Kaiserwinkl: Familienspaß in Tirol

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Gleich hinter der deutsch-österreichischen Grenze finden Familien viele Ferien-Highlights: Hier könnt ihr mit euren Kindern Kräuter suchen und Fledermäuse beobachten. Und die Mutigen unter euch wagen sich auch noch auf eine wilde Bootstour …

Kaiserwinkl in Tirol – das ist ein ganz besonderer Winkel der Welt. Ein Winkel, der gleich um die Ecke liegt: Von Deutschland aus muss man nur einmal über den Berg rüber – und schon ist man da. In einer Region, die von zackigen Bergriesen und sanften Hügeln umrahmt ist. Wie stille Riesen wachen die Chiemgauer Alpen über die Region, die aus vier Orten besteht: aus Kössen, Walchsee, Schwendt und Rettenschöss. Mittendrin ruht malerisch der türkisblaue Walchsee, und durch das gesamte Tal schlängelt sich die glasklare Ache mit ihren kleinen und größeren Stromschnellen.

Wie hier am Taubensee schmilzt der letzte Schnee hier mitunter erst im Sommer © Christiane Flechtner

Unterwegs mit einer Kräuterhexe

Morgens um 10 Uhr sind wir schon auf den Beinen. Im Rahmen der Kreativen Sommerwerkstätte begebe ich mich mit einigen Familien auf die Spuren von Kräutern, Blüten & Co. Von der Almhütte geht es mit Kräuterhexe Steffi auf einen Kräuterspaziergang. Steffi heißt mit richtigem Namen Stephanie Hager, und sie weiß, wovon sie auf Kräuterwanderungen spricht. Schließlich ist sie Erlebnis-, Kräuter- und Waldpädagogin und beschäftigt sich das ganze Jahr über mit Kräutern. „Im Frühjahr, Sommer und Herbst sammle ich sie, und im Winter bereite ich Cremes oder Tinkturen zu“, erzählt die Kräuterhexe. Kurz darauf zeigt Steffi schon auf die erste Pflanze, auf eine mit violetten Blüten. „Das ist wilder Thymian, auch Quendel genannt“, sagt sie, zerreibt einige der Blüten in der Hand und lässt Eltern und Kinder nacheinander daran schnuppern.

Die Kräuterhexe Steffi öffnet Kindern und Eltern die Augen für Kräuterpflanzen © Christiane Flechtner

Nun wissen Eltern und Kinder:
Thymian ist gut gegen Erkältungen

Natürlich dürfen die Kinder ihre Ernte auch selbst schneiden und probieren © Christiane Flechtner

Ein kräftiger Thymiangeruch macht sich auch in meiner Nase breit, ich atme tief ein. „Das ist gut gegen Husten und Erkältung“, sagt Steffi. Der siebenjährige Fynn fängt gleich an, die kleinen Blüten zu zupfen und in eines der Körbchen zu legen, die wir dabei haben. Später legen wir noch Schafgarbe, Majoran, Brennesselsamen, lila Kleeblüten, Löwenzahnblätter und Spitzwegerich dazu, bevor es zurück zur Hütte geht. Dort beginnen alle kleinen und großen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Verarbeitung der gesammelten Werke: Blätter werden gehackt und zerkleinert, Blumen geschnitten und die Blüten des Klees herausgezupft.

Zum Mittagessen gibts Couscous-Salat mit selbst gesammelten Kräutern

Unglaublich lecker und gesund: Couscous-Salat mit selbstgepflückten Kräutern © Christiane Flechtner

Der Duft nach wildem Majoran, Thymian und anderen frischen Kräutern hängt in der Luft. Steffi stellt einen grünen und einen gelben Couscous-Salat auf den Tisch, beide hat sie vorbereitet, um sie nun mit frischen Kräutern verfeinern zu lassen. Gemeinsam genießen alle das leckere gesunde Essen und plaudern über Kräuter und Pflanzen. Was wir wohl zu Hause sammeln können, um unsere Salate und Gerichte zu verfeinern? Werden wir Thymian und Majoran auch finden? Zumindest in einem Punkt sind alle sich schnell einig: Unkraut gibt es nicht – jede Pflanze hat ihre Wirkstoffe und ihren Sinn. 

Kreativ und abwechslungsreich: das Familienprogramm der Region

Die Wanderung mit Kräuterhexe Steffi gehört zu den Kreativen Sommerwerkstätten in Kaiserwinkl. Dahinter verbirgt sich das Kinder- und Familienprogramm der Region, das jedes Jahr in den Sommermonaten stattfindet. Weitere Highlights: das Kids-Canyoning, ein Kletterkurs in der Kletterarena Ottenalm und ein Parcours- und Trampolin-Workshop. Auch Brotbacken am Fleckenhof, eine Bastelwerkstatt und die Abendveranstaltung „Spuk im Moor“ gehören dazu.

Auch im Waldschwimmbad Kössen kann man einen herrlichen Urlaubstag genießen © Christiane Flechtner

Selbstgemacht und superlecker: Butter

Echte Handarbeit: selbstgemachte Butter © Christiane Flechtner

Die Kräuterhexe Steffi erklärt Familien auch, wie Butter zu Großmutters Zeiten hergestellt wurde. Eigentlich braucht man dazu nur ein altes Butterfassl und eine größere Menge Sauerrahm. „Milch ist schon ein toller Stoff“, sagt Steffi Hager in die Runde. „Aus ihr kann man Quark und Sahne, Joghurt und Käse, Buttermilch, Molke, Butterschmalz und Butter herstellen.“ Steffi füllt Rahm ins Butterfassl, in dem er geschleudert wird. Irgendwann ist es dann soweit: Der Rahm ist zu einer homogenen, geschmeidigen gelben Masse geworden – zu Butter! Jetzt fehlen nur noch ein paar Kräuter, Spitzwegerich, Löwenzahn, Giersch oder Schnittlauch – und dann gibt es frisches Brot mit selbstgemachter Butter. Lecker!

Die Region Kaiserwinkl
200 Kilometer markierte Wanderwege gibt es hier und 180 Kilometer Radwege, dazu noch rund Mountainbike-Routen auf 125 Kilometer Länge. Auch auf dem Berg habt ihr die Qual der Wahl: Rund 30 Hütten verlocken zur Einkehr. Und wer nicht biken oder wandern möchte, versucht es im Kaiserwinkl mit Golf, Tennis, Wassersport oder Funsport (Skater Park, Beach-Volleyball-Anlage, Sommerrodelbahn etc.).

Zu Besuch beim Großen Mausohr

Aufregend und lehrreich geht es bei der Fledermausnacht im Kaiserwinkel zu © TVB Kaiserwinkel

Ein weiteres Highlight im Kaiserwinkl-Familienprogramm: die Fledermausnacht. Hier können Eltern und Kinder den kleinen Flattertieren ganz nah sein. „Wenn man die Fledermäuse und Flughunde zusammenzählt, gibt es auf der Welt über 1.200 verschiedene Arten“, erklärt die Biologin und Fledermaus-Spezialistin Petra Schattanek, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Sophie Riccabona die nächtliche Führung leitet. „In Tirol leben allein 24 – und alle sind Insektenfresser“, fügt sie hinzu. Und dann lernen wir, dass hier die Zwergfledermaus, das Große Mausohr und die Langohrfledermaus unterwegs ist. Und dass sich im Kirchendach in Walchsee die größte Wochenstube des Großen Mausohrs befindet. Mehr als 300 Muttertiere leben dort mit je einem Jungtier, die hier geboren und aufgezogen werden.

Mit Paddelkraft geht’s rüber nach Bayern

Nächster Programmpunkt für Familien: ein richtiges Rafting-Abenteuer! Los geht’s bei Kössen am Ufer der Ache. Nach ein Trockenübungen wagen wir uns rauf auf den Fluss. „Wir werden etwa acht Kilometer flussabwärts fahren und die Entenlochklamm passieren – ein zweieinhalb Kilometer langes Durchbruchstal des Leukentals“, erklärt unser Guide Mike Fahringer die Strecke, die bereits seit mehr als drei Jahrzehnten als Kajak- und Kanuroute bekannt ist. „Da werden wir dann die Staatsgrenze überqueren.“ Die Gischt spritzt gleißend weiß auf, als das Stechpaddel ins Wasser der Tiroler Ache eintaucht. „Immer im Rhythmus“, ruft Mike, und brüllt dann laut weiter: „vor, vor, vor…!“ So gibt er das Tempo vor und leitet das Schlauchboot sicher durch die Stromschnellen – bis wir im bayerischen Schleching wieder sicher am Ufer ankommen.

Ein echtes Highlight: mit der Familie beim Rafting Natur und das Abenteuer erleben © TVB Kaiserwinkel

Weitere Infos zur Region gibt’s hier!

Christiane Flechtner

Christiane Flechtner ist auf Norderney aufgewachsen, heute wohnt sie in Berlin. Als Journalistin und Reise- und Wildtierfotografin ist sie in vielen Ländern unterwegs, auch für die Tierschutzorganisationen WWF und Vier Pfoten. Sie arbeitet unter anderem für die Welt, die Badischen Neuesten Nachrichten, das Nordeuropa-Magazin Nordis und Ein Herz für Tiere.

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