Familienurlaub auf der Nordseehalbinsel Nordstrand

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Lange Deiche, witzige Ortsnamen und Halligen in Sichtweite: Die Halbinsel Nordstrand im schleswig-holsteinischen Nationalpark Wattenmeer hat weit mehr zu bieten als gute Nordseeluft und frische Krabben. Ein top Reiseziel für Familien!

Auf einen Blick!

Nordstrand liegt direkt an der Nordsee und ist selbst für Norddeutsche eine echte Entdeckung! Urlaub inklusive Wattenmeer, Ebbe und Flut, Halligen, salziger Seeluft und reichlich Natur. 
Zielgruppe Egal wie viele ihr seid und wie alt eure Kids sind – ein Nordseeurlaub geht immer und ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis. 
Highlights Eine Wattwanderung gehört zum Pflichtprogramm (tolle Führung hier), die Fährfahrt auf die Hallig Hooge ebenso (Fahrplan hier). Darüber hinaus findet unsere Autorin die Friesentorte im „Zum blauen Pesel“ unwiderstehlich. 
Übernachten Ferienhäuser gibt es reichlich, von preiswert über urig bis luxuriös (siehe hier*). Wir finden diese Unterkunft* unglaublich verlockend.

Reportage von Kirsten Düspohl

„Teee-rab“, schallt es vom Kutscherbock und Paul und Nemo, zwei norwegische Fjordpferde, zuckeln los. Ihre schwarz-weiße Mähne wippt rhythmisch im Takt, die Hufe versinken tief im Schlick des Wattenmeers und schleudern ein paar Schlammspritzer in Richtung unseres Kutschwagens. Vor uns die scheinbar unendliche Weite des Watts, hinter uns der grüne Deich Nordfrieslands und über uns ein wolkenverhangener Himmel mit einer Handvoll kreischender Möwen. „Schaut mal, da ganz hinten kann man schon die Hallig sehen“, ruft unser Jüngster, Tom (9), und zeigt am Horizont auf einen kleinen Hügel mit zwei reetgedeckten Häusern. Aber noch trennen uns sieben Kilometer Wattlandschaft mit zahlreichen Prielen und vielen, vielen Sandspaghettihäufchen von der Hallig Südfall, unserem heutigen Ausflugsziel.

Sieben Kilometer Wattlandschaft liegen zwischen Nordstrand und der Hallig Südfall ©Kirsten Düspohl

Ein Highlight für Familien: Reinschnuppern ins Halligleben

Die 56 Hektar große Marschinsel liegt vor der schleswig-holsteinischen Nordseeküste und mitten im Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Abhängig von den Gezeiten wird sie einmal am Tag von den drei Kutschen des „Wattenkutschers“ angesteuert. Abfahrtsort ist die Halbinsel Nordstrand, auf der wir mit meiner Familie für eine Woche Nordseeurlaub machen. „Auf Südfall leben nur meine Eltern. Als Pächter kümmern sie sich um den Erhalt der Hallig – und natürlich um die vielen Tagesgäste, die mit uns oder mit einer geführten Wattwanderung vorbeikommen“, erzählt Celina, unsere sympathische Kutscherin. „Langweilig wird ihnen bei der vielen Arbeit nicht“, schmunzelt sie.

Auf der Hallig in Überzahl: Ziegen und Schafe ©Kirsten Düspohl

Tatsächlich wirken Gunda und Gonne Erichsen keinesfalls unglücklich oder einsam, als sie uns auf Südfall willkommen heißen. Es gibt selbstgebackenen Apfelkuchen, frisches Halligbrot und für uns Erwachsene Pharisäer, das „nordfriesische Nationalgetränk“. „Nach der Kutschfahrt seid ihr bei dem Wetter doch bestimmt durchgefroren – da ist so ein Kaffee mit Rum die beste Medizin“, verrät Gunda Erichsen mit einem Augenzwinkern. Und während sie uns spannende Einblicke ins Halligleben gewährt, erforschen Jette (11), Tom (9) und Cousin Tjark (9) die Umgebung und die kleineren Bewohner des Eilands: Hund Manfred, die Ziegenbabys Bibi und Tina, ein paar Meerschweinchen und natürlich jede Menge Schafe. Nach einer guten Stunde auf der Hallig geht es zurück. „Ich muss noch kurz tanken“, scherzt Celina und steckt den beiden Norwegern eine Möhre zu.


Nordstrand – Kleinod unter den nordfriesischen Inseln

Nordstrand empfängt uns mit Salzwiesen, flachem Land und langen Deichen. Auf Letzteren sind zu dieser Jahreszeit mehr umhertollende Lämmer als Touristen unterwegs. Überhaupt scheint die Halbinsel, die erst 1987 endgültig „landfest“ gemacht wurde, noch ein Geheimtipp an der nordfriesischen Küste zu sein. Deutlich trubeliger geht es im südlichen St. Peter-Ording, auf der benachbarten Insel Pellworm und natürlich auf Sylt, nur 50 km im Norden, zu. Warum Nordstrand etwas abseits der Touristenpfade liegt? Das fragen wir uns auch! Denn Nordstrand ist schön – und der perfekte (Ausgangs-)Ort für jede Menge familientaugliche Ausflüge.

Durch die Verbindung zum Festland gilt Nordstrand als Halbinsel ©Kirsten Düspohl

Das Wattenmeer – Nationalpark und UNESCO-Welterbe

Wer Urlaub an der Nordsee macht, darf das Watt nicht nur von der Kutsche aus bestaunen. Also brechen wir am nächsten Morgen in aller Frühe zu einer Wattwanderung auf. In Fuhlehörn im Westen der Halbinsel treffen wir auf Christine Dethleffsen. Die erfahrene Nationalpark-Wattführerin erklärt uns, dass das Watt weit mehr ist als nur ein bisschen Schlamm und Wasser. „Der ganze Kreislauf der Natur zeigt sich im Watt“, berichtet sie, zeigt uns Kieselalgen, Wattschnecken und die verlassenen Eiballen der Wellhornschnecken, die wie flauschige Badeschwämme aussehen. Selbst einen Seeringelwurm und einen Wattwurm fördert sie mit einer Forke zutage.

Wattführerin Christine Dethleffsen weiß, was im Watt los ist ©Kirsten Düspohl

„Wattwürmer sind clever. Sie können im Laufe ihres Lebens 30 Mal ihre Schwanzspitze abwerfen, um hungrigen Möwen zu entkommen“, weiß die gebürtige Nordstranderin. Und auch sonst kennt sie das Watt und seine Tiere in- und auswendig. Die Kinder fragen sie Löcher in den Bauch: Was hat es mit den gekringelten Sandhäufchen auf sich? Wie lange lebt ein Wattwurm? Welche Zugvögel kommen her? Wie häufig gibt es Sturmfluten? Auf alles weiß die Wattführerin und ehrenamtliche Vogelwärterin die Antwort. Und so gehen wir nach der Wanderung mit schlammverschmutzen Gummistiefeln und dem Kopf voller Antworten zurück zum Deich.

Nordstrand: perfekt zum Inlinern

„Wer kommt noch mit nach England?“, frage ich später in die Runde. Irritierte Gesichter. Mit einem Schmunzeln erkläre ich, dass es auf Nordstrand ein Dorf namens England gibt. Ohne Pub oder Queen, aber dafür mit alten Reetdachhäusern, Friesenwällen und knallgelben Rapsfeldern. Und dieser Ortsname ist nicht der einzige, der für Verwunderung sorgt. Auch Westen, Süden, Oben und Kamerun sind auf Nordstrand in greifbarer Nähe. Jette, Tom und Tjark beenden ihr Hüpfvergnügen auf dem Trampolin und schnallen sich ihre Inliner unter. Gemeinsam düsen wir von England bis nach Kamerun, einem Campingplatz im Örtchen Süderhafen.

Schnurgerade und ebene Wege, wie geschaffen zum Inlinern ©Kirsten Düspohl

„Möchtet ihr frische Krabben haben?“, fragt uns unsere Vermieterin bei der Rückkehr. „Mein Mann ist gerade mit dem Fischerboot zurück.“ Klar wollen wir! Und so lernen wir nicht nur, wie man richtig Krabben pult, sondern auch, dass sie frisch vom Kutter viel besser schmecken als die gekauften und teuer verschifften Krabben aus dem Discounter. „Jetzt weiß ich, warum die sonst so viel kosten. Das ist ja eine Wahnsinns-Arbeit“, lacht meine Schwester und schaut auf unser mickriges Krabbenhäufchen – das Ergebnis einer ganzen Stunde Arbeit. „Na, die müssen wir aber so richtig genießen“, sagt Jette und stibitzt sich eine.

Von einem Kilogramm Nordseekrabben bleiben nach dem Pulen gerade mal 300 Gramm Krabbenfleisch übrig ©Kirsten Düspohl

Familien-Ziel Nordstrand: wild und schön

Am nächsten Tag reißt endlich mal der Himmel auf: perfektes Wanderwetter. Etwas nördlich von Nordstrand liegt das Naturschutzgebiet „Beltringharder Koog“. Von der Badestelle Lüttmoorsiel aus umrunden wir über Deiche und Wiesen den malerisch gelegenen Lüttmoorsee. Zugegeben, die 14 Kilometer sind mit Kindern nicht ganz ohne.

Ein beeindruckendes Naturschutzgebiet: der Beltringharder Koog  ©Kirsten Düspohl

Aber Jette, Tom und Tjark machen super mit und werden – ebenso wie wir Großen – mit einem beeindruckenden Naturspektakel belohnt: Auf dem schmalen Deich zwischen Meer und See steigen plötzlich riesige Schwärme an Graugänsen, Nonnengänsen und Regenpfeifern in die Lüfte. „Das sind ja Hunderte“, ruft Tjark lachend gegen das laute Vogelgezwitscher an.

Hallig Hooge – nordfriesisches Bullerbü

Noch weit mehr Wildgänse und jede Menge Austernfischer sehen wir am letzten Tag unseres Urlaubs. Der Adler-Express bringt uns von Nordstrand zur Hallig Hooge, mit rund 5,6 Quadratkilometern die zweitgrößte der zehn Halligen im nordfriesischen Wattenmeer.

Die 25 Meter lange MS Adler II Baujahr 1971 bringt die Autorenfamilie nach Hallig Hooge ©Kirsten Düspohl

Hallig Hooge versprüht nostalgischen Bullerbü-Charme. Auf den zehn bewohnten Warften, so heißen die künstlich aufgeschütteten Hügel, die die Bewohner vor „Land unter“ schützen, leben gut 100 Menschen. Es gibt eine kleine Halligschule mit einer Lehrerin und zwölf Schülerinnen und Schülern, drei Restaurants und eine niedliche kleine Kirche. „Guckt mal, das ist auf Plattdeutsch geschrieben“, sagt Tom und zeigt auf das „Vaterunser“ im Kirchenschiff. Auch auf den Grabsteinen des kleinen Friedhofs findet sich die fast vergessene, niederdeutsche Sprache. So ein bisschen fühlt man sich zurückversetzt in vergangene Zeiten und abgeschnitten vom Rest der Welt.

Wer einmal rund um die Hallig Hooge geht, ist 12 Kilometer unterwegs ©Kirsten Düspohl

„Ein tolles Gefühl – zumindest für einen Tag“, denke ich und erfreue mich an dieser faszinierenden Abgeschiedenheit, die noch dadurch verstärkt wird, dass unser Aufenthalt hier fahrplanbedingt acht Stunden dauert. Richtig viel Zeit, wenn man bedenkt, dass die Hallig außer der beeindruckenden Naturkulisse mit saftig grünen Wiesen, kleinen Flüsschen und hellen Muschelstränden nicht viel zu bieten hat.

Entschleunigend für Eltern und Kinder: ein Tag auf der Hallig Hooge

Um das komplette Eiland zu Fuß zu umrunden, brauchen wir gut vier Stunden. Und so lassen wir es ganz entspannt angehen, erkunden in aller Ruhe den Spielplatz am Seglerhafen und schlendern über die Hanswarft mit kleinen Souvenirläden, einem Heimat- und Halligmuseum und dem „Königspesel“, dem alten Kapitänshaus aus dem 18. Jahrhundert. Auf der Backenswarft kehren wir im „Blauen Pesel“ ein, eine gemütliche kleine Teestube in einem wunderschönen alten Reetdachhaus. Hier kosten wir die zweite Spezialität der Region: hausgemachte Friesentorte – stilecht serviert auf blau-weißem Friesengeschirr. Ein Gedicht!

Selbst gebacken und superlecker: der Kuchen im Hallig-Café „Zum blauen Pesel“ ©Kirsten Düspohl

Ich lasse mir die Pflaumenmarmelade auf der Zunge zergehen und erinnere mich an die Worte von Gunda Erichsen. Sie hatte auf Südfall erzählt, dass auf einer Hallig nur glücklich sein kann, wer mit sich und dem Leben im Reinen ist. Glücklich und wunderbar entspannt sind wir nach dieser Woche auf jeden Fall. „Es braucht gar nicht viel, um einen tollen Urlaub mit Kindern zu erleben“, denke ich, „nur ganz viel Natur, frische Nordseeluft und Zeit im Überfluss.“

Was für eine Weite! Das beeindruckt sogar Jette, Tom und Tjark ©Kirsten Düspohl

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