Die Route im Überblick
Route: Lübben – Lehde – Burg – Burg Hafen
Dauer: 3 Tage
Gepaddelte Kilometer: ca. 30 km
Highlights abseits des Wassers: Kletterwald Lübben, Freilandmuseum Lehde, Spreewalddörfer Lehde und Leipe
Übernachten: zum Beispiel die Hotelanlage Starick in Lehde und das Hotel Kolonieschänke in Burg (beide mit eigenem Bootsanleger)
Gepäcktransport: buchbar über Kajakverleiher wie Spreekajak oder direkt über die Hotels
Eine Reportage von Kirsten Düspohl
Knorrige Kiefern ragen meterhoch in den Himmel, verdichten sich über uns zu einem Blätterdach. Ab und zu blitzt ein Sonnenstrahl durch, malt tanzende Muster auf den weichen Waldboden. „Jetzt weiß ich, woher der Spreewald seinen Namen hat“, sage ich zu meiner Familie, die ebenso wie ich in die Baumkronen hochschaut. Was unsere Kinder Jette (14) und Tom (12) aber mehr fasziniert als die rauschenden Riesen ringsum, sind die meterlangen Wackelstege, Netzbrücken und Seilbahnen, die sich kreuz und quer durch die Lüfte spannen. „Mama und Papa, Bäume gucken können wir die nächsten Tage noch lang genug – in ihnen klettern aber nicht“, drängelt unser Jüngster und zieht uns weiter zur Anmeldung.

Der Spreewald – die perfekte Urlaubsregion zum Wasserwandern mit Kindern
Recht hat er, schließlich sind wir für drei Tage in der brandenburgischen Ferienregion – genügend Zeit, um das UNESCO-Biosphärenreservats Spreewald in allen Facetten zu genießen. Und genau das haben wir vor, und zwar auf eine ganz besondere Weise: mit Kajaks. Wasserwandern mit Kindern – wird das klappen? Vor allem für so ungeübte Kanutinnen und Kanuten wie uns?

Fest steht: Der Spreewald ist mit seiner lagunenartigen Wasserlandschaft wie geschaffen dafür. Hier, wo sich die Spree in ein Netz aus Hunderten Fließen verzweigt, wie die vielen Bäche und Flüsse hier heißen, befindet sich ein richtiges Wasserlabyrinth, in seiner Art einzigartig in Europa. Mittendrin: hübsche Städtchen, urige Spreewalddörfer sowie jede Menge Familienattraktionen.
Kletterwald Lübben – hoch oben im Spreewald
Eine davon: der Kletterwald Lübben, ein Hochseilgarten mit zehn verschiedenen Parcours in luftiger Höhe. Bevor es hier in Lübben, am Startpunkt unserer Tour, aufs Wasser geht, heißt es also erstmal: rauf auf die Bäume. „Ihr bekommt von mir das Sicherheitsgeschirr und danach geht’s zum Einweisungsparcours“, begrüßt uns eine der Mitarbeiterinnen im signalroten Team-Shirt. Sie erklärt uns, wofür wir die verschiedenen Karabiner brauchen und welche Routen sich für den Anfang eignen. Wir entscheiden uns für den Fuchs-Weg, kraxeln in zwei Metern Höhe über wackelnde Holzstiege und Kletternetze. Und als wir uns anschließend mutig in den deutlich höheren Eichhörnchen-Weg wagen, fühlen wir uns schon wie echte Kletteraffen.

Must-do: Gurkenverkostung im Land der Gurken
„Vorm Paddeln brauche ich noch eine Stärkung. Klettern macht hungrig“, sagt unsere Tochter Jette, als wir auf der Lübbener Schlossinsel sind. Gerade haben wir unser Gepäck in der Tourist-Info abgegeben. Dort wird es später abgeholt und in unser erstes Hotel gebracht. Zwar gibt es auch Kajaks mit wasserdichtem Gepäckfach, aber wir hatten uns für die komfortablere Alternative entschieden: den Gepäcktransport von Unterkunft zu Unterkunft. Wir schlendern rüber zu Gurken Paule, eine echte Institution im Spreewald.

„Wie wär`s, wenn ihr euch einfach durch unsere verschiedenen Spreewälder Gurken probiert?“, schlägt uns die sympathische Mitarbeiterin Katharina vor und tischt uns gleich darauf neun Teller mit aufgeschnittenen Gewürzgurken auf. Wir kosten Senf-, Pfeffer-, Chili- und andere Gurkensorten – und sind begeistert. „Die schmecken wirklich besser als aus dem Supermarkt“, meint mein Mann Jan und schnappt sich noch ein Stückchen Curry-Gurke, unser einstimmiger Favorit.
Mehr über Familienurlaub auf dem Wasser
Hausboot, Kanu & Co: Familienurlaub auf dem Wasser
Hausboot, Kanu, große Pötte: Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Familien, Urlaub auf dem Wasser zu machen. Lumao stellt euch einige vor!
Erste Etappe: Wasserwandern von Lübben bis Lehde/Lübbenau
Dass der Spreewald nicht nur wegen seiner Gurken zu den beliebtesten Urlaubsregionen Deutschlands gehört, sondern vor allem wegen seiner Natur, merken wir, als wir endlich in unsere zwei Kajaks klettern. Es ist schon früher Nachmittag und vor uns liegen noch gut 13 Kilometer Strecke. Schon nach wenigen Metern stellen wir fest: Das klappt leichter als gedacht. Hier auf der Hauptspree ist der Fluss noch relativ breit, erst in Lübbenau tauchen wir ein in ein Labyrinth aus kleinen Wasserläufen. Blau schillernde Libellen flattern um uns herum, eine Entenfamilie flieht ins üppige Grün, ein Fischreiher stakst stolz durch das seichte Ufer. Was für eine Naturkulisse!

Noch idyllischer wird es, als wir das Spreewald-Dorf Lehde erreichen. Wir rudern vorbei an charmanten Blockhäusern mit alten Reetdächern, an gepflegten Gärtchen und lauschigen Gartenlokalen. Immer wieder schauen wir auf die vielen Wegweiser entlang der Kanäle, damit wir uns in diesem plätschernden Irrgarten nicht verlieren. „Da ist unser Hotel ausgeschildert“, freut sich Jette und zeigt auf ein Schild, auf dem steht, dass das Hotel Starick nur noch wenige Meter entfernt liegt.

Zugegeben, ich freue mich auch. Die letzten Kilometer zwickte es doch ganz schön in den Armen, und an meinen Daumen haben sich verdächtige rote Stellen gebildet. „Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, vorher ein bisschen zu trainieren“, sage ich zu meiner Familie, als wir am hoteleigenen Anleger festmachen. Und im Stillen denke ich, wie gut es ist, dass unsere Kinder schon so groß sind, dass sie ordentlich mitgerudert haben. Noch vor einigen Jahren hätten wir definitiv eine kürzere Etappe wählen müssen.

Absolut sehenswert: das Spreewalddorf Lehde mit Freilandmuseum
„Ich habe gar keinen Muskelkater“, verkündet Tom am nächsten Morgen beim Frühstück, macht sich über seinen vollen Teller her, auf dem sich Marmeladenbrötchen, Rührei und Obstsalat türmen. Nach einer erholsamen Nacht in kuschelweichen Betten fühlen wir uns ausgeruht und fit für die heutige Etappe. Bevor es die rund zehn Kilometer von Lehde in den Ort Burg geht, steht aber noch ein weiteres Familien-Highlight auf dem Programm: das Freilandmuseum Lehde, ältestes Museum seiner Art in Brandenburg.

„Witajšo“, begrüßt uns eine der Mitarbeiterinnen auf Sorbisch, reicht uns Brot und Salz als traditionelle Willkommensgeste. Grit ist eine der Mitarbeiterinnen, die Führungen durch das Museum anbieten – natürlich stilecht in typischer Tracht. „Wir laufen jetzt von einem Hof aus Lehde aus dem Jahr 1840 bis zu einer Hofanlage in Burg um 1916. Im Grunde rund 20 Kilometer und über sieben Jahrzehnte – schafft ihr das?“, fragt sie mit einem Augenzwinkern und nimmt uns gleich darauf mit auf eine spannende Zeitreise.

In dem Museum gibt es nicht nur vier Spreewälder Höfe aus längst vergangenen Zeiten, sondern auch einen traditionellen Kahnbauer, eine alte Feuerwehr mit historischen Löschgeräten und einen würzig duftenden Kräutergarten. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, grinst Grit und zeigt uns, wie früher die Wäsche gewaschen wurde, bevor wir uns anschließend im Stelzenlaufen üben dürfen.

Zweite Etappe: Wasserwandern von Lehde nach Burg
„Echt krass, dass einige Häuser immer noch nur mit dem Boot erreichbar sind“, wundert sich Jette, als wir einige Zeit später wieder in unseren Kajaks sitzen und Lehde langsam hinter uns lassen. Unsere heutige Etappe führt über Leipe bis ins Hotel Kolonieschänke am Ortsrand von Burg. Durch die Vielzahl an Fließen ist kaum etwas los, nur an den drei handbetriebenen Schleusen treffen wir auf einige andere Wassersportlerinnen und -sportler.

Ansonsten: Nichts als Natur und Stille, einzig unterbrochen von unserem Paddelschlag, Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Schilfs. „Guckt mal, ist das ein Biber?“, mein Mann zeigt auf ein pelziges Tier, das nah am Ufer neben uns herschwimmt und wirklich sehr dem Nagetier ähnelt.
Typisch Spreewald: Kahnfahrt durch die Lagunenlandschaft
„Das wird eine Nutria gewesen sein, eine Biberratte“, erfahren wir am nächsten Tag von Thomas Petsching. Der gebürtige Burger ist Kahnfährmann am Bootshaus am Leineweber und schippert uns mit seinem Kahn durch die 4.000-Seelen-Gemeinde. Kähne sind das traditionelle Gefährt dieser Region – und eine Kahnfahrt somit der krönende Abschluss unserer Wasserwandertour durch den Oberspreewald.

Dass es nicht immer nur ein Kajak zum Wasserwandern sein muss, hatten wir schon vormittags festgestellt. Für die letzte Etappe vom Hotel bis zum Hafen von Burg hatten wir unser Fortbewegungsmittel getauscht, waren vom Kajak auf ein Stand-up-Paddle-Board umgestiegen. Unser SUP-Verleiher hatte uns verraten, dass sich SUPs fast noch besser eignen, weil man im Stehen einen viel besseren Blick als im Sitzen hat. Das stimmte. Was mich aber noch mehr erfreute: Beim Stand-up-Paddling werden andere Muskeln beansprucht als beim Kajakfahren – eine willkommene Abwechslung nach den geruderten Kilometern.

Fazit: Wasserwandern im Spreewald eignet sich top für Familien
„Ach, das ist auch schön, sich jetzt mal durchs Wasser kutschieren zu lassen“, schmunzle ich und lehne mich genüsslich auf der Bank des Kahns zurück. Und während Thomas den Kindern ihre erste Fahrstunde im Kahnfahren gibt und ihnen zeigt, wie sie mit der langen Rudel richtig durchs Wasser staken, lasse ich den Urlaub gedanklich Revue passieren. Diese Tage haben mich wirklich überrascht: Nicht nur, dass das Wasserwandern viel besser geklappt hat als erwartet. Vor allem aber hat mich der Spreewald überrascht. Diese Gegend ist wirklich zum Wiederkommen schön! Das nächste Mal entdecken wir ihn dann vielleicht mit dem Rad, in Wanderstiefeln oder einfach nochmal vom Wasser aus. Schließlich haben wir noch längst nicht alle Wasserwege entdeckt …















[…] mehr nach Natururlaub aus als nach einem Städtetrip: Wasserwandern in Leipzig ©Kirsten […]