38 Grad am Nachmittag, kaum Schatten auf dem Spielplatz, das Meer fühlt sich wie Badewasser an und selbst das Eis schmilzt schneller, als die Kinder es essen können. Für viele Familien gehört das inzwischen zum Sommerurlaub dazu. Genau deshalb entscheiden sich immer mehr Eltern bewusst gegen Europas Süden – und für angenehmere Temperaturen im Norden. Doch die Reaktionen auf solche Pläne fallen nicht immer positiv aus.
„Wirklich? Da wollt ihr hin?“ Meine Freundin runzelt die Stirn und schiebt nach kurzem Zögern ein „Cool!“ hinterher. Aus Höflichkeit. Was ich gesagt habe? Dass wir im Sommer nicht nach Italien, Spanien oder Kroatien reisen, sondern nach Irland, Estland oder in die Niederlande. Heute nennt man das Coolcation – eine Mischung aus „cool“ (kühl) und „vacation“ (Urlaub). Wir waren schon Fans, bevor es einen Namen dafür gab.

Die besten Coolcation-Reiseziele: Dänemark, Schweden, England & Co
Statt in der Sonne zu brutzeln, sind wir mitten im August durch Hochmoore gestapft, haben Nationalparks mit dem Rad erkundet oder den Kindern einen heißen Kakao mit Schlagsahne und Marshmallows spendiert. Sonnenbrand? Gab es keinen – außer in Helsinki, da war es tatsächlich überraschend warm. Dafür kam das Stirnband mitunter öfter zum Einsatz als die Badehose. Erfrischend war auch das Meer. Richtig angenehm und nicht so aufgeheizt wie ein Baby-Planschbecken im Hochsommer. Und die Einheimischen empfangen uns oft freundlich, hilfsbereit und überhaupt nicht genervt vom Sommertourismus. Ja, auch so geht Urlaub!
Klassischer Sommerurlaub oder Coolcation? Der direkte Vergleich für Familien
| Klassischer Sommerurlaub im Süden | Coolcation in Nordeuropa |
|---|---|
| Temperaturen oft zwischen 35 und 40 °C | Meist angenehme Temperaturen zwischen 18 bis 25 °C |
| Ausflüge oft nur morgens oder abends möglich | Wandern, Ausflüge etc. den ganzen Tag |
| Spielplätze und Strände in der Mittagshitze kaum nutzbar | Kinder können auch mittags draußen spielen |
| Hoher Sonnenschutz nötig, häufiges Eincremen | Weniger Hitzestress und geringeres Sonnenbrandrisiko |
| Warme Nächte erschweren vielen Kindern und Eltern das Einschlafen | Kühlere Nächte sorgen oft für besseren Schlaf |
| Häufig überfüllte Strände und Sehenswürdigkeiten | Mehr Ruhe und Platz in der Natur |
| Viel Zeit am Pool oder im Schatten | Aktivurlaub mit Wanderungen, Kanutouren oder Tierbeobachtungen |
Natürlich hat auch ein Badeurlaub am Mittelmeer seinen Reiz. Wer jedoch mit kleineren Kindern reist oder große Hitze schlecht verträgt, erlebt einen Urlaub in Skandinavien, Schottland oder dem Baltikum oft deutlich entspannter. Statt den Tagesablauf nach der Mittagshitze auszurichten, können Familien ihre Zeit flexibel gestalten – ob beim Wandern, Radfahren, Kanufahren oder beim Erkunden kleiner Küstenorte.

Doch auch andere Länder wie Island, Dänemark oder Schweden erleben einen Aufschwung. Eine Umfrage des Tourismusverbands Visit Sweden ergab, dass rund ein Drittel der Befragten seine Reisepläne wegen der zunehmenden Hitze in Südeuropa geändert hat.
Coolcation-Trend – perfekt für Familien
Aber: Ein Nordtrip ist kein Selbstläufer. Zum einen – da spreche ich aus Erfahrung – erntet man nicht nur Jubel, wenn man beim Abendessen feierlich verkündet: „Dieses Jahr geht’s nach Estland statt nach Kreta!“ Fügt man noch fröhlich hinzu, dass man sich bereits die besten Wanderrouten herausgesucht hat, hebt das die Stimmung auch nicht. Und das Packen fordert ebenfalls mehr Denkarbeit: T-Shirts, Badeanzug und Flipflops müssen mit, aber eben auch Pullis, Regenjacken und feste Schuhe. Und ja, es kann vorkommen, dass ein Ausflug ins Wasser fällt oder die Kinder jammern. Und trotzdem lohnen sich Coolcations!

Warum Coolcation 2026 aktueller ist denn je
Noch vor wenigen Jahren galt der klassische Sommerurlaub am Mittelmeer für viele Familien als gesetzt. Inzwischen denken jedoch immer mehr Eltern um. Statt möglichst viel Sonne suchen sie bewusst Reiseziele mit angenehmen Temperaturen, viel Natur und abwechslungsreichen Outdoor-Aktivitäten. Der Begriff Coolcation beschreibt genau diesen Wandel: Urlaub dort, wo der Sommer nicht von Hitzewellen bestimmt wird. Ein Grund dafür sind die zunehmend heißen Sommer in vielen beliebten Urlaubsregionen Europas. Temperaturen von deutlich über 35 Grad sind in Italien, Spanien oder Griechenland längst keine Ausnahme mehr. Gerade für Familien mit kleinen Kindern kann das den Urlaub anstrengend machen: Ausflüge müssen auf die frühen Morgenstunden verlegt werden, auf Spielplätzen ist es oft zu heiß und selbst der Strand verliert bei extremer Hitze seinen Reiz.
Gleichzeitig entdecken immer mehr Familien Reiseziele, die früher eher als Geheimtipp galten. Regionen in Schweden, Dänemark, Norwegen oder Schottland punkten mit angenehmen Sommertemperaturen, viel Platz in der Natur und einer großen Auswahl an Aktivitäten, die den ganzen Tag über möglich sind. Statt den Urlaub nach der Hitze zu planen, können Familien ihre Zeit deutlich flexibler gestalten. Eine Coolcation bedeutet dabei nicht, auf Sommer oder Badeurlaub zu verzichten. Viele nordische Seen und Küsten laden ebenfalls zum Schwimmen ein – nur eben meist bei Temperaturen, die Bewegung, Ausflüge und Erholung besser miteinander verbinden.
Coolcation: Schweden und Dänemark hoch im Kurs
Auch wir merken diesen Trend bei Lumao deutlich. Reportagen aus Schweden, Dänemark oder von der deutschen Ostseeküste gehören inzwischen regelmäßig zu unseren meistgelesenen Sommerartikeln. Viele Familien suchen heute nicht mehr den heißesten Urlaubsort, sondern einen Ort, an dem Kinder auch im Juli den ganzen Tag draußen spielen, wandern oder Rad fahren können.

Fünf gute Gründe für eine Coolcation im Norden
1. Coolcation garantiert Sport ohne Schwitzen
Am Strand liegen, in den Pool springen oder einfach nichts tun – für viele mag das nach dem perfekten Urlaub klingen. Aber ein oder zwei Wochen lang? Ich persönlich brauche Abwechslung und Erlebnisse, die mir noch lange in Erinnerung bleiben. Wie unsere Radtour durch den Killarney Nationalpark in Irland – Aktivurlaub und Zeitreise in einem. Damals waren unsere Töchter sechs und neun Jahre alt, die Räder haben wir uns vor Ort geliehen.

Manchmal fuhren wir ratternden Pferdekutschen hinterher, dann wieder den See entlang oder durch idyllische Waldgebiete. Den ersten Zwischenstopp legten wir bei einer alten Kirchenruine mit Friedhof ein. Und auch für das Muckross House, ein Museum, das einst als herrschaftlicher Ansitz diente, nahmen wir uns Zeit und bekamen einen Einblick ins Leben der Adeligen im 19. und 20. Jahrhundert. Am Abend waren die Kinder zwar fix und fertig und unsere Jüngste wäre beim Heimradeln beinahe eingeschlafen. Doch es sind Ausflüge wie dieser, an die wir auch Jahre später noch gerne zurückdenken.
2. Museumsbesuche: Berühren erlaubt
Schönwettergarantie gibt es im Norden nicht, dafür bieten viele Städte ein abwechslungsreiches Schlechtwetterprogramm für Familien an, das Museum Escher im Palast in Den Haag zum Beispiel. Dort sind mehr als 120 Drucke des niederländischen Künstlers M. C. Escher zu sehen, darunter einige seiner bekanntesten Werke. Doch nicht nur für uns Eltern war das Museum eine gute Wahl, auch für die Kinder war es spannend: speziell der interaktive Teil des Museums im zweiten Stock, wo sich Säle voller optischer Täuschungen befinden, Wände, die sich bewegen und verändern und ein magischer Fußboden. Eine angenehme Abwechslung, einmal in Ruhe durch ein richtiges Museum (kein Kindermuseum) schlendern zu können, ohne von quengelnden Kindern angetrieben zu werden.

3. Irland, Estland & Co: Urlaub mit Aussicht
Estlands Hochmoore, die Grachten in den Niederlanden oder Irlands raue Küsten mit ihren steilen Klippen und peitschenden Wellen sind atemberaubend. Und manchmal steht man einfach nur da, staunt und fühlt sich in eine andere Welt oder Zeit versetzt. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns die Kerry Cliffs am Ring of Kerry, einer der bekanntesten Panoramastraßen im Südwesten Irlands. Sie bieten einen freien Blick auf die Skelligs, zwei Inseln, die durch die Star Wars Filme „Das Erwachen der Macht“ und „Die Letzten Jedi“ weltweite Berühmtheit erlangten. Auf Skellig Michael, der größeren der beiden, zog sich einst Luke Skywalker ins Exil zurück.

4. Coolcation macht’s möglich: Stadtführungen bei angenehmen Temperaturen
Mit euren Kindern eine Stadt erkunden? In vielen südeuropäischen Städten ist das eine schweißtreibende Angelegenheit, im Sommer oft auch eine Qual. Im Norden dagegen lässt sich Kultur viel entspannter erleben. Wir haben in Helsinki eine Stadtführung gemacht und von einem Guide viel über die Geschichte, Kultur, Sprache und die Mentalität der Finnen gelernt, zum Beispiel, dass die Sauna in Finnland so wichtig ist, dass sie von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt wurde. Mehr als drei Millionen Saunen soll es landesweit geben – und das bei nur etwa 5,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Wer möchte (und bereit ist, 240 Euro zu bezahlen), kann sogar im Riesenrad in Helsinki in der Skygondel schwitzen, 40 Meter über der Hauptstadt.

5. Coolcation mit Kindern: Hunger statt Hitze
Was uns wirklich positiv überrascht hat: das Essen. Zugegeben, es ist nicht immer günstig – in Helsinki kann eine Kugel Eis schon mal 5 Euro kosten. Aber egal, ob in Howth, einem kleinen Fischerdorf östlich von Dublin mit seinen gemütlichen Cafés und Fischrestaurants oder im estnischen Kurort Haapsalu: Wir haben jeden einzelnen Bissen genossen. Noch leichter tut man sich, wenn die Kinder jünger sind. Da reichen oft schon eingangs erwähnter Kakao oder ein Eis – und Regenwetter sowie lange Spaziergänge sind schnell verschmerzt und vergessen.

Fazit: Coolcation mit Kindern – eine 1A-Idee
In die Alpen statt nach Apulien reisen, nach Skandinavien statt nach Spanien – der Sommerhitze entfliehen und in kühleren Regionen den Sommerurlaub verbringen: Für unsere Autorin Kim steht fest: Urlaub in kühleren Regionen kann unglaublich erfrischend sein. Hier kann sie mit ihrer Familie viel besser abschalten, auftanken und sich vom Alltag erholen als in brütender Sommerhitze.
Ideal für Coolcation mit Kindern (ausgewählte Beispiele):
- Bornholm mit Kindern: 7 Ausflüge und Tipps für euren Familienurlaub auf der Sonneninsel
- Auszeit im Tinyhaus: Familienurlaub im Tiny SeaSide Skarrev in Dänemark
- Fünen mit Kindern: Warum die „Märcheninsel“ das perfekte Ziel für euren Familienurlaub ist
- Familienurlaub: Mit dem Wohnmobil durch Schweden
Hinweis der Redaktion: Diesen Artikel haben wir im Sommer 2026 umfassend aktualisiert und um aktuelle Entwicklungen sowie neue Reiseempfehlungen ergänzt.














