„Mama, was bedeutet denn das Schild hier?“, Justus (8) zeigt fragend auf das Straßenschild, das an der Zufahrt zu unserer Unterkunft steht, zum Jugendgästehaus am Aasee. „Das hier ist eine Fahrradstraße“, antworte ich. Autos sind hier nur geduldet, Fahrräder haben Vorfahrt! Und Fahrräder sind in Münster wirklich überall präsent – es gibt hier sogar das größte Fahrradparkhaus Deutschlands.

Nicht nur deshalb ist Münster ideal für Familien auch mit kleinen Kindern: Es ist gemütlich und überschaubar, die meisten Menschen sind entspannt zu Fuß oder eben mit dem Drahtesel unterwegs. Wir machen uns erstmal zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt: von der Jugendherberge aus, die direkt am Ufer des Aasees liegt. So laufen wir in Richtung City – immer mit Blick auf Segelboote und schnatternde Enten.

Münster: Abwechslung pur mit kurzen Wegen
Sind ein Rathaus und Kirchen für Kinder überhaupt interessant? Aber ja – wenn es so spannende Dinge zu entdecken gibt wie hier! Das historische Rathaus liegt am schönen Prinzipalmarkt mit seinen bezaubernden Giebelhäusern. Das Haus selbst stammt aus dem 14. Jahrhundert, hier wurde 1648 über den Westfälischen Frieden verhandelt. In Sichtweite steht die berühmte Lambertikirche mit ihren Käfigen hoch oben am Turm. „Hatten die keine Höhenangst?“, fragt mein 8-Jähriger, nachdem ich erklärt habe, dass dort im Mittelalter die Wiedertäufer eingesperrt und an den Pranger gestellt wurden … Geschichte kann wirklich aufregend sein!

Das bestätigt sich auch ein paar Straßen weiter im beeindruckenden Dom: Hier hängt eine riesige Astronomische Uhr, mit deren Hilfe sich der Stand der Sterne und die Mondphasen ablesen lassen – wenn man weiß, wie. Um Punkt 12 Uhr mittags haben die Figuren ihren großen Auftritt: Die Heiligen Drei Könige erscheinen und verneigen sich vor dem Jesuskind! Ein Spektakel, das sich auf jeden Fall lohnt!

Nach einem Bummel durch die hübsche Altstadt mit ihren kleinen Gassen und Lädchen müssen sich die Kinder unbedingt austoben. „Mama, guck mal, da ist Wasser! Und da ist ein Spielplatz!“ Wir sind auf der Promenade, einer 4.500 Meter langen Ringstraße, die – natürlich auch autofrei – die Innenstadt umschließt. Gesäumt von Linden, zum Teil an der Aa entlang, können wir hier gemütlich spazieren, rennen, spielen. Auf dem Spielplatz erklimmen die Kinder erst mal die große Giraffe – „Mama, guck mal, was ich kann!“

Am Abend wandern wir noch eine kleine Runde am Ufer des Aasees entlang, essen ein Eis und schauen, wie es langsam dunkel wird. „Was machen wir morgen?“, fragt Anton, mein 5-Jähriger grinsend, der eigentlich schon weiß, was für den nächsten Tag ansteht und sich „tierisch“ freut.
Ein kleines Abenteuer: Mit dem Wasserbus über den Aasee
Am nächsten Tag geht es nach einem leckeren Frühstück gleich los. Münster ist eine Stadt der kurzen Wege, so stehen wir nach einem fünfminütigen Spaziergang an der Haltestelle des Wasserbusses „Solaaris“: „Das soll ein Bus sein? Das ist doch ein Boot!“, meinen die Kinder. Na klar ist das ein Boot, aber das solarbetriebene Schiffchen dient als öffentliches Verkehrsmittel auf dem Aasee und verbindet die Innenstadt mit den Freizeitzielen im Außenbereich. Und da wollen wir jetzt hin.

„Alle einsteigen, die Fahrt geht los!“ Aufgeregt lehnen die Jungs an der Reling. „Mama, das sieht hier ja aus wie im Dschungel!“, ruft Anton, als wir uns nach etwa 20 Minuten der Endhaltestelle nähern, und „Mama! Ich habe Tiere gesehen!“ Kein Wunder, denn hier erwartet uns das nächste Highlight unseres Wochenendtrips: der Allwetterzoo!
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Die überdachten Rundgänge im Münsteraner Allwetterzoo verbinden die großen Tierhäuser miteinander und geben ihm seinen Namen, doch wir haben Glück, heute scheint die Sonne! Wir starten unseren Besuch bei meinen Lieblingstieren: den Tapiren in der Meranti-Halle! Hier fühlt man sich wirklich wie in den Tropen – „Ganz schön heiß!“, sagt Anton (5), bevor er schon seinem Bruder hinterherflitzt und mit ihm die große Aussichtsbrücke hochklettert: „Von hier aus kann man die ganze Halle sehen!“, rufen die beiden zu mir runter.

Der Allwetterzoo wird durchzogen von einem fünf Kilometer langen Wegenetz, das uns durch die verschiedenen Klimazonen führt. Wir besuchen Giraffen und Löwen in der subtropischen Zone, beobachten spielende Orang-Utans und raufende Gorillas, staunen im Robbenhaven über die Kunststücke der dressierten Robben. Am süßesten finden wir alle die Roten Pandas, die wir schon vom Boot aus gesehen haben! Für Pferdefreunde ist das Westfälische Pferdemuseum im Zoo besonders zu empfehlen: Auf 1.000 Quadratmetern dreht sich hier alles um die beliebten Huftiere, und im Hippomaxx finden regelmäßig Pferdeshows statt. Viel zu schnell ist unser Zootag zu Ende!

Dinos und Weltraum – perfekt für Kinder!
Der dritte Tag in Münster ist auch schon unser letzter. „Müssen wir wirklich schon nach Hause?“, fragt Anton bedauernd beim Frühstück. „Leider ja, aber vorher wartet noch eine tolle Überraschung auf euch!“, verspreche ich. Direkt neben dem Allwetterzoo liegt das LWL-Museum für Naturkunde, das Anton jetzt auch entdeckt hat: „Mama! Da sind ja zwei Triceratopse!“ Der Dino-Fan ist völlig aus dem Häuschen, als er die großen Figuren auf dem Museumsvorplatz entdeckt. „Gehen wir da jetzt wirklich rein?“

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster ist deutschlandweit das einzige Naturkundemuseum mit einem Großplanetarium – das heißt, auch der große Bruder, der sich weniger für die Urzeit, aber umso mehr für das Weltall interessiert, wird hier auf seine Kosten kommen. Die Kinder stürmen die Treppe hinunter, um die erste Mitmachstation auszuprobieren: „Ey, guck mal, was ich machen kann!“: An einer Augmented Reality Sandbox schaufeln die beiden begeistert Sandhaufen von einer Seite zur anderen, bilden kleine Seen und Gebirge. Hier kann man Geographie hautnah erleben, denn in Sekundenschnelle werden die analog erstellten Sandformen mit Höhenlinien und einer Farbskala versehen. Die Jungs sind kaum von der Sandkiste loszueisen! Doch eigentlich sind wir ja wegen etwas anderem hier …

Die Urzeit lebt: Museumsabenteuer für die ganze Familie
Hauptattraktion sind hier natürlich die Dinosaurier: „Guck, da ist ein Allosaurus!“ Wisst ihr, was der Unterschied zwischen Allosaurus- und Tyrannosauruszähnen ist und wie die beiden Urzeitriesen ihre Beute fraßen? Wenn nicht: Hier im Museum werdet ihr es erfahren! Wir bestaunen die riesigen Skelette und Modelle, rätseln uns von einer Station zur anderen: Mitmachen ist hier nämlich ausdrücklich erwünscht und macht uns allen unheimlich viel Spaß!
„Jetzt müssen wir aber los“, sage ich nach einem Blick auf die Uhr: Wir haben schließlich auch eine Vorführung im Planetarium gebucht! Wir nehmen unter der großen Kuppel Platz und lehnen uns zurück – eine gigantische Kinoleinwand über uns zeigt eine speziell für Kinder entwickelte Show mit Liedern von Rolf Zuckowski.

Es geht ums Klima, Wetter und das Leben eines Wassertropfens. Gespannt verfolgen die Jungs die Geschichte und singen mit. Nach der Show machen wir noch einen Rundgang durch die aktuelle Ausstellung zum Klima. Und dann? Geht es nach Hause. Aber wir kommen sicher noch einmal wieder, denn die Fahrradstadt in Westfalen ist wirklich ein perfekter Ort für Familien. Und es gibt noch so viel mehr zu entdecken!














