Die Mecklenburgische Seenplatte: top Reiseziel für Familien

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Mehr als 1.000 Seen, kleine malerische Städte und viele Burgen und Schlösser – das ist die Mecklenburgische Seenplatte. Unsere Autorin Kirsten Düspohl hat das norddeutsche Seenland erkundet. Ihr Fazit: ein 1A-Urlaubsziel für Familien!

Warum muss es eigentlich immer ein Urlaub am Meer sein? Schon früh hatten wir im letzten Jahr beschlossen, das große Wasser gegen viele kleine Gewässer einzutauschen und die Mecklenburgische Seenplatte anzusteuern. „Und was gibt es da?“, fragte unsere Tochter Jette (7) damals während der Urlaubsplanung. Gute Frage. Seen und viel Natur vermutlich – so zumindest lautete unsere Prognose, denn ehrlich gesagt ist diese Region Mecklenburg-Vorpommern absolutes Neuland für uns.

Kleine, von hohem Schilf umgebene Badebuchten sind typisch für den Wangnitzsee ©Kirsten Düspohl

Bereits nach dem ersten Urlaubstag wissen wir, dass wir mit dieser Vermutung viel zu tief gestapelt haben. Denn die Mecklenburger Seenplatte ist weit mehr als das. Klar, diese Gegend ist vor allem für die vielen kleinen und großen Seen bekannt. Aber mindestens genauso beeindruckend sind die charmanten Kleinstädte und die malerische Natur mit ihren Alleen, dichten Wäldern und leuchtenden Korn- und Rapsfeldern.

Familienurlaub mitten in der Natur

Die Mecklenburgische Seenplatte besteht aus mehr als 1.000 Seen ©tronixAS/stock.adobe.com

„Der Boden ist ganz schön glitschig“, kreischt unser Jüngster Tom (4), als er die ersten vorsichtigen Schritte in den Wangnitzsee wagt. Ich lasse meine Blicke etwas ängstlich über das üppig wuchernde Schilf wandern. Ob es hier wohl Wasserschlangen gibt? Ich schiebe den Gedanken beiseite und folge meiner Familie ins Wasser. Erst später am Abend wird mir unsere sympathische Vermieterin verraten, dass Schlangen hier ebenso zuhause sind wie Otter und Sumpfschildkröten. „Aber die haben Angst vor euch und nehmen sofort Reißaus“, beruhigt sie mich. Sie scheint recht zu haben, denn außer ein paar kleinen Fischen, schnatternden Enten und hoch am Himmel kreisenden Greifvögeln werden wir in den nächsten Tagen keine Tiere zu Gesicht bekommen.

Die Mecklenburgische Seenplatte – mehr als ein Planschparadies

Herrlich warm, ein flacher Einstieg und kein Wellengang: Die Seen sind perfekt für Kinder ©Kirsten Düspohl

Wie viele der Seen hier trumpft auch der Wangnitzsee mit einer postkartenschönen Naturkulisse auf. Den haben wir von unserem Ferienhaus aus im Blick: Es steht auf einem kleinen Campingplatz und liegt nur ein paar Meter vom Ufer entfernt. Das ist hier, im Südosten der Mecklenburgischen Seenplatte, durchaus bezahlbar. Ein weiteres Plus: Hier geht es deutlich ruhiger zu als in den bekannteren Touristenmagneten wie Waren an der Müritz, Neustrelitz oder Röbel. Für uns genau das richtige: Die Kinder haben viel Platz zum Toben, und andere Seen und Städte sind in wenigen Autominuten erreichbar.

Unser erstes Ausflugsziel liegt nur 20 Kilometer entfernt: das kleine Städtchen Wesenberg. Ein kleiner Marktplatz, ein paar Geschäfte und Restaurants und eine Burg. Doch das weiß getünchte Gebäude mit roten Dachziegeln erinnert eher an ein Herrenhaus als an eine Burg. Einzig die Reste der alten Burgmauer und der angrenzende Fangelturm deuten auf das Mittelalter hin. „Können wir da rauf?“, fragt Jette und zeigt auf den Bergfried. Das machen wir – und genießen einige Treppenstufen später den traumhaften Ausblick auf die Stadt und den Woblitzsee.

Mehr Herrenhaus als Burg: Burg Wesenberg ©Kirsten Düspohl

Burg Stargard – eine Burg wie aus dem Bilderbuch

Die Kinder sind auf den Geschmack gekommen und möchten gern weitere Burgen sehen, „aber richtige wie aus dem Mittelalter“. Kein Problem, denn Burgen und Schlösser gibt es in dieser Region zuhauf. Wir fahren Richtung Nordwesten zur Burg Stargard. Diese im 13. Jahrhundert erbaute Anlage ist eine Burg wie aus dem Bilderbuch.

Absolut empfehlenswert: Die mittealterliche Burg Stargard ist das älteste weltliche Bauwerk Mecklenburg-Vorpommerns ©Kirsten Düspohl

„Gibt es hier einen Kerker?“, will Tom wissen. Gibt es – und nicht nur den! Neben dem Gefangenenhaus entdecken wir noch die Burgkapelle, den Bergfried und den sogenannte Damenflügel. „Meinst du, hier hat das Burgfräulein gewohnt?“, fragt Jette und schreitet gleich burgfräuleingleich durch das rot verklinkerte Gemäuer.

Das Burgfest findet einmal jährlich auf Burg Stargard statt und ist ein echtes Highlight ©Kirsten Düspohl

Zufällig findet heute ein Fest im Burgpark statt, und so gehen wir beim Armbrustschießen und Ritterspielen auf Zeitreise. „Besucht uns mal wieder“, verabschiedet uns ein Gaukler einige Stunden später und gibt uns den Tipp, noch einen Abstecher zur nahegelegenen Sommerrodelbahn zu unternehmen.

Auch an den nächsten Urlaubstagen geht es richtig herrschaftlich zu. Wir besuchen das aufwendig restaurierte Schloss Rheinsberg am Ostufer des Grienericksees (unser Tipp: Leiht den Audioguide für Kinder aus!) und die Schlossinsel in Mirow. Besonders schön: die Schlossanlage und der große Schlosspark mit wild verzweigten Wegen und einer romantischen Liebesinsel. 

Ein Spaß für die ganze Familie: eine Kanutour ab Fürstenberg

Am letzten Urlaubstag strahlt die Sonne vom sommerblauen Himmel. „Heute dürft ihr das Programm bestimmen“, schlagen mein Mann und ich beim Frühstück vor. Nach kurzer Überlegung steht fest: Tom möchte am Strand noch eine riesengroße Burganlage bauen und Jette eine Bootstour machen. Letztere starten wir im benachbarten Städtchen Fürstenberg, das dank durchfließender Havel und einiger Seen den Beinamen „Wasserstadt“ trägt.

Alle Mann an Bord: Eine Kanutour ist ein Riesenspaß für die ganze Familie ©Kirsten Düspohl

Schnell merken wir, dass wir den perfekten Ort für eine Kanutour ausgewählt haben, denn auf der Strecke müssen wir zuerst eine Schleuse passieren (ganz schön aufregend zwischen den vielen anderen Schiffen) und dürfen anschließend eine Kanurutsche hinuntersausen. „Nochmal“, rufen Jette und Tom unisono. Aber Pech gehabt! Denn eine Wiederholung würde voraussetzen, dass wir die Rundtour noch einmal paddeln – und dafür fehlt uns allen die Kraft.

Fast so schön wie die echten Burgen der Mecklenburgischen Seenplatte, oder? ©Kirsten Düspohl

Außerdem steht ja noch der zweite Punkt auf unserer To-do-Liste. Gemeinsam bauen wir die bestimmt größte Burganlage, die die Enten des Wangnitzsees jemals gesehen haben und stürzen uns anschließend noch einmal ins erfrischende Nass. Dass der Boden am Grund des Sees manchmal etwas glitschig ist, stört die Kids schon lange nicht mehr.

Beim abendlichen Stockbrotrösten an der Feuerschale vor unserem Ferienhaus sind wir einstimmig der Meinung, dass die Seenplatte alles zu bieten hat, was man für einen erholsamen, abwechslungsreichen Urlaub benötigt. „Eigentlich verrückt, dass wir vorher noch nie hier waren“, sind wir selbst ein bisschen erstaunt. Denn seltsamerweise scheint diese Region immer noch sowas wie ein Geheimtipp für Urlaub in Deutschland zu sein …

Ein Highlight für die Kids: Stockbrot zum Abendessen ©Kirsten Düspohl

Kirsten Düspohl wuchs dort auf, wo andere Urlaub machen: in einem kleinen Ostseebad in Schleswig-Holstein. Inzwischen lebt sie seit mehr als zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Hamburg. Die selbstständige Texterin und Redakteurin schreibt für verschiedene Werbeagenturen, Stiftungen sowie Blogs und Online-Portale.

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