Ohne Papa zum Gardasee: Wenn Mama allein mit vier Kindern nach Italien reist

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Unsere Autorin reist zum ersten Mal allein mit ihren vier Töchtern – ohne Papa! Ob alles rundläuft? Maike Köhler erzählt es auf Lumao!

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Sonntagmorgen, Bahnsteig 8. Die Sonne wärmt das Pflaster, fünf kleine Koffer rattern übers Gleis. Einer pro Kind, ein etwas größerer für mich. In der einen Hand halte ich unsere Tickets, in der anderen einen Stoffbeutel mit Butterkringeln, Trinkflaschen, Büchern und der wichtigsten Reise-Währung: Nervennahrung – für mich.
Zum ersten Mal reise ich mit den Kindern allein über Ländergrenzen hinweg. Bisher waren wir immer zu sechst unterwegs. Na klar, im Allgäu, in Hamburg oder am Bodensee war ich auch allein, aber da empfingen uns meine Eltern, meine Schwester, Tante, Onkel oder Freunde mit offenen Armen und gefüllten Kühlschränken. „Traue ich mich mit den Kindern bis an den Gardasee?“, frage ich meine Schwester per WhatsApp, bevor ich den Buchen-Button klicke. Sie antwortet postwendend: „Das schaffst du, Schwesterherz!“
Und schon sind wir unterwegs: mit dem Zug, über die Alpen, an den Gardasee.

Die vier Töchter unserer Autorin Maike – zum ersten Mal nur mit Mama im Urlaub ©Maike Köhler

Der erste Familienurlaub allein mit den Kindern

„Aber Mama, wie verstehen die uns da?“, fragt meine Neunjährige besorgt, während der Zug einfährt. „Die Mama hat mal in Mailand studiert“, beruhige ich sie. Innerlich hoffe ich, dass mein Uni-Italienisch mehr hergibt als Cappuccino-Bestellungen. Die Kleinste gluckst, die Große verdreht die Augen: „Mama, bitte nicht peinlich werden!“
Wir fahren vom Münchner Ostbahnhof direkt bis Rovereto am nördlichsten Zipfel des Gardasees. Die erste Etappe läuft erstaunlich rund. Wir sitzen am Fenster, knabbern an Kringeln und denken uns eine Geschichte aus: „Familie Mehlwurm fährt ans Meer“. Auch wenn unser Ziel ein See ist – immerhin ein italienischer! Mit Gelato an jeder Ecke und Bergen wie aus dem Bilderbuch.

Ohne Papa unterwegs: So gelingt der Familienurlaub

Viereinhalb Stunden später purzeln vier Kinder und fünf Koffer bei 35 Grad hinter mir auf den glühend heißen Bahnsteig von Rovereto. Ein Kind plärrt dringend nach einer Toilette. Mein Koffer wiegt schwer. Es ist die Verantwortung, die ich alleine trage, plus die Frage der Zuständigkeit, die wir sonst teilen.
„Der arme Papa!“, jammern die Kinder wie auf ein Zeichen im Chor. „Muss arbeiten und wir machen Urlaub…“ Vier Seufzer, mitfühlend hängende, kleine Schultern. Dass das nur ein Moment ist von vielen, in denen ich schwer überlege, wer von uns beiden der oder die Arme ist, muss ich an dieser Stelle nicht erwähnen.
Und zack, ist sie wieder da, die exemplarische Sorge in meinem Kopf: „Was, wenn…? Ein Kind krank wird, sich verletzt, ins Krankenhaus muss?“
„Du bist nicht allein!“, habe ich meine Freundin im Ohr, die alleinerziehend ist und schon immer „ohne Papa“ in den Urlaub fährt. „Denk‘ nicht groß drüber nach, was alles schief gehen oder passieren könnte. Sonst traust du dich nicht. Und das wäre schade!“
Ich ziehe den Hut vor ihrem Mut und packe meinen Koffer direkt wieder etwas beherzter am Tragegriff. Ehe wir im Hotel ankommen, gibt es dann auch schon die ersten Gänsehaut-Momente: Als die Kinder alle gleichzeitig „Wooow!“ rufen, als zwischen den grünen Bergen tatsächlich der glitzernde See auftaucht. Als meine Siebenjährige mir verschwörerisch ins Ohr flüstert: „Mama, ich find das so cool, dass wir das machen.“ Als wir endlich am See sitzen, die Füße im Wasser, ein duftendes Brioche in der Hand – und ich denke: Wir sind da. Ich hab’s wirklich gemacht!

Vier Kinder und ein See – das sind die Zutaten, aus denen diese Reise besteht. Ob alles gutgeht? ©Maike Köhler

Gardasee unplugged – kein Club, kein Plan, viel Sonne

Riva del Garda, unser Zielort, ist perfekt für Familien: Spielplätze direkt am Wasser, weitläufige Grünflächen mit viel schattenspendendem, altem Baumbestand, eine kleine, quirlige Altstadt, die zum Flanieren einlädt. Unsere Unterkunft? Ein familiengeführtes Hotel drei Kilometer oberhalb der Uferpromenade – aber immerhin mit Blick auf den See.
Auch wenn der Gardasee unzählige Aktivitäten von Wassersport über Themenparks bis zu Klettersteigen zu bieten hat, verbringen wir unsere Woche in Flip-Flops statt auf dem Surfbrett oder in Wanderschuhen. Überhaupt gehen wir es geruhsam an. Spazieren einmal zum Wasserfall, der in fußläufiger Entfernung zu unserer Unterkunft liegt, fahren spontan mit dem Bus runter nach Riva (Mit der Trentino-Card fahren Familien kostenlos!) und futtern uns den Rest der Woche durchs Büffet, schlafen aus, streiten, lachen, spielen Uno und vertragen uns.

Mama allein unterwegs – mit den vier Töchtern ©Maike Köhler

Allein mit vier Kindern im Urlaub – Tipps und Erfahrungen

Unser Urlaubshöhepunkte: Eine Bootsfahrt über den See. Speedy Gonzale, so der Name unseres Wassergefährts, dröhnt, stinkt nach Diesel und heizt uns in der Mittagssonne nochmal so richtig ein. Die Kinder meckern. Ich auch. Und dann: Limone in Sicht! Das kleine Örtchen am Westufer hält ein Stück Pizza für auf die Hand für uns bereit und – natürlich! – eine Runde Limonata eisgekühlt.

Pizza und Limo – zwei Gründe von vielen, warum der Gardasee ein top Ziel für Familien ist ©Maike Köhler

Wir sitzen auf einem kleinen Steinmäuerchen und beobachten die vielen Eltern, die ihre erschöpften Babys in Buggys durch die schattigen Gassen schieben. Kurz bin ich wehmütig, dann freue ich mich: Denn mit meiner kleinen Reisegruppe kann ich richtig Sachen machen! Noch dazu mit leichtem Gepäck! Wir erfreuen uns an dem bunten Trubel, bevor es weiter geht mit dem Speed Boat rüber nach Malcesine, einem kleinen Ort am Ostufer. „Cinque coni con due gusti, per favore!“ – fünf Hörnchen mit je zwei Sorten, bitte! Meine Tochter steht amüsiert neben mir, als ich die Bestellung aufgebe. Gar nichts peinlich hier! Die Eisdiele in Malcesine liegt glücklicherweise direkt am Bootsanleger. Da sind auch die Kleinen froh. Erfrischt und gestärkt laufen wir zu Fuß hoch zur Burg für einen herrlichen Ausblick über den See. Mit Speedy Gonzale geht’s am späten Nachmittag zurück nach Riva, mit dem Bus hoch zum Hotel und ab die Post in den Pool.

Nur einer von vielen Programmpunkten: Eine Fahrt mit dem Speed Boat über den Gardasee ©Maike Köhler

Regeln, Routinen, Rückzug: Mit Kindern alleine im Urlaub

In den Folgetagen machen sich die Kinder ihr eigenes Programm und bewegen sich recht frei ums Haus herum. „Nur der Pool ist tabu!“ Da gehen wir gemeinsam hin. So sitze ich in diesem Urlaub oft auch allein – mit meinem Buch, einem Kaffee oder einem Frozen Aperol Spritz – und denke: Krass. Das fühlt sich tatsächlich nach Urlaub an! Aller Anstrengung des Alleinreisens zum Trotz! Ich bin in bester Gesellschaft, nehme die Zeit mit den Kindern sogar besonders intensiv wahr, komme zur Ruhe, zum Lesen, auf Ideen.

Ganz gemütlich am Pool: Lumao-Autorin Maike findet sogar Zeit für sich ©Maike Köhler

Am Ende der Woche stehen wir wieder am Bahnsteig von Rovereto, das Gepäck wiegt schwer beim Gedanken an die gesammelte Dreckwäsche der vergangenen sieben Tage, aber die Kinder sind erholt und freuen sich. Und ich? Bin stolz. Richtig stolz. Nicht auf die perfekte Organisation oder den reibungslosen Ablauf dieser Reise – sondern darauf, dass ich mich getraut habe. Dass ich losgefahren bin. Allein mit vier Kindern – im Vertrauen darauf, dass es schon gut werden wird.

Jede Menge Koffer und viele gemeinsame Erinnerungen – das nehmen Mutter und Töchter wieder mit nach Hause ©Maike Köhler

Mein Fazit für alle Mamas und Papas, die vielleicht noch zögern:

  • Wenn du Lust auf Urlaub hast: Warte nicht, sondern trau dich!
  • Plane grob, der Rest kommt von allein.
  • Nimm jede Hilfe an – im Bus, am Bahnhof, am Büffet – Die Menschen um dich herum helfen lieber, als du vielleicht denkst.
Am Ende war es leichter als gedacht: Urlaub ohne Papa ©Maike Köhler

Und ganz praktische Tipps für den Familienurlaub ohne Papa:

  • Reise mit leichtem Gepäck!
  • Buche nach Möglichkeit Direktverbindungen.
  • Nicht vergessen: Snacks, Bücher und das Lieblings-Kuscheltier
  • Entenmarsch an überfüllten Bahnhöfen: Du gehst voran, das älteste Kind zuletzt

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