immer wieder: Unbedingt!

Paar-Trip: Ausschlafen und Kaffee im Bett ist plötzlich Luxus pur
Zugegeben: Ich bin erst ab Tag zwei unseres Paar-Trips so meinungsstark. Weil der Ankunftstag meist damit endet, dass mein Mann und ich am Zielort total geschafft zu kinderkompatibler Zeit im kuscheligen Kingsize-Bett wegdämmern, und das hätten wir auch zu Hause haben können. Aber der Morgen nach der Auftakt-Nacht reißt alles wieder raus. Oder eigentlich schon die Nacht an sich. Nicht, weil sie so leidenschaftlich wäre. Sondern, weil sie ungestört ist. Denn in unseren Familienurlauben ist es Gesetz, dass die Debüt-Übernachtung ziemlich unruhig wird – schließlich ist alles so anders als zu Hause, der Ort, die Geräusche, die Dunkelheit. Weswegen wir meist mindestens ein Kind zusätzlich im Kingsize-Bett beherbergen. Und der Morgen startet verlässlich gegen sechs Uhr, da kann im Kalender URLAUB in Versalien stehen, das kümmert unsere Frühaufsteher-Kids leider nicht, ganz gleich, wie alt sie sind.
Ergo ist allein das Aufwachen am Morgen unseres Paartrips schon ein Traum: kein Kind, das wühlt, keines, das um Medienzeit bettelt oder direkt frühstücken will. Stattdessen: köstliche Ruhe. Zeit für so vieles, was im Familienurlaub meist nicht möglich ist: Den ersten Kaffee im Bett trinken. Ein Buch dazu lesen. Oder sich noch mal seufzend zwischen die einladenden Laken kuscheln, für was auch immer.

Und wie viele Dinge plötzlich in 24 Stunden passen, wenn man sich nicht immer zuerst reflexhaft um die Bedürfnisse anderer kümmern muss. Keine Frühstücks- oder Aufbruch-Dramen, kein Geschwisterzwist, der einem wertvolle Zeit und Nerven klaut. Sondern einfach zwei erwachsene Menschen, die sich zivilisiert benehmen, ähnlich schwingen und allein damit vollends zufrieden sind.
Einmal im Jahr stehen wir und nicht die Kinder im Vordergrund
Denn bei unseren Paartrips kommen wir nicht nur einander wieder näher, sondern auch uns selbst. Weil diese Tage uns den Raum geben, wieder zu erkunden, was WIR wollen. Wenn es nicht immer als erstes darum geht, einen passablen Kompromiss für fünf verschiedene Menschen zu finden, sondern einfach nur das zu tun, wonach uns der Sinn steht. Jahrelang stand Ruhe und Relaxen ganz oben auf unserer Prioritätenliste, weswegen wir uns in abgeschiedene Wellnessoasen einbuchten, um uns maximal zu erholen. Schlafen, essen und entspannen, wann und so oft wir wollten – was für ein Luxus, denn inzwischen ist es das komplette Gegenteil unserer lebhaften Familientrips.

Aber der wahre Unterschied zwischen Reisen mit und Reisen ohne Kinder offenbart sich in den Städtetrips, die wir gerade wieder für uns entdecken. Wir herrlich es ist, ohne Plan draufloszuschlendern und nicht vorher alle strategisch wichtigen Spots von Eisdiele bis Abenteuerspielplatz ausgecheckt zu haben. Sich einfach treiben zu lassen, hier einen Kaffee zu trinken, dort in einem Concept Store zu stöbern – und alles, ohne Rücksicht auf die Kids. Keine Ich-habe-Hunger!-Ich-kann-nicht-mehr!-Ich-muss-mal!-Rufe! Wie oft musste ich in der Familienkombo spannende Attraktionen links liegen lassen, weil Kind eins einen Trotzanfall aus der Hölle, Kind zwei müde Beine und Kind drei mehr Bock auf Bolzen als auf den Besuch im Museum hatte. Ganz anders beim Paartrip: Dann prüfe ich Städte nicht auf ihre Familienfreundlichkeit in Sachen Essen und Entertainment, sondern wähle ganz allein danach aus, welche Viertel, Ausstellungen, Sightseeings ICH spannend finde.

Zu zweit können wir im Urlaub aus allem das Tempo rausnehmen: Aus den Mahlzeiten, die nicht halb im Stehen verschlungen werden, weil ein Kind schon wieder losrennen muss. Aus den Stadtspaziergängen, die wir gemeinsam mit den Kids eher im Galopp und blind fürs schöne Drumherum erledigen. Aus den Entscheidungen, die mit Familie immer ad hoc getroffen werden müssen, um Schaden durch schlechte Laune abzuwenden.
Was freue ich mich auf unseren Berlin-Trip im Sommer: Keine Sorgen, dass unsere Dorfkinder sich achtlos auf achtspurige Straßen stürzen oder auf der Spreefahrt über die Reling kotzen. Sondern nur mein Mann und ich, ganz und gar für und bei uns – und nicht immer mit mindestens einem Ohr bei unserem Trio. Wir werden uns Fahrräder mieten, durch Kreuzberg und Friedrichshain streifen, nachts spannende Kieze erkunden und vielleicht sogar durch Kunstgalerien schlendern. Obwohl uns Kunst gar nicht interessiert, aber einfach, weil wir es KÖNNEN, wenn wir keine Kinder im Schlepptau haben.

Die Kinder sind nicht mit dabei, aber trotzdem immer präsent
Und bei all dem werden wir nach einer Weile, die uns sehr lange vorkommen wird, verdammt viel über unsere Kinder reden. Wie wundervoll sie sind. Wie sehr wir sie vermissen. Ob wir sie nicht mal kurz anrufen wollen und was wir ihnen als Souvenir mitbringen könnten. Weil es das Dilemma von uns Eltern ist, dass wir nicht immer mit unseren Kindern zusammen sein wollen – aber ohne können wir auch nicht gut.

Ich weiß genau, dass ich mich im Sommerurlaub auf Bornholm mehr als einmal zu unserer Paar-Auszeit zurückwünschen und gedanklich schon den nächsten Trip planen werde, diesmal bitte mindestens vier Tage! Und ganz gleich, wie lang, er wird wieder wundervoll. Genau wie unsere Familienreisen. Nur eben ganz anders. Immerhin erfahren wir in dem Spannungsfeld zwischen Familien- und Paartrips, wie komplex das Thema Reisen ist. Wie viele unterschiedliche Facetten es hat. Und ich möchte keine davon missen.














