Städtetrip: Mit Kindern in Paris

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Die französische Hauptstadt ist immer einen Besuch wert. Aber mit Kindern? Ist das eine gute Idee? Wir haben es ausprobiert und können sagen: Paris mit Kindern – das ist eine top Idee!

Ich habe einen Logenplatz. Vor mir erhebt sich die gewaltige Fassade von Notre-Dame in den sommerblauen Himmel. Touristen aus aller Welt flanieren vor meiner Nase hin und her. Und ich kann in aller Ruhe Eva’s Sündenfall studieren, der ins steinerne Portal gehämmert ist, und danach eine ganze Reihe Heiliger, die ich nicht kenne. Nur ein Souvinier-Händler stört regelmäßig und preist hartnäckig seine goldenen Eiffeltürme und Triumpfbögen in Miniformat an.

Die Kathedrale Notre-Dame wurde zwischen 1163 und 1345 erschaffen und ist super geeignet für Familienfotos ©M. Moog

„Non merci“, sage ich, schüttele verneinend den Kopf und entspanne, denke an die dunklen Emporen im Inneren von Notre-Dame, an den Altar, an die bunten Kirchenfenster, die Nora eben so sehr begeistert haben…

Es gibt zauberhafte kleine Läden in Paris, einer davon: Patrick Allains Blumengeschäft auf der rue Saint-Louis ©M. Moog

„Die Kinder!“, fällt es mir da siedendheiß ein. Für einen Moment hatte ich sie vergessen. Hatte über die schöne Kathedrale versäumt, die versprochenen Baguettes zu streichen. Und habe offenbar auch nicht gesehen, dass sie den Ball aus dem Buggy gefischt und ein kleines Fußballmatch eröffnet haben, hier, auf dem Platz vor Frankreichs berühmtester Kirche. Meine Blicke wandern verstohlen von einem Passanten zum nächsten. Ob das erlaubt ist?

Paris mit Kindern: Eine gute Idee?

Und: Ob das gut gehen würde? Ob wir eine Woche durchhalten würden im sommerlichen Paris? Eine Frage, die berechtigt scheint in Anbetracht unseres Vorhabens, Paris mit Kindern zu erkunden, mit vier Kindern! Doch wir planen weder, von früh bis spät durchs Louvre zu streifen noch ein Highlight nach dem anderen abzuklappern. Wir haben nicht vor, in teuren Restaurants einzukehren oder die Boutiquen zu durchkämmen auf der Suche nach dem neuesten Pariser Chic. Stattdessen lautet unser Plan, Paris in kinderfreundlichen Happen zu besichtigen. Und Pausen im Grünen einzulegen. Jetzt, am ersten Nachmittag, fällt unsere Wahl auf eine idyllische Wiese an den Ufern der Seine, bewaffnet mit Eis, Getränken und Spielzeug.

Rastplatz mit Aussicht: Auf den Mauern der Seine-Brücke kann man wunderbar eine Pause einlegen ©M. Moog

„Was unternehmen wir heute?“, fragen mein Ältester und sein Cousin am nächsten Morgen beim Frühstück. Ihre Stimmung scheint freundlich und unternehmungslustig. Ich atme heimlich auf. „Was meint ihr?“, frage ich zurück. „Wollen wir mit dem Schiff fahren oder ins größte Museum der Welt? Möchtet ihr Paris per Bus erkunden oder lieber gleich rauf auf den Eiffelturm? Wir einigen uns auf einen Ausflug in das Pariser Vergnügungsviertel Montmartre – mit dem Moulin Rouge, der wohl berühmtesten Windmühle der Welt, und dem Wahrzeichen des Viertels, der Basilika Sacré-Cœur.

Schön und reinweiß: Sacré-Coeur ©M. Moog

„Der kann ja toll malen!“, lobt mein Jüngster einen der Straßen-Künstler auf dem Place du Tertre, der gerade die schneeweiße Zuckerbäckerkirche, wie Sacré-Cœur gern genannt wird, abzeichnet. Wir lauschen den Klängen internationaler Musikanten, erklimmen die 237 Treppenstufen hinauf zur Basilika. Lassen uns bunte Armbänder knoten und unsere Blicke über Paris wandern, „das von hier ganz klein wirkt“, wie meine Tochter findet. „Aber jetzt habe ich Hunger!“


Triumphbogen, Eiffelturm und jede Menge Picknicks

Wir würden nicht jeden Tag mit den Kindern essen gehen, das stand bereits am Anfang unserer Paris-Pläne fest. Selbst für ein langweiliges 08/15-Menü ohne Wein müsse man mit 25 Euro rechnen, verriet unser Reiseführer. Aber, so stand dort auch geschrieben, es gibt eine Menge Asia-Restaurants und Pizzerien, die Essen zum Mitnehmen anbieten. So beschlossen wir, eine Woche lang von Picknicks im Freien zu veranstalten, uns von Pizza und Bratnudeln zu ernähren, von Obst- und Gemüseplatten, oder – wie heute – von belegten Baguettes und Pommes Frites.

Ein tolles Fotomotiv mit und ohne Kuscheltier: der Eiffelturm, von 1887 bis 1889 erbaut ©M. Moog

„Der Triumphbogen wurde von Napoléon in Auftrag gegeben, er wollte damit seine Macht demonstrieren!“, erkläre ich den Kindern, als wir das Denkmal auf einer Bustour ein paar Tage später links liegen lassen. Wir sitzen oben im offenen Doppeldeckerbus, der Fahrtwind wirkt wie eine Erfrischungskur. „Wer ist Napoléon?“ wollen die beiden Kleineren wissen. So verstreicht die Zeit, während Paris mit seinen alten, beeindruckenden Bauwerken an uns vorüberzieht. Bis irgendwann der Eiffelturm auftaucht und niemand widerstehen kann.

Kinder und Kultur – eine tolles Doppel

Ein Teil der Familie nimmt den Fahrstuhl, der Rest will das 300 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt per Treppe erklimmen. Wer wird erster sein? Spiele lassen sich überall spielen, stellen wir in der Woche in Paris fest. Ob auf dem Eiffelturm oder auf der Wiese zu seinen eisernen Füßen, vor der berühmten Sacré-Cœur und sogar auf dem riesigen Platz vor dem Louvre.

Im Museum im Eiffelturm können die Kids hinter der Scheibe Ingenieur Gustave Eiffel bewundern ©M. Moog

Noch am Abend fachsimpeln wir über Konstruktion und Optik des Eiffelturms. „Ob der Turm wohl auch umfallen kann?“, fragt jemand in die Runde. Und ich? Lausche den Kindern, wie sie über die Weltstadt Paris plaudern und sich begeistern können. Und weiß schon jetzt: Kinder und Kultur passen wunderbar unter einen Hut!

Natürlich ist nicht immer alles gut. Am nächsten Abend reicht das beim Asia-Restaurant geholte Essen nicht und meine Tochter weint, weil ihre Füße sie einfach keinen Meter mehr tragen wollen. Die Jungen behaupten, sind hätten entschieden zu wenig Zeit zum Fußballspielen gehabt. Und der Jüngste ist müde, „ganz doll müde“. Aber am nächsten Morgen ist alles vergessen. Und die Kinder drängen: „Was unternehmen wir heute?“

Die Stationen der Metro liegen im Schnitt nur 500 Meter auseinander, das macht die Metro zum perfekten Fortbewegungsmittel ©M. Moog

Ein Erlebnis: Mit Kinder im Louvre

Ja – was unternehmen wir heute? „Wir gehen ins größte Museum der Welt!“, verkünden mein Mann und ich im Chor. „Zu Mona Lisa“, ergänze ich, und verteile Postkarten mit der schönen Frau drauf. Ein Brötchen lang diskutieren wir über den Wert dieses Gemäldes, ein weiteres Brötchen darüber, wie Werke wie dieses wohl vor Dieben gesichert sind. Dann brechen wir auf, um Mona Lisa in Natura zu sehen.

Sogar für Kinder beeindruckend: das Louvre ©M. Moog

Wir haben den Museumspass und somit das Glück, vor dem Louvre nicht anstehen zu müssen. Schlendern durch die im Hochsommer bei weitem nicht vollen Gänge, in denen Gemälde aus aller Welt und allen Zeiten hängen. Diskutieren darüber, warum die Engel auf den Bildern bewaffnet sind. Bis wir irgendwann vor ihr stehen. Vor Leonardo da Vincis Mona Lisa. Und die Kinder sogar an der Absperrung vorbei und ganz nah ran dürfen.

Ihr könnt im Louvre einen Kinderwagen ausleihen oder den eigenen Buggy mit reinnehmen ©M. Moog

Was ist schöner: Mona Lisa oder Disneyland?

„Hmmm“, runzeln sie später unisono die Stirn, und sprechen aus, was sich wahrscheinlich schon manche Menschen vor ihnen gefragt haben. „Warum ist gerade dieses Bild so wertvoll und nicht eines der anderen?“ Wir sitzen auf dem Platz zwischen den Flügeln des Le Grand Louvre und  diskutieren über Kunst und ihre Werte, über Kunstdiebe und ihre Methoden. Bis die Kinder genug haben, sich den Ball aus dem Buggy schnappen und kicken – wenn auch nur für kurze Zeit. Denn hier, vor dem Louvre, sei Ballspielen verboten, wie die Ordnungskräfte des Louvre strikt behauten.

Der Freizeitpark Disneyland liegt rund 30 Kilometer von Paris entfernt ©M. Moog

Zwei Tage bleiben uns noch für Paris. Zwei Tage, in denen eine Bootsfahrt auf der Seine Platz finden soll und ein Besuch im berühmten Disneyland. Und in denen wir ein paar weitere berühmte Plätze auf ihre Picknicktauglichkeit hin unter die Lupe nehmen werden. „Der schönste Platz für ein Picknick ist der Platz vor der Notre-Dame!“, werden die Kinder zu Hause erzählen. Und dass Mona Lisa viel schöner sei als Disneyland. Und ich? Werde vielleicht schon Mal unseren nächsten Städte-Trip planen…

Paris mit Kindern – eine top Idee! ©M. Moog

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