Eine Reportage von Kirsten Düspohl
Das Wasser glitzert in der Sonne, ein Kajak gleitet fast lautlos vorbei, verscheucht ein paar Wildgänse, die ihre langen Hälse in den Allersee strecken. Ich bohre meine Zehen tief in den frühlingswarmen, feinen Sand – und bin versucht, mich einmal selbst zu kneifen. „Das soll Wolfsburg sein?“, frage ich meinen Mann irritiert, lasse den Blick vom See über die gut besuchte Beach-Bar bis hin zum angrenzenden Park schweifen. Mit allem habe ich in der „Autostadt“ gerechnet: mit rauchenden Schornsteinen, mit einem Mix aus Großstadtflair und Industriecharme und natürlich mit Autos, Autos, Autos – aber mit einem Sandstrand am Badesee? Wohl kaum.

Überraschend vielseitig: Familienurlaub in Wolfsburg
Zugegeben, ich war skeptisch, als mein Mann vorschlug, wir könnten doch mit den Kindern für ein paar Tage nach Wolfsburg fahren. Ganz ehrlich, wem kommt bei einem Städtetrip mit Kindern denn bitteschön Wolfsburg in den Sinn? Die fünftgrößte Stadt Niedersachsens zählt zu den jüngsten Städten Deutschlands: Sie wurde 1938 ursprünglich als Sitz des Volkswagenwerks gegründet, historische Bauten in der Innenstadt sucht man hier also vergebens. „Es müssen doch nicht immer die großen, geschichtsträchtigen Metropolen sein“, hatte mein Mann gemeint. Unsere Kinder Jette (12) und Tom (10) und Neffe Tjark (10) hatten ihn ebenso stirnrunzelnd angeschaut wie ich, der Idee dann aber eine Chance gegeben. Und – so viel sei schon einmal verraten – diese Entscheidung war goldrichtig. Wolfsburg ist eine echte Wundertüte.
Der Allerpark: Natur- und Sport-Oase im Herzen Wolfsburgs
Doch zurück zur ersten positiven Überraschung: zum Allersee mit seinem pudrigen Sandstrand, den Spazier- und Radwegen und einem Discgolfparcours am Ufer. Der rund 1,2 Kilometer lange See ist das Herz des 130 Hektar großen Allerparks, eine grüne Oase im Zentrum Wolfsburg und ein Eldorado für Familien. Hier gibt es nicht nur riesige Grünflächen zum Toben und richtig tolle Spielplätze. Das Naherholungsgebiet nördlich des Mittellandkanals und südlich der Aller bietet auch vielfältige In- und Outdooraktivitäten, die sich rund um Sport und Erholung drehen. Kein Wunder also, dass hier auch das AOK Stadion und die moderne Volkswagen Arena sind.

Nicht nur für Fußball-Fans ein Highlight: die Volkswagen Arena
„Herzlich willkommen im Wohnzimmer des VfL“, begrüßt uns Tourguide Kalle Born vor der VfL-FußballWelt. Der gebürtige Wolfsburger ist ein echtes VfL-Urgestein und nimmt uns durch den VIP-Eingang mit auf eine gebuchte Führung ins Stadion. Eineinhalb Stunden lang lotst er uns durch die verschiedenen Bereiche der Arena, unterhält uns mit interessanten und lustigen Anekdoten. So erfahren wir, dass die Vereinsfarben einem witzigen Zufall geschuldet sind und dass die „Wölfe“ vorm Spiel gerne Blechkuchen essen. Wir dürfen einen Blick hinter die Kulissen werfen: in die Heimkabine und in die etwas weniger komfortable Gästekabine, in die stadioneigene Kapelle und in die Businessloge.

Das größte Highlight: Während aus den Lautsprechern die Einlaufhymne erschallt, gehen wir durch den Spielertunnel bis zum heiligen Rasen – der heute leider gar nicht so heilig aussieht. „Unser Rasen gehört zu den besten der gesamten Bundesliga, und damit das so bleibt, wird der Hybridrasen gerade erneuert“, erklärt uns Kalle die aktuellen Bauarbeiten auf dem Grün. Wir nehmen auf der Ersatzbank (mit Sitzheizung!) Platz und lassen die Imposanz dieses 30.000 Plätze umfassenden Stadions auf uns wirken. „Das war richtig spannend“, stellt Jette am Ende fast ein wenig erstaunt fest. Und ich muss ihr recht geben, denn auch ich bin verwundert, wie sehr mir die Führung gefallen hat – obwohl ich wirklich alles andere als ein Fußballfan bin. Aber dass Wolfsburg überrascht, das wussten wir ja bereits …

Die Autostadt Wolfsburg – eine der Hauptattraktionen für Kinder und Erwachsene
Ehrlich gesagt dachte ich immer, dass die Bezeichnung Autostadt einfach nur ein Beiname für ganz Wolfsburg sei. Stimmt gar nicht! Am zweiten Tag unseres Städtetrips erfahren wir, dass es sich bei der Autostadt um eine Art automobilen Freizeit- und Erlebnispark mitten in der City handelt. Im Zentrum der 28 Hektar großen Parklandschaft thronen die beiden Autotürme, das Wahrzeichen der Stadt und Mittelpunkt des Auslieferungszentrums von Volkswagen.

Doch das ist nur ein Aspekt der Autostadt, auch wenn sich hier natürlich alles um den fahrbaren Untersatz dreht. In der Parkanlage befinden sich nicht nur ein 18,5 Meter hoher Rutschenturm und eine Outdoor-Kletterinstallation für die Kids, sondern auch einige Pavillons unterschiedlicher Automarken. Während Tom und Tjark die neuesten Modelle von Porsche, Bugatti und Co bestaunen, bewundern wir weniger Autobegeisterten das Blumenmeer und die Architektur der Pavillons.

Das Automobilmuseum im ZeitHaus, ein gläsernes Gebäude auf dem Areal der Autostadt, löst dann aber bei uns allen Begeisterung aus. Auf fünf Etagen schlendern wir durch mehr als 260 Fahrzeuge von über 60 verschiedenen Marken – vom Oldtimer bis hin zum Flitzer. „Guck mal, Mama, so einen Bulli wollen Tjark und ich uns mal kaufen und damit auf Weltreise gehen“, erklärt mir Tom und zeigt auf die nostalgische Design-Ikone. Jette hingegen gefällt der Austin 850 Mini, das „Auto von Mr. Bean“. Was man in der Autostadt ebenfalls nicht verpassen sollte: die Original Volkswagen Currywurst – ein Klassiker in Wolfsburg, superlecker und krönender Abschluss unseres Besuchs in dem Autopark.

Extra-Tipp: Der Kinderführerschein in der Autostadt
Kinder im Alter von von 5 bis 11 Jahren können im LernPark der Autostadt ihren ersten eigenen „Führerschein“ machen. Nach einer kurzen, spielerischen Theorie-Einführung dürfen die Kids in elektrischen Mini-Autos über einen Outdoor-Parcours flitzen. Am Ende gibt es sogar ein echtes Führerschein-Dokument mit Foto als stolzes Souvenir für zu Hause!
Wolfsburg Unternehmungen mit Kindern: So viel zu entdecken
„Wir hätten noch viel länger bleiben müssen“, es ist der letzte Morgen unseres Städteurlaubs in Wolfsburg und Tom und Tjark blättern in den Reiseunterlagen. Schnell machen sie uns klar, dass wir noch lange nicht alles gesehen haben und unbedingt wiederkommen müssen. Um den Klettergarten Monkeyman zu testen, im Planetarium Sterne zu schauen, das Schloss Wolfsburg unter die Lupe zu nehmen und in der Wasserskianlage für Lacher zu sorgen zum Beispiel. „Und hier steht, dass man sich unbedingt den eingemeindeten Stadtteil Fallersleben anschauen soll, da gibt es nämlich doch einige richtig alte und schöne Gebäude“, liest Tjark vor. Wie gut, dass uns noch ein Tag bleibt – ausreichend Zeit, um zumindest noch ein paar Attraktionen kennenzulernen.
Wolfburg mit Kindern bei Regen: Ab ins Science Center Phaeno
Ein absolutes Must-See für Kinder: das Phaeno, ein Science Center und Mitmach-Museum für die ganze Familie. An 350 Experimentier-Stationen erleben wir Naturwissenschaft zum Anfassen und Ausprobieren. Wir bewundern den über sechs Meter großen Feuertornado, lassen uns von einem freundlichen Roboter Wilhelm Tell zitieren, im Schwindeltunnel die Sinne verwirren und unter Strom die Haare zu Berge stehen.

Eine Besonderheit im Phaeno: die spannenden Workshops, zu denen sich Groß und Klein anmelden kann. „Hier habt ihr verschiedene Kartons, Verpackungen und anderes Bastelmaterial und das hier ist unsere Rennstrecke mit schräger Startrampe“, erklärt uns Workshop-Leiterin Sabine den Ablauf unserer „Erfinderwerkstatt – die Langstreckenrenner“. Wir machen uns ans Werk und basteln aus Pappe, Strohhalmen, Papier und Co schicke und vor allem fahrtüchtige Rennwagen. „Gewonnen“, ruft Jette gut eine Stunde später, als ihre „Pappnase“ als einziges Fahrzeug über die 10-Meter-Marke rauscht.

Badeland Wolfsburg: Norddeutschlands größtes Freizeit- und Erlebnisbad
„Mama, du muss unbedingt die Reifenrutsche ausprobieren“, Tom zieht mich begeistert hinter sich her, drückt mir einen großen, gelben Schwimmring in den Arm und erklimmt die ersten Stufen. Das BadeLand im Allerpark ist ein echtes Wasserparadies und der letzte Punkt auf unserer Wolfsburg-Bucket-List. Zwei Riesenrutschen, ein großes Wellenbecken, ein Warmsprudelbad und viele weitere feuchtfröhliche Attraktionen sorgen für Badespaß bei jedem Wetter.

Und während die Kinder jauchzend durch die Wellen toben und mein Mann ein paar Bahnen im Sportlerbecken zieht, lasse ich mich durch den Strömungskanal im Außenbecken treiben, genieße die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht und denke, dass eine Städtereise selten so entspannt war. Wolfsburg ist wirklich ein Überraschungspaket – ein bunter Mix aus Kultur, Spaß und Sport und ganz viel Natur. Vielleicht hat mein Mann recht, überlege ich, vielleicht müssen es gar nicht immer die großen Metropolen sein. Deutlich erholsamer geht es in den kleinen Geheimtipps Deutschlands zu – und mindestens ebenso sehenswert sind sie auch.

Wolfsburg mit Kindern: Wo übernachten?
Damit der Städtetrip entspannt abläuft, wohnt ihr am besten nah an den Ausflugszielen. Diese drei Hotels können wir euch für einen Familienurlaub in Wolfsburg empfehlen:
Courtyard by Marriott Wolfsburg*: Top-Lage am Allersee
Das Hotel liegt direkt im Allerpark, also direkt neben dem BadeLand und dem Allersee. Die Autostadt ist nur einen schönen Spaziergang weit entfernt (oder 5 Minuten mit dem Auto).
Leonardo Hotel Wolfsburg City Center*: Mit eigenem Pool
Sehr zentral in der Innenstadt gelegen. Zum Hauptbahnhof und dem Phaeno sind es nur wenige Minuten mit dem Auto oder Bus. Der große Hotel-Innenpool ist die perfekte Rettung für die Kids, falls das Wetter mal nicht mitspielt.
Premier Inn Wolfsburg City Centre*: Der Preishit: Moderne Zimmer im Zentrum. Sehr familienfreundlich: Bis zu zwei Kinder unter 16 Jahren übernachten und frühstücken hier kostenlos im Zimmer der Eltern.
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