Wir ahnten es schon länger – dass wir eigentlich am liebsten Comics lesen, lieber noch als richtige Bücher. Auf unserem jüngsten Belgien-Trip haben meine Töchter Mia (9), Sofie (13) und ich die Nase ins Comic-Zentrum der belgischen Hauptstadt gesteckt – und dabei viel Neues entdeckt, denn das Centre Belge de la Bande Dessinée entführt kleine und große Besucherinnen und Besucher in die Welt des Zeichnens und der Animation.

Mit der Mondrakete in die Welt von Tim & Struppi
Willkommen bei den Schlümpfen, Tim und Struppi, Lucky Luke & Co! Schon in der Eingangshalle an, in der Comic-Hefte von der Decke baumeln und die rot-weiß karierte Rakete von Tim & Struppi zur Mondreise animiert. Vor allem aber staunen Mia, Sofie und ich über das zauberhafte Art-Déco-Gebäude, das uns mit seiner verschnörkelten Gußeisen-Architektur, Oberlichtern und Farb-Mosaiken in eine andere Welt versetzt.

Sofie möchte als erstes zu Tim & Struppi, die in Belgien „Kuifje“ und „Bobby“ heißen (auf Englisch übrigens „Tintin“ und „Snowy“) – immerhin hat sie vor ein paar Jahren nahezu alle Bände über den Globetrotter-Detektiv verschlungen.
Comic-Zentrum in Brüssel: Was kann man da entdecken?
Doch zuerst gehen wir durch die aktuelle Sonderausstellung, die sich um das Thema „Jazz im Comic“ dreht. Dabei stellen wir fest: Viele berühmte Comic-Zeichner hatten offenbar eine große Vorliebe für die Jazz-Musik! Während wir viele altbekannte und auch neue Comicschätze entdecken, lernen wir, wie ein Comic gezeichnet und produziert wird.

Wie ein Comic entsteht: Die Kunst des Tuschierens
„Bevor der Künstler die Platte einfärbt, muss er wissen, in welcher Form er sie veröffentlicht“, übersetze ich Mia die englischen Texte der Ausstellung. Schwarz-weiße Comics berücksichtigen demnach vor allem Beleuchtung, Kontraste und Schattenwurf. Passend dazu liegen in den Vitrinen fantastische Zeichnungen, die den künstlerischen Weg von der ersten Skizze über die Tuschezeichnung bis zur Koloration zeigen. Auch das digitale Illustrieren wird per Film erklärt. Spannend für Eltern und Kinder!

Da bekommen wir direkt Lust zu zeichnen. Im Obergeschoss schlängeln wir uns an einem historischen Zeitstrahl entlang, der die zweidimensionalen Comic-Welten in dreidimensionalen Räumen begehbar macht. Mia ist fasziniert – und nimmt an einem zweidimensionalen Tisch Platz.
Die Geschichte der Comic-Kultur – am Zeitstrahl erklärt
Sofie entdeckt ihre frühere Lieblingsserie „Yakari“ und stellt beim Blick auf den Zeitstrahl fest: „Der erste „Tim-und-Struppi-Band kam schon in den 40ern raus.“ Sie staunt, dass keine zehn Jahre später pro Woche bereits 500.000 Ausgaben des weltweiten Bestsellers gedruckt wurden.

Überhaupt: Belgien scheint ein Zentrum für Comickünstlerinnen und -künstler zu sein – genau wie Frankreich. „Unbekannte Künstler, die in belgischen Comic-Verlagen veröffentlichen, haben international einen tollen Ruf“, fahre ich mit meiner Übersetzung fort. An Stellwänden sehen wir zahllose Comic-Cover – nach Jahrzehnten sortiert – und diskutieren angeregt deren Design.
Brüssel: Comic-Schätze ohne Ende
Dabei überwältigt uns vor allem eines: die Vielfalt der Comic-Genres. Es gibt Kinder-Comics, Erwachsenen-Comics, heroische Comics mit Heldengeschichten, kosmische Comics, die im Universum spielen, historische Comics, in denen man etwas über Geschichte lernt, aber auch künstlerische und moderne Comics, in denen aktuelle Themen verarbeitet werden.

„Eigentlich kann man wirklich jedes Thema als Comic verpacken“, stellt Mia bewundernd fest. Klar, dass wir nach dem Besuch dieser Ausstellung sofort unsere Tablets herausholen – und erstmal eine Zeichenstunde einlegen.














