Wandern in Nauders mit Kindern: Die schönsten Wanderungen und Ausflüge am Reschenpass

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Ein Wanderurlaub mit pubertierenden Kindern? Ehrlich gesagt hatte ich damit gerechnet, spätestens nach einer Stunde das erste Augenrollen zu ernten. Stattdessen sind es ausgerechnet meine Töchter, die sich am meisten für Nauders begeistern.

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Meine Kinder geraten nicht so schnell ins Schwärmen, wenn es ums Reisen geht. Weder Sri Lanka noch Japan, Irland oder Estland waren ihnen längere Erzählungen wert. Über unser bevorstehendes Wochenende in Nauders am Reschenpass weiß dagegen jeder Bescheid, sogar der Klassenvorstand der jüngeren Tochter. Und das, obwohl ein Wanderurlaub geplant ist.

Gemeinsam unterwegs: Rund um Nauders warten abwechslungsreiche Wanderungen und Ausflüge für Familien mit Kindern ©Kim Kopacka

Familienurlaub in Nauders: Warum sogar Teenager Lust aufs Wandern bekommen

Es war ein kluger Schachzug, Nika (14) und Lilia (11) zuerst die Homepage unserer Unterkunft zu zeigen. Der Naudererhof, ein Familien- und Wellnesshotel in Nauders am Reschenpass, liegt im Dreiländereck zwischen Österreich, Italien und der Schweiz. Größtes Highlight für die Mädchen? Der Skypool mit Blick auf die Berge. Dass wir einen Klettersteig und eine fünfstündige Wanderung geplant haben, scheint sie nicht zu stören. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich es nur ganz leise erwähnt habe.

Der Skypool des Naudererhofs ist das absolute Highlight des Familienhotels ©Kim Kopacka

„Wo ist der Haken?“, frage ich mich jedenfalls auf dem Weg nach Nauders, nachdem sich noch immer niemand beschwert hat. Als unsere jüngere Tochter auf halber Strecke plötzlich über Hüftschmerzen klagt, werde ich daher nervös – und gehe den Rest der Fahrt vom Schlimmsten aus.

Im Hotel angekommen, organisiert jedoch Lidia vom Empfang kurzerhand einen Termin bei Masseurin Marietta. Eine halbe Stunde später geht’s der Hüfte wieder besser und Lilia möchte am liebsten gleich ins Trampolinzimmer. Ich kann sie gerade noch zurückhalten und deute aufs Fenster, um sie abzulenken. Tatsächlich: Es funktioniert. Unsere Jüngste blickt mit offenem Mund in die Ferne statt aufs Handy. Blauer Himmel, majestätische Berge und mittendrin der Skypool. Ein Gast zieht darin seine Bahnen, schwimmt auf und ab. Wir schauen ihm neidisch dabei zu. Heute reicht die Zeit dafür nicht mehr, wir machen uns stattdessen für das Abendessen fertig.  

Der Naudererhof: Wellnesshotel für Familien in Nauders

Das Buffet bietet Suppen, Salate, Brot und gebratenes Gemüse. Wir langen zu, weil alles so gut aussieht. Anfängerfehler. Denn dadurch bleibt weniger Platz für Vor-, Haupt- und Nachspeise. „Ich habe noch nie so zartes Fleisch gegessen“, schwärmt mein Mann über das Beiried. Mein Lachs ist ebenfalls perfekt gegart. „Schmeckt nicht“ gibt’s hier nicht.  

Die Küche des Naudererhofs setzt auf alpine, regionale und saisonale Bio-Produkte aus der Region ©Kim Kopacka

Bevor wir den Abend entspannt ausklingen lassen, spazieren wir durch den Ort. Durch verwinkelte Gassen, vorbei an luxuriösen Hotels und urigen Bauernhöfen bis zur Kirche, wo wir auf eine verschmuste Katze treffen. Selbst die Tiere in Nauders scheinen uns herzlich zu empfangen.

Nauders am Reschenpass liegt in Tirol. Der 1.500-Seelen-Ort liegt auf knapp 1.400 Metern und ist supergemütlich – perfekt für einen Familienurlaub ©Kim Kopacka

Goldgrat Klettersteig in Nauders: Wandern mit Abenteuerfaktor

Heute auf dem Programm: die Erkundung des Klettersteigs Goldgrat. Nach einem ausgiebigen Frühstück stehen wir am nächsten Morgen um kurz nach 9 Uhr bei der Bergkastelbahn. Die Ausrüstung für den Klettersteig kann man sich im Sportcenter nebenan ausleihen (Gurt, Helm und Co am besten im Voraus reservieren).

Mit der Bergkastelbahn geht es bequem hinauf ins Wandergebiet oberhalb von Nauders ©Kim Kopacka

Beim Goldpark steigen wir aus. „Griass enk auf 2.200 m“ steht auf einem Schild über dem Ausgang. Unser Blick schweift kurz über den riesigen Erlebnisspielplatz. Für uns geht’s aber gleich mit der Zirmbahn weiter zum Klettersteig auf fast 3.000 Metern Höhe. Je näher wir dem Ausstieg kommen, desto lauter pfeift uns der Wind um die Ohren und desto leiser werden wir.

Der Goldgrat-Klettersteig belohnt mit spektakulären Ausblicken ©Kim Kopacka

Ein bisschen Klettererfahrung bringen wir mit, Kondition auch. Aber reicht das? Wir legen die Gurte an und machen uns mit der Ausrüstung vertraut. Mein Mann, der früher viel geklettert ist, weist uns ein. Dann starten wir. Schon nach den ersten Metern wird mir klar: Das wird anstrengend. Insgesamt ist der Klettersteig rund einen Kilometer lang, unterteilt in vier Abschnitte mit zwei Ausstiegsoptionen. Die Schwierigkeitsgrade variieren, die meisten Abschnitte entsprechen A (leicht) oder B (mäßig schwierig), einzelne Stellen auch C (schwierig).

Einfach atemberaubend – auch für Kinder: Einmal durchatmen und die Aussicht auf die Tiroler Bergwelt genießen ©Kim Kopacka

Goldgrat Klettersteig: Für wen eignet sich die Tour?

Nach etwa 20 Minuten findet unsere Jüngste, der Klettersteig sei zu schwierig für sie. So beschließen Lilia und ich, die Tour abzubrechen, mein Mann und Nika klettern weiter. Ja, der Klettersteig ist wunderschön, aber wir hören auf unser Gefühl – und gewinnen schöne, entspannte Mutter-Tochter-Stunden.

Wer von Nauders aus in die Tiroler Bergwelt ausschwärmt, ist dem Himmel ganz nah – herrlich! ©Kim Kopacka

„Du, Mama“, beginnt Lilia, als wir mit einer Limonade und einem Kaffee auf der Terrasse des Panoramarestaurants der Bergkastelbahn sitzen, „ich finde es voll angenehm mit dir.“ Ich bekomme glasige Augen, versuche es mir aber nicht anmerken zu lassen. Und mir wird klar, wie sehr ich das hier gebraucht habe. Einfach in der Sonne zu sitzen, guten Kaffee zu trinken und mich mit meiner Tochter zu unterhalten. Auch Lilia, die sonst keine Sekunde stillsitzen kann, tut die Pause gut.

Der Goldgrat-Klettersteig führt auf knapp 3.000 Meter Höhe und belohnt mit spektakulären Ausblicken ©Kim Kopacka

Top Ausflugsziel für Familien: der Goldpark Nauders

Nicht viel später heißt es aber schon wieder: „Mama, schau her! Schau, was ich kann!“ Lilia balanciert über einen Baumstamm im Wasserpark, verliert die Balance, wird nass. Auch der zweite und dritte Versuch enden im Wasser. Zum Glück ist es warm genug und ihre Kleidung trocknet schnell. Während die Gondeln über uns hinwegschweben, turnt sie auf dem Lufttrampolin, wäscht Gold oder winkt mir vom Piratenschiff aus zu. Ich muss nichts weiter tun, als die Sonne zu genießen, zu lächeln und ab und zu „super“ zu rufen. Den Rest übernimmt der liebevoll gestaltete Abenteuerspielplatz.

Der Goldpark begeistert mit Wasserspielplatz, Goldwaschanlage und vielen Mitmachstationen für Kinder ©Kim Kopacka

Von der Bergstation aus führen einige der schönsten Wanderungen der Region vorbei an Seen, Almen und Alpenblumen. Wer mehr Action sucht, kann mit dem Mountaincart den Berg hinunterfahren. Allerdings ist der erste Abschnitt recht steil, hier sollte man besonders vorsichtig sein.

Mountaincart statt Gondel: Wer mag, saust nach dem Wandern rasant zurück ins Tal ©Kim Kopacka

Lilia und ich legen uns in die Wiese neben der Zirmbahn und warten dort auf meinen Mann und Nika. Und dann? Landen wir später am Tag wieder im Hotel und verbringen den Abend ganz entspannt im Spa-Bereich des Hotels.

Auf Action folgt Erholung – dafür ist der Naudererhof wie geschaffen ©Kim Kopacka

Familien-Highlight in Nauders: mit Lamas wandern

 „Vom Parkplatz aus geht ihr geradeaus weiter und bevor es steil wird, seht ihr einen Misthaufen. Dort müsst ihr hin,“ erklärt mir Andreas Dilitz am nächsten Morgen am Telefon. Andreas war früher Milchbauer, seit gut 15 Jahren hält er Lamas und bietet geführte Wanderungen an. Er ist groß, braun gebrannt, mit festem Händedruck und Waden so stramm wie Baumstämme. Ihn scheint nichts aus der Ruhe zu bringen. Auch nicht die Tatsache, dass mit Luigi erst vor wenigen Tagen ein neues Lama zur Truppe gestoßen ist. „Jetzt schauen wir einmal, wie er sich mit den anderen verträgt“, lächelt er.

Andreas Dilitz begleitet Familien mit seinen Lamas durch die Berglandschaft rund um Nauders ©Kim Kopacka

Nach einer kurzen Einführung spazieren wir los und stellen schnell fest, dass hier die Lamas das Tempo vorgeben. Anführer Gino bleibt immer wieder stehen, um zu sehen, wo Brauni, Rico und Alpaka Pocoyo bleiben. Ab und zu legt er sich auch mit Luigi an, spuckt und trifft Andreas. Doch nur, weil dieser im Weg steht. „Lamas, die richtig gehalten werden“, erklärt Andreas, während er seine Brille putzt, „spucken nur untereinander, aber nicht auf Menschen.“ Solange Gino Abstand zu Luigi hält, läuft aber alles gut. So gut, dass Andreas vorschlägt, die Route zu ändern. „Was haltet ihr davon, wenn wir zum Schwarzen See gehen?“ Wir nicken, denn wir haben ohnehin vorgehabt, am Nachmittag dorthin zu wandern.

Gemütlich statt hektisch: Beim Lama-Trekking bestimmen die Tiere das Temp ©Kim Kopacka

Entschleunigung pur: Wenn die Lamas das Tempo vorgeben

Ruhig spazieren wir neben den Lamas, durch schattige Wälder und vorbei an traumhaften Bergkulissen. Immer wieder legen wir Pausen ein, weil die Lamas es so wollen. Andreas nutzt die Zeit, um uns Spannendes über die Tiere und die Gegend zu erzählen. Beim Schwarzen See angekommen, binden wir die Tiere an. Und obwohl die Aussicht auf den See mit den höchstgelegenen Seerosen der Alpen beeindruckend ist, sind die Lamas heute die Hauptattraktion für die Wanderer. Sie bleiben stehen, machen Fotos und wollen mehr über die Tiere wissen.

Ein besonderes Erlebnis für Kinder: Gemeinsam mit den Lamas geht es durch Wiesen und Wälder bis zum Schwarzen See ©Kim Kopacka

Vom Schwarzen See aus könnte man auch weiter zum Grünen See wandern, in dem man baden darf. Wir aber spazieren wieder zurück zum Lama-Gehege. So schnell oder besser gesagt, so gemütlich, wie es die Tiere eben zulassen.  

Fazit zum Familienurlaub in Nauders am Reschenpass

Am letzten Tag lassen wir unseren Kurzurlaub in Nauders am Reschenpass Revue passieren. Jede und jeder von uns hat genau das gefunden, was er oder sie gebraucht hat: die Möglichkeit, über sich hinauszuwachsen oder einfach einen Gang herunterzuschalten, traumhafte Bergkulissen, tierische Begegnungen und – ja – auch eine kleine Portion Luxus. Am meisten in Erinnerung bleibt mir jedoch die gemeinsame Zeit als Familie – ganz ohne streitende Kinder. Ob das an den Lamas, dem Skypool oder einfach an der Auszeit vom Alltag lag, weiß ich nicht. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem. Auf der Heimfahrt scheint dieser Zauber schon wieder verflogen zu sein. Vielleicht muss das so sein. Denn gerade deshalb bleiben nicht die Kilometer des Wanderwegs in Erinnerung – sondern die gemeinsamen Momente unterwegs.

Unsere Autorenfamilie in Nauders am Reschenpass: Kim mit Mann Franz und den Töchtern Nika und Lilia ©Kim Kopacka

Nauders mit Kindern – das solltet ihr wissen

Anreise: Nauders liegt im Dreiländereck von Österreich, Italien und der Schweiz und ist sowohl mit dem Auto als auch über den Bahnhof Landeck-Zams und Busverbindungen gut erreichbar.

Beste Reisezeit: Für Wanderungen und Ausflüge eignen sich die Monate von Juni bis September besonders gut. Dann sind die Bergbahnen in Betrieb und die meisten Attraktionen rund um den Goldpark, den Schwarzen See und den Goldgrat-Klettersteig geöffnet.

Für welches Alter eignet sich Nauders? Familien mit Kindern ab etwa sechs Jahren finden rund um Nauders zahlreiche einfache Wanderungen und Spielmöglichkeiten. Der Goldpark ist bereits für jüngere Kinder geeignet. Anspruchsvollere Touren wie der Goldgrat-Klettersteig empfehlen sich dagegen erst für erfahrene Jugendliche und Erwachsene.

Bergbahnen: Mit der Bergkastelbahn landet ihr bequem mitten im Wandergebiet. Von dort bringt euch die Zirmbahn bis auf knapp 3.000 Meter Höhe – ideal als Ausgangspunkt für den Goldgrat-Klettersteig oder alpine Wanderungen.

Von Dreitausendern umgeben: Nauders am Reschenpass in Tirol ©Kim Kopacka

Goldgrat-Klettersteig: Der Goldgrat ist mit seinen verschiedenen Ausstiegen so konzipiert, dass er auch von Anfängerinnen und Anfängern zumindest teilweise begangen werden kann. Er ist rund einen Kilometer lang und führt durch vier Abschnitte mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden (A bis C). Für kleinere Kinder ist er nicht zu empfehlen.

Lama-Trekking: Die geführten Touren dauern – je nach Route – mehrere Stunden und führen gemütlich durch Wälder und die Berglandschaft rund um Nauders. Dabei bestimmen die Lamas das Tempo. Eine Reservierung im Voraus ist empfehlenswert.

Mountaincart: Wer nach der Wanderung noch Lust auf Action hat, kann mit dem Mountaincart zurück ins Tal fahren. Achtung: Der obere Streckenabschnitt ist recht steil.

Goldpark: Direkt an der Bergstation wartet mit dem Goldpark einer der schönsten Erlebnisspielplätze der Region. Wasserspielplatz, Goldwaschanlage, Kletterelemente und zahlreiche Mitmachstationen sorgen dafür, dass Kinder hier problemlos mehrere Stunden verbringen können.

Blick auf den Goldpark: Der große Erlebnisspielplatz liegt direkt an der Bergstation und ist ein ideales Ziel für Familien ©Kim Kopacka

Schwarzer See und Grüner See: Beide Bergseen lassen sich wunderbar in eine Wanderung integrieren. Am Schwarzen See wachsen die höchstgelegenen Seerosen der Alpen, der Grüne See lädt an warmen Sommertagen sogar zum Baden ein.

Familienhotel: Der Naudererhof verbindet Wellness mit Familienurlaub. Besonders beliebt sind der beheizte Skypool mit Bergblick, die großzügige Saunalandschaft und verschiedene Spielbereiche für Kinder.

Kosten: Für Bergbahnen, Klettersteig, Mountaincart und Lama-Trekking fallen separate Gebühren an. Wer mehrere Attraktionen nutzen möchte, sollte sich vorab über Kombitickets oder Gästekarten informieren.

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