Ich habe einen Logenplatz. Vor mir erhebt sich die gewaltige Fassade von Notre-Dame in den sommerblauen Himmel. Touristinnen und Touristen aus aller Welt flanieren vor meiner Nase hin und her. Und ich kann in aller Ruhe Evas Sündenfall studieren, der ins steinerne Portal gehämmert ist, und danach eine ganze Reihe Heiliger, die ich nicht kenne. Nur ein Souvinirhändler stört regelmäßig und preist hartnäckig seine goldenen Eiffeltürme und Triumpfbögen in Miniformat an.

„Non merci“, sage ich, schüttele verneinend den Kopf und entspanne, denke an die dunklen Emporen im Inneren von Notre-Dame, an den Altar, an die bunten Kirchenfenster, die Nora eben so sehr begeistert haben… „Die Kinder!“, fällt es mir da siedendheiß ein. Für einen Moment hatte ich sie vergessen. Hatte über diese schöne Kathedrale versäumt, die versprochenen Baguettes zu schmieren. Und habe offenbar auch nicht gesehen, dass sie den Ball aus dem Buggy gefischt und ein kleines Fußballmatch eröffnet haben – hier, auf dem Platz vor Frankreichs berühmtester Kirche. Meine Blicke wandern verstohlen hin und her. Ob das erlaubt ist?
Paris mit Kindern: Eine gute Idee?
Und: Ob das gut gehen wird? Eine berechtigte Frage, wenn man plant, Paris (Frankreich) mit Kindern zu erkunden, mit vier Kindern! Doch wir haben nicht vor, von morgens bis abends durch den Louvre zu streifen oder ein Highlight nach dem anderen abzuhaken. Wir wollen Paris in kinderfreundlichen Happen entdecken. Pausen im Grünen einlegen. Uns Zeit lassen.
Jetzt, am ersten Nachmittag, fällt unsere Wahl auf eine idyllische Wiese an den Ufern der Seine, mit dabei: Eis, Getränke, Bälle und mehr. Und merken: Das funktioniert erstaunlich gut.

„Was unternehmen wir heute?“, fragen mein Ältester und sein Cousin am nächsten Morgen beim Frühstück. Ihre Stimmung scheint freundlich und unternehmungslustig. Ich atme heimlich auf. „Was meint ihr?“, frage ich zurück. „Wollen wir mit dem Schiff fahren oder ins größte Museum der Welt? Möchtet ihr Paris per Bus erkunden oder lieber gleich rauf auf den Eiffelturm? Wir einigen uns auf einen Ausflug in das Pariser Vergnügungsviertel Montmartre – mit dem Moulin Rouge, der wohl berühmtesten Windmühle der Welt, und dem Wahrzeichen des Viertels, der Basilika Sacré-Cœur.

„Der kann ja toll malen!“, lobt mein Jüngster einen der Straßen-Künstler auf dem Place du Tertre, der gerade die schneeweiße Zuckerbäckerkirche, wie Sacré-Cœur gern genannt wird, abzeichnet. Wir lauschen den Klängen internationaler Musikanten, erklimmen die 237 Treppenstufen hinauf zur Basilika. Lassen uns bunte Armbänder knoten und unsere Blicke über Paris wandern, „das von hier ganz klein wirkt“, wie meine Tochter findet. „Aber jetzt habe ich Hunger!“
Picknick statt Restaurant: So bleibt Paris familienfreundlich
Wir wussten von Anfang an: Wir können nicht jeden Tag mit den Kindern essen gehen. Selbst für ein einfaches Menü ohne Wein muss man mit 30 Euro rechnen, verrieten unsere Recherchen. Aber, so habe ich irgendwo gelesen, es gibt eine Menge Asia-Restaurants und Pizzerien, die Essen zum Mitnehmen anbieten. Also machen wir unsere Picknicks zu unserem Paris-Ritual: auf Wiesen und Plätzen, gern mit Blick auf Wahrzeichen.

Am nächsten Tag sitzen wir oben im offenen Doppeldeckerbus. Der Fahrtwind wirkt wie eine kleine Erholungskur. „Der Triumphbogen wurde von Napoléon in Auftrag gegeben, er wollte damit seine Macht demonstrieren!“, erkläre ich den Kindern. „Wer ist Napoléon?“ wollen die beiden Kleineren wissen. So zieht Paris an uns vorbei – bis irgendwann der Eiffelturm auftaucht und niemand widerstehen kann.
Paris per Bus und Metro: Entspannt unterwegs mit Kindern
Ein Teil der Familie nimmt den Fahrstuhl, der Rest will das 300 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt per Treppe erklimmen. Wer wird erster sein? Spiele lassen sich überall spielen, stellen wir in der Woche in Paris fest. Ob auf dem Eiffelturm oder auf der Wiese zu seinen eisernen Füßen, vor der berühmten Sacré-Cœur und sogar auf dem riesigen Platz vor dem Louvre. Noch am Abend fachsimpeln wir alle zusammen über Konstruktion und Optik des Eiffelturms. „Ob der Turm wohl auch umfallen kann?“, fragt jemand in die Runde. Und ich? Lausche den Kindern, wie sie über die Weltstadt Paris plaudern und sich begeistern können. Und weiß schon jetzt: Kinder und Kultur passen wunderbar unter einen Hut!
Natürlich ist nicht immer alles gut. Am nächsten Abend reicht das beim Asia-Restaurant geholte Essen nicht und meine Tochter weint, weil ihre Füße sie einfach keinen Meter mehr tragen wollen. Die Jungen behaupten, sind hätten entschieden zu wenig Zeit zum Fußballspielen gehabt. Und der Jüngste ist müde, „ganz doll müde“. Aber am nächsten Morgen ist alles vergessen. Und die Kinder drängen: „Was unternehmen wir heute?“

Der Louvre mit Kindern: Warum Kultur auch Spaß machen kann
Ja – was unternehmen wir heute? „Wir gehen ins größte Museum der Welt!“, verkünden mein Mann und ich im Chor. „Zu Mona Lisa“, ergänze ich, und verteile Postkarten mit der schönen Frau drauf. Ein Brötchen lang diskutieren wir über den Wert dieses Gemäldes, ein weiteres Brötchen darüber, wie Werke wie dieses wohl vor Dieben gesichert sind. Dann brechen wir auf, um Mona Lisa in Natura zu sehen.

Wir haben den Museumspass und somit das Glück, vor dem Louvre nicht anstehen zu müssen. Schlendern durch die im Hochsommer bei weitem nicht vollen Gänge, in denen Gemälde aus aller Welt und allen Zeiten hängen. Diskutieren darüber, warum die Engel auf den Bildern bewaffnet sind. Bis wir irgendwann vor ihr stehen. Vor Leonardo da Vincis Mona Lisa. Und die Kinder sogar an der Absperrung vorbei und ganz nah ran dürfen.

Unser Fazit: Paris mit Kindern – überraschend entspannt
„Hmmm“, runzeln sie später unisono die Stirn, und sprechen aus, was sich wahrscheinlich schon manche Menschen vor ihnen gefragt haben. „Warum ist gerade dieses Bild so wertvoll und nicht eines der anderen?“ Wir sitzen auf dem Platz zwischen den Flügeln des Le Grand Louvre und diskutieren über Kunst und ihre Werte, über Kunstdiebe und ihre Methoden. Bis die Kinder genug haben, sich den Ball aus dem Buggy schnappen und kicken – wenn auch nur für kurze Zeit. Denn hier, vor dem Louvre, sei Ballspielen verboten, wie uns die Ordnungskräfte des Louvre wenige Minuten später mitteilen.

Zwei Tage bleiben uns noch für Paris. Zwei Tage, in denen eine Bootsfahrt auf der Seine Platz finden soll und ein Besuch im berühmten Disneyland. Und in denen wir ein paar weitere berühmte Plätze auf ihre Picknicktauglichkeit hin unter die Lupe nehmen werden. „Der schönste Platz für ein Picknick ist der Platz vor der Notre-Dame!“, werden die Kinder zu Hause erzählen. Und dass Mona Lisa viel schöner sei als Disneyland. Und ich? Werde vielleicht schon Mal unseren nächsten Städte-Trip planen…













