„Ich kann die Berge sehen!“, ruft Theodor (7), kurz nachdem wir unser Zimmer betreten haben. Er steht am Fenster und schaut über die angrenzende Wiese in die Ferne, wo sich das Nebelhorn bis auf 2.224 Meter in den blauen Himmel erhebt. Theodor klebt mit seiner Nase am Fenster, bewundert die Umgebung und die weißen Schneemützen der Berggipfel.

Familienurlaub in Oberstdorf im Allgäu, ganz genau: in der Jugendherberge Oberstdorf. Hier haben wir uns für die kommenden sieben Tage einquartiert. Warum? Weil bayerische Jugendherbergen top Domizile für Familien sind. Und weil diese Herberge durch ihre Lage mit den kurzen Wegen zu vielen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten einen prima Ausgangspunkt bildet.

Jugendherberge Oberstdorf – Haus in top Lage
Die Oberstdorfer Jugendherberge liegt idyllisch außerhalb des Dorfs im Ortsteil Kornau. Von hier aus können wir zu Fuß über ein paar Feld- und Waldwege schnell das Tal der Breitach mit ihrer beeindruckenden Schlucht erreichen. Auch das Söllereck liegt gleich um die Ecke, es gilt als Hausberg der Jugendherberge und lockt kleine und große Skifahrerinnen und -fahrer.

Dorthin zieht es uns am nächsten Tag. Bis zur Talstation der Söllereckbahn fahren wir mit dem Bus. Aurelia und meine Frau Nele leihen sich an der Talstation die Skiausrüstung, um auf den familienfreundlichen Pisten des Söllerecks ihr Können auf den Brettern aufzufrischen.

Gemeinsam fahren wir mit einer der modernen 10er-Gondeln aufwärts, dem Gipfel und dem blauen Himmel entgegen. „Juhu, endlich mal wieder Skifahren“, ruft Aurelia, als wir an der Gipfelstation aussteigen und sie auf die frisch präparierte Piste blickt, die sich vor ihren Skispitzen erstreckt.
Traumhafte Winterwanderwege und top Skipisten
Theodor, Anton und ich entscheiden uns für einen der Winterwanderwege, der an der Bergstation des Söllerecks beginnt. Wir spazieren durch verschneite Tannenwälder und über glitzernd weiße Bergwiesen und genießen die herrlichen Ausblicke auf die umliegenden Berge des Stillachtals.

An der schönsten Stelle verspeisen wir unser üppiges Lunchpaket, das aus belegten Brötchen, Obst und Müsliriegeln aus der Jugendherberge besteht. Danach bauen wir Schneefiguren und bestaunen viele kleine Wasserfälle.
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Irgendwann passieren wir die Heini-Klopfer-Skiflugschanze, eine der größten Skiflugschanzen der Welt, die weit über die Baumwipfel ragt. Der freistehende und schräg in die Luft ragende Schanzenkopf ist eine architektonische wie statische Meisterleistung und wird im Ort auch liebevoll „schiefer Turm von Oberstdorf“ genannt. Doch für die Aussichtsplattform ist es uns zu kalt, so wandern wir weiter, am zugefrorenen Freibergsee vorbei. „Können wir hier nicht mal im Sommer hinfahren?“, fragt Theodor bei dem Anblick des Sees.

Bayerische Jugendherbergen: Graubrot war gestern!
Zurück in der Unterkunft, erkunden wir am späten Nachmittag die verschiedenen Spielzimmer der Jugendherberge. Da stehen Billard- und Kickertische, im Keller noch eine Tischtennisplatte. Im Aufenthaltsraum für Familien gibt es zahlreiche Gesellschaftsspiele, so vergeht die Zeit bis zum Abendessen bei UNO im Flug. Da stelle ich schnell fest: Graubrot war gestern! Hier werden verschiedene, auch vegetarische Gerichte serviert, dazu ein knackfrisches Salatbuffet, leckere Germknödel, Apfelstrudel und vieles mehr.

Am nächsten Morgen füllen wir unsere Trinkflaschen an der Bergquellwasserzapfanlage direkt neben dem Speisesaal der Jugendherberge. Aurelia holt noch schnell ihre Skier aus dem Skikeller, dann geht es los zum Nebelhorn.
Der Berg liegt von der Jugendherberge aus auf der gegenüberliegenden Seite von Oberstdorf und begrüßt uns – entgegen seines Namens – mit sattem Sonnenschein. Also nutzen wir unsere Skipässe der Zweiländer-Skiregion, die sich über sieben Gipfel rund um Oberstdorf und im Kleinwalsertal erstreckt, um auf den höchsten Punkt der Skiregion zu gelangen.

Nebelhorn: Berg mit atemberaubenden 360-Grad-Alpenpanorama
An der Gipfelstation des Nebelhorns lassen wir unsere Blicke auf den verschiedenen Aussichtsplattformen über ein atemberaubendes 360-Grad-Alpenpanorama schweifen. „Wow, ist das schön!“, staunen wir angesichts des fantastischen Anblicks der schneebedeckten Gipfel. Eine Bergspitze reiht sich an die andere, und in weiter Ferne lässt sich heute sogar die Zugspitze ausmachen.

So hadern wir überhaupt nicht damit, dass die Gipfelbahn wegen eines technischen Defekts steht und wir zwei Stunden hier oben bleiben müssen. Wir genießen einfach weiter die Aussicht – stets in guter Gesellschaft einiger Alpendohlen, die uns in einer beeindruckenden Show ihre Flugkünste in den Aufwinden vorführen und sich dafür gelegentlich eine kleine kulinarische Belohnung von den Tischen stibitzen.
Funpark an der Mittelstation Seealpe: Spaß für die ganze Familie
Irgendwann nimmt die Gipfelbahn wieder ihren Betrieb auf und wir landen kurz darauf im Funpark an der Mittelstation Seealpe. Hier steht uns ein riesiges Sortiment an Schlitten, Snowbikes und Monoski zur Verfügung. Steve, der den Funpark betreut, gibt uns eine kurze Einweisung in die Geräte, wünscht uns jede Menge Spaß – und schon saust ein Familienmitglied nach dem anderen die Piste hinunter. Nach mehreren Abfahrten, Bruchlandungen und einer Riesengaudi haben wir alle unsere Lieblingsgeräte gefunden und verabschieden uns schweren Herzens, um die letzte Gondel Richtung Oberstdorf zu erwischen.

Hüttenfeeling mit Kaiserschmarrn, Kräutertee und heißem Kakao
Am nächsten Tag macht das Nebelhorn dann doch noch seinem Namen alle Ehre. Dicke Wolken kleben an den Bergen, ein forscher Wind bläst Regenschauer durch das Tal. „Bei dem Wetter sollen wir uns mit Schneeschuhen durch die Landschaft kämpfen?“, fragen die Kinder unisono. Bettina, die uns heute in die Faszination des Schneeschuhwanderns einführt, hat alles andere als einen leichten Job. Wir stapfen vom Parkplatz der Fellhornbahn entlang der Loipe durch das Stillachtal, über verschneite Weiden geht es durch schweren und nassen Schnee bis nach Birgsau.

Die Kinder machen unter ihren dicken Mützen lange Gesichter? „Wie lange noch?“, vernehme ich zwischendurch immer mal wieder mir vertraute Stimmen. Zum Glück war Bettina so vorausschauend, im Landgasthof schon einmal einen Tisch für die kleinen und großen Tourteilnehmerinnen und -teilnehmer zu reservieren. Bei Kaiserschmarrn, heißem Kakao und hauseigenen Kräutertees lassen sich die theoretischen Informationen über Ausrüstung, achtsamen Umgang im Gelände und die Schönheiten des Scheeschuhwanderns an diesem Tag einfach besser erörtern als draußen im Regen.

Nächster Programmpunkt: die Sturmannshöhle in Obermaiselstein, um die sich in früheren Zeiten so allerlei Sagen um Goldschätze, Drachen und holde junge Damen drehten. Heute ist diese einzige begehbare Höhle im Allgäu ganz gefahrlos per Führung zu erkunden. Allerdings müssen alle außer Theodor gelegentlich den Kopf einziehen. Ganze 290 Meter weit und 70 Meter tief dringen wir in die Höhle vor und stehen am Ende vor einem mit farbigen LED beleuchteten Höhlensee. Wir haben Glück und entdecken eine der Fledermäuse, die hier ihren Winterschlaf halten.

Oberstdorf: 1A-Winterziel für Familien!
Was noch auf unserer Bucketlist steht? Der Schattenberg, wo jene Skischanzen stehen, auf denen alljährlich die Vierschanzentournee eröffnet wird. „Das ist ja fast wie eine Achterbahnfahrt“, stellt Theodor eine Spur ehrfürchtig fest, als wir mit dem gläsernen Athletenaufzug schräg nach oben Richtung Schanze sausen. Wir werfen ehrfürchtige Blicke auf die Anlage. „Möchte jemand mal einen Probesprung wagen?“, frage ich, wohlwissend, dass das nicht zur Debatte steht. Die Antwort: allgemeines Kopfschütteln.

Oben angekommen, spähen wir alle nacheinander durch das Fernrohr. Vor uns erstrecken sich Oberstdorf, das Illertal im Norden und die Allgäuer Alpen im Süden. Unsere Jugendherberge versteckt sich hinter ein paar Bäumen. Was für ein Ausblick!, denke ich still, während die Kinder auf der Trainertribüne unbeholfene Sprungübungen absolvieren. Was für ein schöner Flecken Erde. Und dank der Jugendherberge Oberstdorf auch noch erschwinglich für Familien!















