Bremen entdecken: Citytrip mit Kindern

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Die legendären Stadtmusikanten, spannende Museen und eine historische Innenstadt voll von Geschichte(n) – die schöne Hansestadt Bremen ist der perfekte Ort für einen Wochenend-Städtetrip.

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Auf einen Blick
Die Hansestadt Bremen liegt direkt an der Weser und begeistert mit einer malerischen Altstadt, etlichen Grünflächen und einem abwechslungsreichen Kultur- und Freizeitangebot für die ganze Familie.
Zielgruppe: Bremen ist die Altstadt der kurzen Wege und selbst für Kinderfüße gut zu meistern. Viele der Museen sind speziell auf kleine Besucherinnen und Besucher ausgerichtet.
Highlights: Das Mitmach-Museum Universum Bremen darf auf keinen Fall auf eurer Bucket-List fehlen, ebenso wenig ein Bummel durchs Schnoor, das älteste Stadtviertel der Hansestadt. Und wenn ihr am Markt seid, werft unbedingt eine Münze ins Bremer Loch.

Eine Reportage von Birgit Durak

„I-ah, I-aaaah.“ Meine Schwester und ich schauen uns irritiert an und auch mein Sohn Tjark (9), sein Cousin Tom (10) und seine Cousine Jette (12) lassen den Blick suchend über den Bremer Marktplatz schweifen. Ist um diese abendliche Uhrzeit etwa ein Esel unterwegs – mitten in der Innenstadt? Kaum verklingt das Iahen des Langohrs, ertönt ein lautstarkes Kikeriki. Stadtführer Michael Buchholz, der uns vor unserem Hotel zu einer Taschenlampen-Führung abholt, bemerkt unsere erstaunten Gesichter. „Ja, wisst ihr denn nicht, dass hier die Bremer Stadtmusikanten leben? Der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn?“, fragt der sympathische Bremer schmunzelnd.

Für Eltern und Kinder aufregend: die Taschenlampenstadtführung, auf der man natürlich auch den Stadtmusikanten einen Besuch abstattet ©Kirsten Düspohl

„Kommt, ich zeig euch unsere märchenhafte Stadt und lüfte das Geheimnis.“ Er lotst uns an den Rand des Platzes und hier entdecken wir es: das sogenannte Bremer Loch. „Kreih nich, jaul nich, knurr nich, segg i-aa, doh wat in`t Bremer Loch“, liest Tjark im Schein seiner Taschenlampe die plattdeutsche Inschrift auf dem Gullydeckel vor. Ich fische eine 5-Cent-Münze aus meiner Jackentasche, werfe sie in den kleinen Schlitz – keine Sekunde später schallt Hundegebell über den Marktplatz.

Stadtführung mit Taschenlampe – ein tolles Erlebnis für Kinder

Zugegeben: Als meine Schwester Kirsten mir vorschlug, unseren Schwestern-Kinder-Wochenendtrip nach Bremen mit einer abendlichen Stadtführung zu starten, war ich skeptisch. Ob das für die Kinder nicht langweilig ist? Sind sie nach einem Schultag und der Anreise nicht zu erschöpft?

Ankunft Freitagnachmittag: Zwei Schwestern und drei Kinder auf Städte-Trip in Bremen ©Kirsten Düspohl

Doch ich merke schnell: Meine Bedenken waren unbegründet. Bewaffnet mit ihren Taschenlampen bestaunen die Kinder die historische Altstadt rund um den beeindruckenden St. Petri Dom, das Rathaus und die Roland-Statue und lauschen den spannenden Anekdoten aus 1.200 Jahren Bremer Stadtgeschichte, die Michael Buchholz uns erzählt: über die Giftmischerin Gesche Gottfried, den riesigen Atombunker unterm Domshof und das vergoldete Relief am Eingang der Böttcherstraße.

Michael Buchholz macht vor, wie man sich hier etwas wünscht ©Kirsten Düspohl

Und er zeigt uns an dem Wahrzeichen der Stadt, den bronzenen Bremer Stadtmusikanten, wie Wünsche in Erfüllung gehen. „Aber nur, wenn ihr es richtig macht“, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu, „greift mit beiden Händen an die Fesseln des Esels und reibt ein bisschen. Und wenn ihr ganz sicher sein wollt, dass sich euer Wunsch erfüllt, gebt ihr dem Esel danach noch einen auf die Schnüss“, lacht er und knufft dem Esel in die Schnauze.

Bremen – top Destination für einen Wochenendtrip mit Kindern

Bremen. Der Stadtstaat ist die elfgrößte Stadt Deutschlands und Heimathafen von fast 700.000 Bremerinnen und Bremern. Der besondere Charme der Hansestadt: Vom Großstadttrubel merken wir bei unserer Stadtführung und auch an den folgenden zwei Tagen kaum etwas. Klar, die Bremer Innenstadt versprüht weltoffenes, hanseatisches Flair und strotzt an jeder Ecke vor Tradition und Geschichte.

Ein Erinnerungsfoto der zwei Cousins – aufgenommen vor dem Bremer Rathaus ©Kirsten Düspohl

Dabei aber hat sie sich Gelassenheit und Gastfreundschaft bewahrt. Weiterer Pluspunkt: Bremen ist die Stadt der kurzen Wege. Ob Bahnhof, Weserpromenade, Einkaufsstraße oder Marktplatz – alles ist in nur wenigen Minuten fußläufig zu erreichen, selbst mit Kinderfüßen.

Hotel-Tipp für Familien

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Universum Bremen – das Mitmach-Museum für die ganze Familie

„Können wir mal mit der Straßenbahn fahren?“, fragt Tom am nächsten Morgen, fasziniert vom regen Schienenverkehr vor dem Rathaus. Können wir, denn unser heutiges Ziel liegt etwas abseits des historischen Stadtkerns: das Universum Bremen. Schon von Weitem leuchten uns die Edelstahlschindeln des „Wals“ entgegen. So wird das Mitmach-Museum liebevoll von den Hansestädtern genannt – und wenn man vor dem glänzenden, organisch geformten Hauptgebäude steht, weiß man auch, warum. Im Bauch des Wals: 300 Mitmach-Stationen und beeindruckende Exponate rund um die Themenbereiche Technik, Mensch und Natur.

Das Universum ist mit 40.000 Edelstahlschindeln verkleidet ©Kirsten Düspohl

„Cool, man kann hier richtig viel ausprobieren“, freut sich mein Sohn und versucht am Komponiertisch, Gummischnipsel und -schnüre in eine digitale Melodie übersetzen zu lassen. Jette hingegen interessiert es, wie groß ihr ökologischer Fußabdruck ist. „Ups, man bräuchte 2,8 Erden, wenn alle so leben würden wie wir“, sagt sie etwas entsetzt, als der Computer das Ergebnis ausspuckt.

Für Kinder superspannend: die 300 Mitmach-Stationen im Universum ©Kirsten Düspohl

Doch Diskussionen über Nachhaltigkeit müssen vorerst warten. Stattdessen gilt es, Blitze zu erzeugen, unsere Multitasking-Fähigkeit beim heißen Draht zu erproben, auf dem Erdbeben-Sofa Platz zu nehmen und, und, und. „Wir hätten den ganzen Tag für das Universum einplanen sollen“, sagt meine Schwester beim Blick auf die Uhr. So aber heißt es: Aufbruch, denn das nächste Bremer Highlight wartet schon auf uns.

Bremer Geschichtenhaus – eintauchen in drei Jahrhunderte Stadtgeschichte

Das Bremer Geschichtenhaus liegt mitten im ältesten Stadtviertel Bremens und ist in dem Labyrinth aus verwinkelten Gässchen gar nicht so einfach zu finden. Im „Schnoor“ reihen sich schmale, bunte Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert, kleine Geschäfte und Kunsthandwerk-Lädchen, Cafés und Restaurants aneinander – dicht an dicht wie die Perlen an einer Schnur.

Das Schnoorviertel: Seinen Namen verdankt es einem Handwerkszweig, der hier verbreitet war. Hier wurden Seile und Taue hergestellt (Schnoor = Schnur) ©Kirsten Düspohl

Eher zufällig stehen wir plötzlich vor dem ehemaligen Packhaus, in dem seit 2006 die Bremer Geschichte lebendig wird. „Die sind hier ja alle verkleidet“, flüstert Tjark mir zu, nachdem wir am Eingang von einem Stadtwächter und einer Magd begrüßt werden. Die zwei sind nicht die einzigen, die uns mit auf eine Reise durch drei Jahrhunderte nehmen. So lernen wir in einer Nacht im Februar 1656 den schwedischen Soldaten Tjorge kennen, der uns vom fürchterlichen Brand des Domturms berichtet, lauschen den Schmuggeltricks der Böttchersfrau im 17. Jahrhundert, werden rund 50 Jahre später vom Kapitän eines Handelsschiffes an Deck seines Zweimasters geladen und treffen Ende des 19. Jahrhundert die berühmte Fisch-Lucie, ein echtes Bremer Urgestein.

Das Bremer Geschichtenhaus ist ein richtig lebendiges Museum ©Kirsten Düspohl

Tolle Familien-Attraktionen in und um Bremen

„So ein Wochenende vergeht viel zu schnell“, stellt Kirsten abends bedauernd fest. Wir sitzen in einer Pizzeria direkt an der Weserpromenade und überlegen, wie wir den morgigen – leider schon letzten – Tag unseres Kurzurlaubs verbringen. Wollen wir in die botanika, Bremens riesiges Naturerlebniszentrum? Für eine Weser- und Hafenrundfahrt in See stechen? Oder doch lieber in den Bürgerpark mit angrenzendem Stadtwald?

Ein Hit bei den Kids: die Bonbonmanufaktur in der Böttcherstraße ©Kirsten Düspohl

Zaghaft schlage ich das Übersee-Museum direkt am Hauptbahnhof vor – und rechne schon fast mit Protest, denn, seien wir ehrlich, drei Museen an zwei Tagen überfordern schon manchen Erwachsenen. Überraschenderweise sind die Kinder einverstanden. „Die Museen in Bremen sind spannend, irgendwie gar nicht so richtig museumsmäßig“, meint Tom schulterzuckend, anscheinend selbst ein wenig überrascht über sein Kulturinteresse.

Das Übersee-Museum Bremen – die Welt unter einem Dach

„Wow, es ist, als stünden wir auf einer riesigen Weltkarte“, sagt Jette am nächsten Vormittag. Wir haben soeben das Übersee-Museum betreten und befinden uns quasi mitten im Pazifik. Links ein altes Holzschiff, vor uns kleine Palmeninseln und rechts begrüßt uns der riesige Kopf eines Plastik-Wals. Willkommen in der Südsee!

Der Wal wird nicht das einzige Lebewesen sein, dem wir hier begegnen, ob lebendig, ausgestopft oder nachgebildet. Schließlich nehmen Lebewesen und ihre Lebensräume in dieser Ausstellung einen zentralen Stellenwert ein – vermutlich einer der Gründe, warum das Museum seit mehr als 120 Jahren ein Familien- und Touristenmagnet ist. Zahlreiche Exponate, naturgetreue Nachbildungen und Stationen zum Ausprobieren entführen uns auf eine Reise nach Ozeanien, Asien, Afrika und Amerika.

Dieses afrikanische Nashorn ist in der Savanne im Überseemuseum zu Hause ©Kirsten Düspohl

Städtetrips mit Kindern – eine Auszeit vom Alltag

Hotel Classico ©Kirsten Düspohl

„Ich habe Hunger“, sagt Tjark gut drei Stunden später und zieht uns in Richtung des Museumsrestaurants. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass unser Zug sowieso in einer Stunde geht – genug Zeit, das Wochenende bei warmer Mandeltarte mit Vanilleeis ausklingen zu lassen. Und während die Kinder darüber diskutieren, von welchem Bremer Highlight sie morgen in der Schule berichten wollen, nippe ich an meinem Latte Macchiato und freue mich, wie unkompliziert und schön dieses Wochenende war. „Solche kleinen Auszeiten vom Alltag sollte man häufiger nehmen, oder?“, errät meine Schwester meine Gedanken. Wir grinsen uns an – und ich weiß genau, dass sie im Geiste auch gerade durchgeht, welche Städte sich für den nächsten Citytrip anböten. Ob die mit Bremen mithalten können? Ich bin mir sicher: Wir finden es heraus …

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