Wandern mit Kindern – Tipps vom Profi

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Wer mit Kindern wandern geht, sollte ein paar Tipps und Tricks kennen. Wanderprofi Kaj Kinzel verrät sie uns.

Ein Wanderurlaub mit Kindern? Davor schrecken viele Familien zurück. Entweder man hält den Nachwuchs für zu klein oder man ahnt, dass die Kinder bei dem Vorschlag keine Luftsprünge machen werden. Wer es jedoch wagt, wird meist belohnt. Denn ein Wanderurlaub (oder ein Wanderausflug) kann ungemein schön und aufregend sein!

Kaj Kinzel mit seinem preisgekrönten Buch im Elbsandsteingebirge. ©Kaj Kinzel

Was man bei der Planung und auf Wanderungen beachten muss und wie man seine Kids bei Laune hält, weiß Kaj Kinzel. Der Wanderprofi und Kletterlehrer hat 20 Jahre lang Kindergruppen und Familien durch die Sächsische und Böhmische Schweiz geführt. Seine Erfahrungen hat der studierte Sportwissenschaftler in einem Buch zusammengefasst – in ErlebnisWandern mit Kindern – Elbsandsteingebirge. Der Wanderführer wurde auf der ITB Berlin 2018 sogar mit einem BuchAward ausgezeichnet.

Tricks und Tipps vom Wanderprofi

Lumao hat bei dem Familienvater nachgefragt. Unser Fazit: Mit seinen Tipps wird eure nächste Wanderung ganz bestimmt ein voller Erfolg! 

Kaj, ab welchem Alter kann man gut mit Kindern wandern gehen?

Kaj Kinzel: Nach meiner Erfahrung können Kinder im Vorschulalter bereits durchaus Wanderungen mit einer Gehzeit von bis zu zwei Stunden meistern. Kids im Alter von sieben bis zehn Jahren bewältigen schon bis zu vier Stunden lange Touren. Und noch ältere Kinder und Jugendliche schaffen auch längere Strecken bzw. ganze Tage.

Mit Kleinkindern ist Wandern also keine gute Idee?

Kaj Kinzel: Doch klar, das geht auch. Wenn die Kinder so klein sind, dass sie noch in der Trage sitzen, kann man wunderbar mit ihnen wandern, allerdings nicht länger als zwei bis drei Stunden. Gerade bei niedrigen Temperaturen kühlen die Kinder in der Trage schneller aus. Außerdem sollten Eltern für die angegebene Tour mehr Zeit einplanen. Schließlich möchten auch die Kleinsten immer mal wieder ein Stück laufen oder die Natur entdecken. Eines muss ich aber klar sagen: Schwierige Touren mit Kletteranforderungen sind mit Kindertrage tabu!

Wichtig ist, die Wander- oder Klettertour dem Alter der Kinder anzupassen ©Kaj Kinzel

Wie kann man Kindern überhaupt klarmachen, dass Wandern Spaß macht?

Kaj Kinzel: Tatsächlich bringen Kinder für das Wandern meist wenig Motivation auf. Sie wollen etwas erleben, Neues entdecken, spielen, herumtoben und irgendwo raufkraxeln. Das sollten Eltern bei ihrer Tagesplanung berücksichtigen.

Bei der Zeitplanung der Route sollten unbedingt auch Pausen zum Spielen und Toben eingeplant werden ©Michael Amme

Wer mit Kindern einen ganzen Wanderurlaub plant, sollte es mit der Tourenplanung nicht übertreiben und auch mal einen Ruhetag einlegen. Und was unterwegs natürlich immer hilft, sind ein paar Leckereien: Die Lieblingskekse oder Gummibärchen können wahre Wunder bewirken, wenn die Motivation mal nachlässt.

Wichtig: die richtige Ausrüstung

Welche Ausrüstung brauchen Familien für einen richtigen Wanderausflug?

Wer mehr als einen Spaziergang plant, braucht festes Schuhwerk ©Michael Amme

Kaj Kinzel: Zuerst einmal feste, gut passende Schuhe, am besten knöchelhohe Wanderschuhe. Das gilt für Eltern und für Kinder. Auch wichtig: ein gut sitzender Rucksack mit Brust- und Bauchgurt für die Eltern. Natürlich finden es Kinder auch toll, einen eigenen Rucksack zu tragen, das klappt ab dem Vorschulalter wunderbar. Zwei Dinge sollten Eltern jedoch dabei beachten: Der Rucksack sollte gut passen und nicht zu schwer sein. Und: Damit das Kind unbeeinträchtigt rennen, springen und klettern kann, sollte auch dieser Rucksack über Bauch- und Brustgurt verfügen. So ein Kinderrucksack ist übrigens ein tolles Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk.

Und was gehört alles in den Rucksack?

Kaj Kinzel: Unverzichtbar sind Regenjacke, Handy, Verpflegung, Trinkflasche sowie ein Erste-Hilfe-Set mit Pflaster, Binden und etwas gegen Insektenstiche. Und je nach Wetter und Jahreszeit dürfen auch Sonnenmilch, Mücken- und Zeckenschutz, Hut oder Käppi als Sonnenschutz, Windjacke, Halstuch, eine warme Mütze und Handschuhe nicht fehlen. Ein Taschenmesser, eine Picknickdecke für die Pause und eine kleine Mülltüte sind ebenfalls praktisch.

Mit einem Rucksack können Kinder auch einen Teil der Ausrüstung und Verantwortung übernehmen ©Kaj Kinzel

Gibt es sonst noch etwas, das unbedingt mit muss?

Kaj Kinzel: Wandert man mit kleineren Kindern, ist es sinnvoll, auch Wechselsachen dabei zu haben. So muss man die Wanderung bei einem Malheur nicht gleich abbrechen. Ansonsten sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Garantiert spannend: das Fernglas ©Michael Amme

Es gibt viele kleine Dinge, die Abwechslung in die Wanderung bringen können: eine Lupe oder ein Fernglas, ein Kompass, ein Fotoapparat oder ein Malblock mit Stiften. Auch ein Bestimmungsbuch ist für Kinder spannend, so kann man Pflanzen, Vögel oder Tierspuren bestimmen. Für die ganz Kleinen kann man auch etwas Spielzeug zum Buddeln dabei haben. Auch eine Tasche für alle Zapfen, Steine oder sonstigen Dinge, die unbedingt mit nach Hause müssen, kann hilfreich sein.

Wissenswertes rund um Proviant und Pausen

Hast du für den Proviant einen besonderen Tipp?

Kaj Kinzel: Belegte Brote sind natürlich der Klassiker. Sehr gern naschen Kinder (und Eltern) auch kleingeschnittenes Obst und Gemüse, Käsewürfel, kleine Würstchen oder gekochte Eier. Und klar, auch Kekse, Müsliriegel, Reiswaffeln oder Gummibärchen dürfen im Rucksack sein. Und ganz wichtig: Nehmt ausreichend Wasser mit, Kinder haben auf einer Wandertour viel Durst! Auch Tee eignet sich, keine stark gesüßten Getränke, die den Durst meist kaum stillen.

Ganz wichtig für Körper und Geist: leckeres Essen für das Picknick zwischendurch ©Michael Amme

Kannst du uns ein paar Tipps geben, was man während des Wanderns oder in den Pausen spielen kann?

Kaj Kinzel: Da die Familien dann in der Natur unterwegs sind, bieten sich natürlich Spiele an, die sich mit der Umgebung beschäftigen.

Spielpausen sind auch Motivationshilfen ©Michael Amme

Natur-Memory zum Beispiel, das geht so: Zusammen sammeln wir etwa fünf bis acht Dinge, die wir am Wegesrand finden. Einen kleinen Sandstein, ein abgefallenes Buchenblatt, einen Fichtenzapfen, ein Stöckchen, ein Müllpapier oder ähnliches. Bevor wir sie im Rucksack verstauen prägt sich jeder die Fundstücke ein. Dann wandern wir weiter und jeder muss sich an die Dinge erinnern und sie am Wegesrand noch einmal aufspüren und einsammeln. Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Man kann auch Staudämme an Bächen bauen und Boote aus Rinde auf große Fahrt schicken.

Es gibt ja sehr viele Freizeit- und Urlaubsaktivitäten. Was ist deiner Meinung nach das Besondere am Wandern mit Kindern?

Kaj Kinzel: Das Erreichen eines selbstgesteckten Ziels ist eine tolle Erfahrung, egal ob es ein See, ein Gipfel oder eine schöne Aussicht ist. An so einen Moment erinnert sich die ganze Familie lange und gerne. Und das Gute dabei ist, dass dieses tolle Erlebnis nicht einmal mit einer besonderen sportlichen Leistung verbunden sein muss. Dazu bietet die Langsamkeit des Wanderns abseits des hektischen Alltags neue Chancen der Interaktion miteinander.

Ein tolles Erlebnis für Kinder und Eltern: wenn das selbstgesteckte Ziel erreicht wird ©Kaj Kinzel

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