Das Wasser plätschert leise neben uns, eine schnatternde Entenmutter ruft ihre Kükenschar beisammen, chillige Beats wabern durch die sommerlich warme Luft … Eine einmalige Geräuschkulisse – und das mitten in der Stadt. „Kaum zu glauben, dass wir im Zentrum von Leipzig sind“, sage ich grinsend zu meiner Familie und bohre meine nackten Zehen noch ein bisschen tiefer in den watteweichen Sand unter meinen Füßen. „Man könnte meinen, das sei ein Sommerurlaub und kein Städtetrip.“ Vor allem bei dieser Kulisse, denn wir stehen mitten in der Beachbar vom Stadthafen – coole Location, Bootsverleiher und, so zumindest das Statement auf der Website, einer der sonnigsten Plätze Leipzigs.

Leipzig – Kulturmetropole, Universitätsstadt und beliebtes Reiseziel
Leipzig. Die größte Stadt Sachsens befindet sich auf der Überholspur, wird nicht umsonst gerne auch als die hippe kleine Schwester Berlins bezeichnet. Kein Wunder, steckt die alte Industriestadt doch voller Kultur, Geschichte und Kreativität, reichen sich Tradition und Moderne hier auf Schritt und Tritt die Hände.

Wer durch die lebendige Stadt schlendert, entdeckt geschichtsträchtige Gebäude, pulsierende Flaniermeilen, versteckte Höfe. Und jede Menge Familienattraktionen, denn Leipzig ist eine junge Stadt, wie geschaffen für Familien – und Familien-Kurzurlaube.

Das hatten mein Mann Jan und ich uns auch gedacht, uns unsere zwei Teenies geschnappt und kurzerhand einen Wochenendtrip geplant. 48 Stunden in Leipzig – ob das für so eine vielfältige Stadt ausreichen wird? Bleibt da nur Zeit für ein Abklappern der Sightseeing-Spots oder können wir uns einfach mal treiben lassen?
Ein Muss in Leipzig – Kanutour auf den Wasserwegen der Stadt
Der Beginn unseres Leipzig-Trips zeigt: Letzteres ist im „Venedig des Ostens“ durchaus möglich, vor allem hier am Stadthafen von Leipzig, dem perfekten Einstieg in die Wasserstraßen der Stadt. „Lest euch bitte die Sicherheitsbestimmungen durch und dann lasst ihr euch am Anleger einen Kanadier geben.“ Der sympathische Mitarbeiter reicht uns die Paddel und zeigt uns auf der Karte die „Leipziger Runde“, eine neun Kilometer lange Tour über Elsterflutbett und Weiße Elster.

Nach wenigen Metern finden wir unseren Rhythmus, gleiten durchs Wasser, haben Zeit, unsere Blicke schweifen zu lassen. „Hier sind ja richtige Villen“, staunt unser Sohn Tom (12), als wir am Haus der berühmten Verlegerfamilie Baedeker vorbeirudern. Doch schon kurz hinterm rauschenden Palmgartenwehr wird es grüner, paddeln wir an Leipzigs größter Parkanlage, dem Clara-Zetkin-Park, entlang und kurze Zeit später am riesigen Gelände der Galopprennbahn. „Jetzt ist es gar nicht mehr weit, dann sind wir an der Umtragestrecke“, meint Jette (14) beim Blick auf die Karte, „vielleicht gibt‘s da einen Kiosk mit Eis.“

Stadt, Land, Fluss: Leipzig bietet alles
Gibt es, direkt vorm Leipziger-Kanu-Club. Ansonsten: nichts als plüschgrüne Wiesen mit blökenden Schafen. Hier, nur eine kurze Paddelstrecke von der Leipziger Innenstadt entfernt, befinden wir uns inmitten idyllischer Natur. Als wir nach einer kurzen Rast der Weißen Elster zurück in die Stadt folgen, fühlen wir uns meilenweit vom Großstadtdschungel entfernt. Hohe Bäumen krallen ihre Wurzeln am Ufer in den Boden, ein Fischreiher stakst durchs Wasser, ab und zu flitzen kleine Fische dicht an unserem Boot vorbei.

Und dann, ganz plötzlich, sind wir wieder mitten in der City, türmen sich alte Villen, backsteinrote Speichergebäude und restaurierte Industriebauten neben uns auf. Ein einzigartiger Mix aus Stadt, Land, Fluss.
Absolut sehenswert: Leipzigs Innenstadt
„Schaut mal, hier ist wieder eine der Passagen“, wir nutzen den Rückweg vom Stadthafen zu unserem Hotel für einen kleinen Stadtbummel. Schnell wird klar: Leipzig ist eine richtige Schönheit. Die vielen Kanäle prägen das Bild der Stadt ebenso wie die imposanten Sehenswürdigkeiten: das Neue Rathaus, das mit seinem Turm und seiner beachtlichen Größe eher einer Burg ähnelt, das Alte Rathaus am Marktplatz, die berühmte Leipziger Oper und nur ein paar Schritte weiter das deutlich modernere Gewandhaus.

Was mich aber am meisten fasziniert: die etlichen Passagen und Durchgangshöfe, die fast versteckt die Straßen miteinander verbinden und erahnen lassen, was für eine wichtige Handelsstadt Leipzig einst war. Auch heute noch herrscht hier ein lebendiges Treiben, befinden sich in diesen architektonischen Kleinoden Geschäfte, Cafés und Restaurants. In einem von ihnen, dem Oelßners Hof, entdecken wir eine nette Pizzeria. Der perfekte Ort, um den Abend bei Pasta und hausgemachter Limo ausklingen zu lassen.

Belantis – Leipzigs Familien-Freizeitpark für Groß und Klein
„Da gehe ich nie im Leben rein“, wehre ich mich entschieden, schaue rauf zu den roten Schienen, die sich hoch über uns senkrecht in die Tiefe stürzen. Das über 30 Meter hohe Stahlgerüst gehört zum Huracan, eine der steilsten Achterbahn der Welt und Hauptattraktion von Belantis – das Abenteuerreich.

Der Freizeitpark liegt am Stadtrand von Leipzig und steht am zweiten Tag unseres Citytrips auf der Bucketlist. Insgesamt tummeln sich auf dem weitläufigen, parkähnlichen Gelände mehr als 60 Attraktionen, rasante Fahrgeschäfte und mitreißende Shows. Einige wie der Huracan für kleinere und große Adrenalinjunkies, andere wie Familienachterbahnen und Abenteuerspielplätze auch für Hasenfüße wie mich.

Und so bummeln wir, nachdem Tom und Jan kreischend den Sturz in die Tiefe gewagt haben, durch die acht liebevoll gestalteten Themenwelten. Wir setzen uns in der „Küste der Entdecker“ in die Riesenschiffschaukel, rauschen mit der Wildwasserbahn im „Tal der Pharaonen“ aus der Pyramide und verirren uns im Labyrinth auf der „Insel der Ritter“. „Das hat richtig viel Spaß gemacht“, sagt Jette, als wir nachmittags wieder ins Auto steigen, „da hätten wir gut noch länger bleiben können.“

Zoo Leipzig – eine der Hauptattraktionen für Familien
Stimmt – wenn unsere Zeit in Leipzig nicht begrenzt wäre und heute nicht noch ein weiteres Leipziger Highlight auf dem Programm stünde. Denn egal, wen wir im Vorwege gefragt hatten, alle hatten einstimmig den gleichen Tipp gegeben: den Zoo Leipzig.

Der Zoo gilt als einer der modernsten Europas, setzt sich für Artenschutz und eine artgerechte Tierhaltung ein. Dass die Schwärmerei nicht unbegründet ist, merken wir spätestens, als wir die riesige Kuppel des Gondwanalands betreten, Deutschlands größter tropischer Regenwald und neueste der insgesamt sechs Erlebniswelten des Zoos.

Bei tropischen Temperaturen spazieren wir über verschlungene Dschungelpfade und wackelnde Hängebrücken, vorbei an einer beeindruckenden Pflanzenwelt in satten Grüntönen. „Krass, echt wie im Regenwald.“ Tom lässt seinen Blick schweifen, entdeckt Flughunde, die kopfüber in den Palmen baumeln, bunte Vögel, die frei ihre Runden drehen und neugierige kleine Äffchen in den Bäumen über uns.

Auch die anderen Bereiche nehmen mit auf eine spannende Weltreise. Im Pongoland toben Schimpansen, Gorillas und Co durch die Bäume. In Südamerika schlendern wir durch die Pampa, beobachten Ameisenbären und Mähnenwölfe. In Asien begeistert uns vor allem der Elefantentempel und im Gründergarten tauchen wir im Aquarium in eine faszinierende Unterwasserwelt ein. „Dieser Ausflug hat sich definitiv gelohnt“, stellen wir einige Stunden und viele gelaufene Kilometer später einstimmig fest.

Fazit: Leipzig ist ein top Reiseziel für Familien
„Der Kurztrip nach Leipzig hat sich total gelohnt“, fasst mein Mann Jan die letzten zwei Tage treffend zusammen. Wir lassen den Tag gemütlich ausklingen, bummeln mit einem Eis noch einmal durch die lebendigen Straßen der Innenstadt, vorbei an der imposanten Nikolaikirche, den vielen gut besuchten Restaurants und den hübschen Plätzen, auf denen Straßenmusiker für sommerliches Flair sorgen.

Ich stimme ihm zu – diese Stadt ist wirklich zum Wiederkommen schön. Und beim nächsten Mal bleiben wir einfach noch einen Tag länger, denn es gibt noch so viel zu entdecken: die vielen, vielen Museen der Stadt, das Völkerschlachtdenkmal, den Rundumblick aus dem Panorama Tower und natürlich auch das malerische Umland mit den Leipziger Seen und den viele Rad- und Wanderwegen. Eines steht fest: 48 Stunden sind definitiv viel zu kurz für diese facettenreiche Stadt …














