Der Roadtrip im Überblick
Route: Stuttgart – Bodensee – Campingregion Interlaken – Schwarzwald – Stuttgart
Dauer: 7 Tage
Gefahrene Kilometer: ca. 900 km
Camper: Familien-Hannes von Hannes Camper, ein VIICA-Kastenwagen mit Aufstelldach und vier Schlafplätzen
Campingplätze: Campingpark Gohren in Kressbronn am Bodensee, Camping Lazy Rancho in der Campingregion Interlaken, Camping Schluchsee im Schwarzwald
Highlights entlang der Route: Schifffahrt auf dem Bodensee, Trottibiketour auf dem Niederhorn und eine Fahrt mit der Schynige-Platte-Bahn in der Campingregion Interlaken sowie der Spaßpark Hochschwarzwald am Schluchsee
Eine Reportage von Kirsten Düspohl
„Das wird ein richtiges Familienabenteuer. Wir lassen uns einfach ganz entspannt von Urlaubsort zu Urlaubsort treiben …“ An diese Sätze meines Mannes Jan muss ich denken, als ich unseren Camper zum ersten Mal betrete. Hatte er nicht auch was von Freiheit und Weite erzählt, als wir vor einigen Wochen mit unseren Kindern Jette (14) und Tom (12) Sommerferienpläne geschmiedet hatten? Die ersten Worte, die mir beim Betreten des Kastenwagens in den Sinn kommen, sind eher: Enge und Lagerkoller.

Zugegeben, der silbergraue Familien-Hannes von Hannes Camper ist ein echter Hingucker, superstylisch mit einer cleveren Raumaufteilung, mit Küchenzeile, vier Schlafplätzen, Tisch, kleinem Duschbad und viel mehr Staufächern als erwartet. Eigentlich unterscheidet er sich in seiner Ausstattung kaum von einer Ferienwohnung. Aber er ist eben nur sechs Meter lang und rund zwei Meter breit … Kann man sich auf so engem Raum überhaupt erholen – sieben Tage lang, mit zwei pubertären Teenagern?

Must-do vor jedem Roadtrip: eine Einführung in den Camper
„Der ist sooo cool“, begeistert sich mein Sohn, grinst über beide Backen und stellt sofort klar, dass er und seine Schwester im Aufstelldach schlafen werden. Wie soll man sich von so einer Euphorie nicht anstecken lassen? Ich beschließe, meine Skepsis erstmal über Bord zu werfen. Und während uns Julia und Fredy, zwei aus dem sympathischen Team am Hannes-Camper-Standort Stuttgart, die Tricks und Kniffe des VIICA-Campers zeigen, werden meine Zweifel immer kleiner.

Keine Frage, bei der Ausstattung hat man sich Gedanken gemacht – von den drehbaren Vordersitzen und dem aufklappbaren Heckbett über die Plissees an allen Fenstern bis hin zum Kühlschrank, dessen Tür sich von beiden Seiten öffnen lässt. „Und mit der wasserfesten Markise vergrößert ihr euren Wohnraum noch“, erklärt Julia. „Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit“, fügt mein Mann hoffnungsvoll hinzu.

Als Camping-Anfänger haben wir uns für kurze Distanzen entschieden. Unser Plan: ein Seen-Hopping vom Bodensee über die Schweiz, ganz genau: an den Thunersee in der Campingregion Interlaken bis hin zum Schluchsee im Hochschwarzwald. Ein abwechslungsreicher Mix aus Seen, Bergen und rauschenden Wäldern – und jeder Menge Familienattraktionen entlang der Route.
Erster Stopp des Roadtrips: Campingpark Gohren in Kressbronn am Bodensee
„Dieser Campingplatz ist ja fast ein kleines Dorf“, stelle ich erstaunt fest, als wir über den Campingpark Gohren radeln. Gerade haben wir unseren Camper auf einem der rund 1.500 Stellplätze geparkt und unser Zuhause auf Zeit eingerichtet: das Aufstelldach ausgeklappt, die Stromverbindung gelegt, Markise ausgefahren, Klapptisch und Stühle rausgeholt.

Nun fahren wir vorbei an Supermarkt, Spielplätzen und sogar einem Streichelzoo, in dem ein kleines Pony und ein Esel träge in der Sonne dösen. Das Highlight des 4-Sterne-Platzes aber ist seine Lage: direkt am Ufer des Bodensees mit eigenem Zugang zum Strand.

Unser Ziel ist aber ein anderes – auf geliehenen Rädern fahren wir zum nahegelegenen Naturstrandbad Kressbronn. Das Bad ist gut besucht und lässt erahnen, dass der Bodensee in Baden-Württemberg zu den beliebtesten deutschen Urlaubsregionen zählt. Und während Jan und ich noch das Badelaken auf der riesigen Liegewiese ausbreiten, stürzen sich unsere Kinder schon kopfüber in den größten See Deutschlands.

Highlight am Bodensee: Schifffahrt bis zum Pfänder in Bregenz
Am zweiten Urlaubstag nehmen wir statt unseres Campers die Fähre. In rund einer Stunde schippern wir von Kressbronn bis nach Bregenz in Österreich, vorbei an so reizenden Städten wie Wasserburg und Lindau. „Hier wirkt es ja fast mediterran“, meint Jan, als wir in Bregenz am trubeligen Hafen, an hübschen Häusern und plätschernden Brunnen vorbei zur Talstation der Pfänderbahn schlendern.

In wenigen Minuten gondeln wir hoch auf den 1.064 Meter hohen Pfänder, Hausberg des Bodensees und berühmtester Aussichtspunkt der Region. „Wow, von hier oben sieht man ja den gesamten Bodensee“, staunt Jette. Und nicht nur das – denn vom Gipfel aus hat man einen perfekten Rundumblick auf die rund 240 Alpengipfel Österreichs, Deutschlands und der Schweiz. „Vielleicht gehört einer der Berge ja sogar schon zur Campingregion Interlaken und wir stiefeln da morgen hoch“, rätsele ich auf unserer kleinen Rundwanderung hoch zur Pfänderspitze.

Zweiter Stopp der Van-Tour: der Thunersee in der Campingregion Interlaken
Aufstelldach einziehen, alle Staufächer gut verschließen und dann geht es früh am nächsten Morgen los. Wir lassen den Bodensee hinter uns, steuern das zweite Ziel unserer Reise an: das Berner Oberland in der Schweiz. In der Campingregion Interlaken tummeln sich zwischen Brienzersee und Thunersee zahlreiche familienfreundliche Campingplätze. Doch bevor wir unsere Zelte aufschlagen, biegen wir Richtung Wilderswill ab, steigen vom Camper auf ein anderes Gefährt um: die Schynige Platte Bahn. Über steile Anhöhen schlängelt sich die alte Zahnradbahn auf fast 2.000 Meter Höhe.

Dicke Wattewolken hängen zwischen den Bergen, als wir unseren Waggon verlassen und den Rundweg durch den Alpinen Garten einschlagen. Es duftet nach Wildblumen, würzigen Kräutern und frischer Bergluft, Kuhglockengebimmel begleitet uns auf unserem Weg. „Pure Idylle“, denke ich im Stillen – und bekomme in diesem Urlaub das erste Mal das Gefühl von Weite und Abenteuer.

Traumplatz für Familien: Campingplatz Lazy Rancho
„Herzlich willkommen bei Camping Lazy Rancho“, begrüßt uns Cheyenne an der Rezeption des familiengeführten 4-Sterne-Platzes. Die herzliche, junge Frau zeigt uns den Lageplan, erklärt, wo sich auf dem liebevoll angelegten Gelände Sanitäranlagen, Spülküche, Spielplatz, Grillecke und – das Highlight der Kinder – der Pool befinden. Wir bekommen einen Stellplatz direkt an einer Wiese. Und während Jan und Tom die Camperküche einweihen und auf dem Gasherd Tortellini kochen, klappe ich die Flügeltüren am Heck weit auf, die Rückenlehne hoch und genieße das Bilderbuchbergpanorama, vor dem bunte Gleitschirmflieger durch die Lüfte segeln. Besser als jedes Fernsehprogramm!

Ein top Urlaubsdomizil: ein Camperbus
Ich muss zugeben: So ein Vanleben hat was für sich. Es ist gerade mal Tag drei und wir fühlen uns schon wie alte Camper-Hasen, genießen es, so nah in der Natur zu sein und von Campingplatz zu Campingplatz zu hoppen. Natürlich mussten wir in den ersten Tagen erstmal lernen, dass es sinnvoll ist, eine feste Ordnung in den Staufächern und Schubladen zu haben, dass man seine sieben Sachen nicht herumliegen lassen und die Wasserpumpe anstellen sollte, bevor man die Toilette benutzt.

Und ja, manchmal ist es eng, zum Beispiel, wenn morgens alle gleichzeitig aufstehen. Vor allem aber ist es gemütlich in unserem Familien-Hannes – im Aufstelldach mit Blick auf den Sternenhimmel, in der Sitzecke, die zwar klein, aber trotzdem groß genug für Spieleabende und gemeinsame Mahlzeiten ist. Und im kuschelweichen Heckbett mit Loungefunktion, das schon jetzt mein absoluter Lieblingsplatz im Camper ist. Wie heißt es doch so schön? Manchmal ist weniger mehr!
Must-do für Familien: das Niederhorn in der Campingregion Interlaken
„Schaut, das sind Eiger, Mönch und Jungfrau“, eine ältere Dame zeigt aus dem Fenster der Gondel auf die mächtigen Viertausender, die zackig vor uns in den Himmel ragen, „merkt euch einfach, dass der Mönch immer zwischen Eiger und Jungfrau steht“, fügt sie mit einem Augenzwinkern im charmanten Schweizerdeutsch hinzu.

Klar gibt es beim Frühstück ein bisschen Gemecker von unseren Teenagern – sie möchten lieber endlich in den Thunersee springen, der so verlockend in der Sonne glitzert. Das Argument von uns Eltern ist aber besser: dickreifige Tretroller, sogenannte Trottibikes. Und so stiefeln Jette und Tom ganz ohne Murren die kleinen Trampelpfade von der Bergstation bis zur Mittelstation in Vorsass hinab.

Dort heißt es: Helm auf, Handbremsen checken und sich für eine der beiden Trottibike-Routen entscheiden – den sechs Kilometer langen, rasanten Rocky’s Run oder den doppelt so langen, anspruchsvolleren Happy’s Trail. Wir entscheiden uns für die sportlichere Variante, bei der es manchmal auch bergauf geht. Die meiste Zeit aber können wir einfach hinunterrollern, erst durch die Natur, dann durch das beschauliche Beatenberg, erst noch zaghaft, dann immer mutiger …

Postkartenschön und himmlisch erfrischend: der Thunersee
„Schade, dass wir hier nicht länger bleiben“, sage ich ein bisschen wehmütig zu meinem Mann, als wir nachmittags am Ufer des Thunersees in der Sonne liegen. Die Kinder kreischen im Hintergrund, springen wieder und wieder in den türkisfarbenen Fjordsee, der jetzt im Hochsommer auf immerhin 22 Grad Wassertemperatur kommt. „Beim nächsten Camperurlaub buchen wir die Stellplätze nicht vorab, sondern entscheiden spontan, wo wir wie lange bleiben“, stimmt Jan mir zu.

Dritter Stopp des Roadtrips mit der Familie: Camping Schluchsee im Schwarzwald
„Auch nicht schlecht“, denke ich schmunzelnd an nächsten Tag, lasse meinen Blick über den smaragdgrünen Schluchsee schweifen. Wir haben den dritten und letzten Stopp unseres Roadtrips erreicht: den größten See des Schwarzwalds.

Vielleicht war es doch gar keine so schlechte Idee weiterzufahren, denn der Hochschwarzwald entpuppt sich als Urlaubsparadies. Und auch unser letzter Campingplatz, Camping Schluchsee, ist ein Volltreffer: komfortable Stellplätze mit Seeblick, moderne Sanitäranlagen, ein platzeigenes Restaurant, Spielplatz, Beachvolleyballfeld und, und, und. Kein Wunder, dass der 4-Sterne-Platz mit dem Qualitätssiegel familien-ferien für besonders familienfreundliche Anbieter und Angebote ausgezeichnet ist.

Top für Familien: der Hochschwarzwald mit seinen Familienattraktionen
Mit den sanften Hügeln und dichten Wäldern ist der Hochschwarzwald ein Eldorado für Wanderfans. Auch wir marschieren direkt nach unserer Ankunft den Riesenbühl hoch, erklimmern die 140 Stufen zum Aussichtsturm und bewundern von oben den malerischen Ausblick auf die Ferienregion.

Vor allem aber gibt es hier jede Menge Familienhighlights – die meisten sind mit der Hochschwarzwald-Card sogar kostenlos. Zwei von ihnen stehen für den morgigen, letzten Urlaubstag auf unserem Programm: das Erlebnis-Freibad Aquafun sowie der Spaßpark Hochschwarzwald, wo wir uns bei Fußballgolf, Bubble-Soccer und auf der Tubing-Bahn so richtig auspowern wollen.

Unbedingt empfehlenswert: ein Camper-Roadtrip mit der Familie
Aber das kann bis morgen warten. Erstmal genießen wir den Schluchsee, der sogar noch ein bisschen wärmer wirkt als Thunersee und Bodensee. Mein Mann schwimmt auf den See hinaus, die Kinder haben einen flachen Felsen im Wasser erklommen. Zeit für mich! Ich strecke mich auf dem schmalen Sandstreifen aus, beobachte einen Bussard, der am Himmel seine Kreise zieht. Und wieder durchrieselt mich so ein Urlaubsgefühl von Glück und Leichtigkeit.

Jan hatte recht – dieser Urlaub ist wirklich ein Familienabenteuer, mitten in der Natur und voller schöner Familienmomente. Klar sind wir uns in den letzten Tagen in unserem Familien-Hannes auf die Pelle gerückt – aber es stört nicht. Ganz im Gegenteil: Irgendwie macht es die Familienzeit noch intensiver.

Ob sich so Freiheit anfühlt? Vielleicht müsste man sich dafür noch mehr treiben lassen, wildcampen, vielleicht einen längeren Urlaub unternehmen. „Beim nächsten Mal“, denke ich zufrieden. Denn ein nächstes Mal wird es geben. Auf jeden Fall!














