Familienurlaub in Portugal: Wo die wilden Wellen wohnen

-

200 Kilometer Küste und fast 100 Strände: Die Algarve ist ein echtes Badeparadies. Wer die richtigen Ecken und Strände kennt, kann hier wunderbare Familienferien verleben.

Sonne und Strand – das ergibt zusammen einen wunderbaren Familienurlaub. Das ist ein Gesetz, tausendfach, nein, millionenfach überprüft. „Man kann mit Portugal gar nicht falsch liegen“, hatte mein Mann argumentiert, „da scheint nämlich ununterbrochen die Sonne und es gibt Strände in Hülle und Fülle.“  

Ein Strand wie aus einem Urlaubsprospekt: der Amado Beach

Andererseits: Die Algarve soll ziemlich voll sein. Handtuch an Handtuch schmoren die Urlauber an den Stränden, heißt es, „und da sollen wir hinfahren?“ Mein Mann hatte abgewunken, wie Männer gern mal abwinken. „Ich kenne mich da aus“, hatte er gesagt und von der Algarve geschwärmt und dem benachbarten Landstrich, dem Alentejo. Monate später steuern wir einen jener Strände der Algarve an, heiße, salzige Luft strömt ins Wageninnere, Johannisbrotbäume flitzen am Fenster vorbei, „ich höre das Meer rauschen!“, freut sich mein Jüngster. Und seine Schwester stellt die Frage aller Fragen: „Wann sind wir da?“

Portugals Strände sind wie geschaffen für die ersten Versuche auf Brettern

Fast 100 Strände auf 200 Küstenkilometer

Portugals Algarve macht die Antwort leicht, denn: Der nächste Strand ist nie weit entfernt. Insgesamt 95 sandige Abschnitte verteilen sich auf die 200 Kilometer Küstenlinie, einer davon: die Praia da Marinha ganz in der Nähe unseres Feriendomizils in Carvoeiro.

Eine absolute Traumbucht: die Praia de Marinha

Zwei sandige Nischen, die eingerahmt sind von hochhaushohen Felswänden. Kleine Wellen schwappen auf goldgelben Sand. Wir sehen Fische auseinanderstieben, sammeln Muscheln und planschen stundenlang im erfrischenden Meer.

Toll für Eltern und Kinder: Strände mit Puderzuckersand

„Hier könnte man Wochen bleiben und jeden Tag einen anderen, schönen Strand entdecken“, sagt mein Mann ein paar Tage später, während wir eine von Pinien gesäumte Küstenstraße entlang fahren. Am Ende einer jeden Abbiegung Richtung Küste verstecken sich kleine hellsandige Buchten, die von steilen, ockergelben Felsen eingerahmt sind und allesamt mit feinstem Puderzuckersand auftrumpfen. Wir leihen ein Tretboot, tuckern aufs Meer hinaus. Und verspeisen später Sardinen mit Zitronen und zum Nachtisch Pastéis de Nata, portugiesische Vanille-Puddingtörtchen.

Quietschgelbe Tretboote vor ockergelben Felswänden: die Praia de Marinha

Doch die Algarve hat noch weit mehr zu bieten als nur Sonne und Strand. Ihr Hinterland zum Beispiel, grünes Dickicht, in dem reife Feigen von den Zweigen baumeln und frische Minze wächst, Rosmarin und Curry.

Zum Bleiben schön: Sagres im Westen der Algarve

Kleine Fischerorte, in denen meine Söhne angeln. Städte wie Portimão mit seinen steinalten Mosaikfassaden und Läden, in denen wir endlich Bretter zum Bodysurfen ergattern. Und auch Sagres am südwestlichsten Punkt des europäischen Festlands.

Das Alentejo: wild und wunderschön

Das benachbarte Alentejo gilt als die wilde Ecke Portugals. Während sich an der Algarve Urlauber an den Stränden drängen, scheinen die sandigen Streifen des Alentejo nahezu endlos und oft menschenleer. Unablässig rollen hier schäumende Atlantikwellen an Land. Draußen klammern sich Surfer in Neoprenanzügen an ihre Bretter, bereit, die nächste Welle zu nehmen. Hier hat der Massentourismus noch nicht Fuß gefasst, hier stehen keine Bettenburgen. Stattdessen breiten sich Wälder von Pinien aus und Korkeichen, für die dieser Landstrich bekannt ist. 

Strand soweit das Auge reicht: hier der Strand bei Sines im Alentejo

Unter den Korkherstellern nimmt Portugal weltweit den ersten Platz ein, erzählt Luís Dias mir eines Abends, fast 200.000 Tonnen Kork werden hier jährlich abgebaut. Wie? „Das ist eine komplizierte Angelegenheit“, sagt Dias, der selbst auf 800 Hektar Land Korkeichen bewirtschaftet. „Man schält den Kork vorsichtig vom Stamm, markiert anschließend den Baum. Und muss dann ungefähr wieder ein Jahrzehnt bis zur nächsten Ernte warten.“

Mühsam und zeitraubend: der Korkanbau

„Kork anzubauen ist eine zeitraubende Angelegenheit“, sagt Luís Dias, der gemeinsam mit seiner Frau nebenbei noch eine Herde Schafe hält und ein paar zauberhafte Zimmer vermietet. Und wenn sie Feierabend haben?


Gehen die beiden an die Strände ganz in den Nähe, am allerliebsten an den von Alberta Nova. Oder an den Praia do Amado, den Praia da Cordoama und den Praia de Castelejo, allesamt Strände, an die die Atlantikwellen grün-weiß krachen und an denen meine Kinder ihre ersten Lektionen im Wellenreiten lernen.

Wilde Wellen – dafür ist Portugals Küste bekannt

Urlaubsalltag: schwimmen, surfen, Krebse fangen

„Das ist voll cool“, japsen sie jedes Mal, wenn sie prustend aus dem Wasser stapfen. „Hier ist das Meer richtig wild“, meint meine Tochter, schnappt sich ihr Brett und ist wieder im weißen Schaum der großen Wellen verschwunden.

Pflichtprogramm an dieser Küste: eine Delfintour

Mein Jüngster fängt währenddessen Krebse. Und ich? Lese, dass wir auf jeden Fall noch eine Delfinausfahrt machen müssen, einen Ausflug in den Parque Natural do Sudoeste Alentejano Costa Vicentina, in dem mehr Störche nisten sollen als irgendwo sonst auf der Welt. Eine Tour durch die Grotten von Lagos und einen Ausflug zum Cabo de San Vicente.

Am Cabo de San Vicente stürzt Europa endgültig ins Meer. Gewaltig tobt der Atlantik zu unseren Füßen. „Können wir noch mal baden gehen?“, betteln die Kinder, „noch ein paar Wellen reiten und Krebse fangen?“ Wir nicken still. Denn wie hat Oscar Wilde gesagt? Der beste Weg, Kinder zu erziehen, besteht darin, sie glücklich zu machen.

Die Praia da Marinha ist ein Bilderbuchstrand nahe Carvoeiro

Das könnte dich auch interessieren

Kommentar verfassen

Instagram

Meistgelesene Artikel