Dänemark: Familienurlaub auf der Nordsee-Insel Rømø

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Rømø liegt nur einen Steinwurf von Sylt entfernt und ist doch ganz anders. Natürlich und schön – und wie geschaffen für einen Familienurlaub.

Wäre Rømø ein Mensch, denke ich still, dann wäre es wahrscheinlich eine Dame vom Lande, grundsolide, sportlich, aufgeschlossen. Sie würde wert legen auf gute Ernährung, wahrscheinlich Krabben essen, die, für die Rømø bekannt ist. Ob sie Austern verschmähen würde? Wir sind seit 48 Stunden hier, und ich denke über das Wattenmeer-Eiland nach, auf dem wir diesen Urlaub verbringen. Nein, schießt es mir durch den Kopf: Austern würde sie wahrscheinlich verschmähen, Austern schmecken zu sehr nach Sylt.

Rømø ist ganz anders als Sylt

Rømø. Zwar liegt die dänische Insel gerade mal zwei Kilometer nördlich von Sylt, dennoch ist sie ganz anders. Grundsolide eben. Eine Insel, platt wie eine Flunder und eine Spur struppig.

Zauberhafte Reetdachhäuser gibt es viele auf Rømø

Die Häuser stehen kreuz und quer über das Eiland verteilt, hier ein paar und dort ein paar, wahre Prachtstücke darunter, das schon. Aber sonst? Kein Schickimicki, keine edlen Fischrestaurants, keine Clubs. Stattdessen: Wind, Wasser und Wellen. Horizont und Himmel.

Als wir vor zwei Tagen über den Damm auf die Insel fuhren, der Rømø mit dem Festland verbindet, habe ich meinen Kindern erzählt, dass die Insel mit einem der breitesten Strände Europas gesegnet ist. „Er ist so breit wie euer Schulweg lang ist! Ganz genau: bis zu vier Kilometer breit. Aber keine Angst, die müsst ihr nicht laufen.“ Rømøs Strände dürfen mit dem Auto befahren werden, zumindest an einigen Abschnitten.

Strände ohne Ende: Der Strand vor Lakolk gehört zu den breitesten Stränden Europas

Und genau das taten wir als erstes. Wir fuhren vom Damm aus geradeaus, weiter über die Insel, bis nach Lakolk. Dorthin, wo die Straße endet und sich im Sand verläuft, hier und da mussten wir uns durch Rinnen tasten, in denen das Meerwasser stehengeblieben war. Wolkenfetzen spiegelten sich im Meer. Wir drehten ein paar Kreise. Fuhren durch eine XXL-Pfütze. Und stoppten in einer versteckten Ecke am Rande der Dünen, die seitdem unser Lieblingsplatz geworden ist.

Toll für Familien: die grün-blaue Landschaft

Jetzt, rund 48 Stunden später, haben wir Rømø durchschaut. Wir wissen, wo sich was befindet, wir haben die einzige, ernstzunehmende Straße befahren und auch die Handvoll Dörfer gesehen, Juvre und Toftum im Inselnorden und Kongsmark, Kirkeby und Havneby. Wir haben die saftigen Wiesen an den Fenstern vorüberflitzen sehen, die Schafe, die Islandpferde und die knorrigen Kiefern.

Kulisse aus Wasser und Land: Wo sonst können Kinder von Inselchen zu Inselchen wandern?

Die nächsten Tage vergehen im Flug. Mal hetzt der Wind weiße Wolken über den dänischen Himmel, mal wärmt die Sonne unsere Gesichter und Glieder.

Bei Kids ein Hit: das Wurfspiel Wikingerschach

Wir picknicken in den Dünen, verbringen ganze Tage zwischen den sandigen Hügeln. Die Kinder spielen Fußball und fangen. Bauen Burgen und malen mit Stöckchen vergängliche Gemälde in den Sand. Und alle zusammen spielen wir viele Dutzende Runden Wikingerschach.

Auf Rømø gibt es tolle Familienangebote

Rømøs Kapital ist die Natur, sind die Dünen, der endlose Strand, die Heide, die Kiefern, die stille Landschaft. Freizeitpark, Shoppingmeilen, Kinderanimation? Fehlanzeige.

Wanderungen ins Watt gehören auf Rømø zum Pflichtprogramm

Abgesehen vielleicht von dem, was das Naturcenter Tonnisgaard anbietet. Hier gibt es viele schöne Angebote für Familien: Ihr könnt an kleinen Exkursionen in den Nationalpark Wattenmeer teilnehmen, an Austernwanderungen, Vogeltouren und auch an Kutschfahrten. Eure Kids können ihren eigenen Drachen basteln. Und jede Woche kann man sich hier einen Vormittag lang den Bernsteinen widmen, die man auf Rømø mit etwas Glück findet.

Wir lernen, wann und wo man Bernsteine findet

Glück? Die Mitarbeiterin des Naturcenters Tonnisgaard lächelt milde, als ich von Glück rede, sie sagt: „Ja, Glück gehört auch dazu, aber man muss auch wissen, wann und wo Bernsteine zu finden sind. Nach einem Sturm müsst ihr zwei Tage warten und euch dann unmittelbar nach der Flut auf die Suche machen.“ Dann kann man sie finden, inmitten von Muscheln, Seetang und sonstigem Angeschwemmten. Doch der Sturm bleibt aus, leider, und somit finden wir auch keine Bernsteine.

Schleifen und polieren: Die Kinder lernen, wie man Bernsteine behandelt

Zum Glück gibt es einen ganzen Eimer voll im Naturcenters Tonnisgaard. Meine Kinder suchen sich ein unscheinbares Steinchen aus und folgen dann den Anweisungen. Erst grob schleifen, immer kreisförmig, bis sich alle Ecken und Kanten verflüchtigt haben. Dann fein schleifen. Und zuletzt mit Zahncreme polieren – bis die Steine tatsächlich glänzen und funkeln.



Aufregend für Eltern und Kinder: eine Wattwanderung

„Los geht’s, jetzt ist die perfekte Zeit“, sagt die Wattführerin, der wir uns am Morgen des vorletzten Tages anschließen. Das Wasser hat sich zurückgezogen, die Sonne durchbricht die letzten Nebelschwaden. Ihre olivgrünen Gummistiefel schmatzen im Watt.

Der Wattwurm kann bis zu 40 cm lang werden

Sie läuft eine kleine Weile, zielstrebig, obwohl in diesem feucht-matschigen Gelände eigentlich kein Ziel auszumachen ist. Sticht die Mistforke ins Watt und holt einen kapitalen Wattwurm ans Sonnenlicht. Dann erzählt sie von den Alpenstrandläufern, die zu Tausenden gerade Station hier machen. „Sie fliegen von Sibirien nonstop hierher, rennen den ganzen Herbst auf ihren kleinen Streichholzbeinchen durchs Watt und picken nach Würmern. Und wenn sie sich satt gefressen haben, fliegen sie nach Westafrika, 4.500 Kilometer weit, wieder nonstop.“

Das kühle Meer plätschert in kleinen Rinnsalen durchs Watt, meine Tochter lauscht gebannt, meine Söhne legen sich mit Krebsen an. „Und hier sind die Austern“, sagt die blonde Dänen irgendwann und hält zwei Austern in die Höhe: Pazifische Austern, groß wie meine Hände. „Die sind gut“, schwärmt sie. Kramt nach ihrem Messer, kratzt ein wenig an der Schale und bricht sie auf. „Möchte jemand kosten?“

Mit einem Schuss Zitrone für viele eine Delikatesse: die Pazifische Auster

Rømø ist bekannt für die Weite, die Dünen und das Watt

Austern gehören inzwischen zu Rømø wie die struppige Heide. Aber sie sind nicht das Wichtigste auf dieser Insel, darauf besteht man hier. Wichtiger sind die Seehunde, von denen es noch ungefähr 4.500 gibt. Die Wale, die hin und wieder vor der Küste auftauchen. Die zauberhaften, kleinen Alpenstrandläufer, das Wattenmeer, die Dünen.



„Hoffentlich bleibt das so“, sage ich am letzten Tag zu meinem Mann. „Ich mag diese Insel, die wie eine grundsolide Dame vom Lande ist.“ Rømø soll so bleiben, wie es ist: Wunderschön, natürlich und aufgeschlossen.

Eine Landschaft zum Bleiben schön: der Dünengürtel auf Rømø

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