Urlaub an der Schlei: Stadt, Land, Fjord

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Die langen Strahlen der Frühlingssonne streifen über das Gras, werfen fahle Strahlen über das Wasser und vertreiben ganz allmählich den Morgennebel, der auf der Schlei und über dem kleinen Ort Missunde hängt wie eine Decke. Nikos nimmt einen tiefen Schluck Tee aus seiner Tasse und zieht seine Jacke zu. „Es ist ein guter Tag heute“, sagt er und deutet auf eine Plastiktüte neben seinen schweren Gummistiefeln. „Die Barsche beißen.“

Immer idyllisch, immer fischreich, immer nah am Wasser – die Schlei ist ein Meeresarm der Ostsee

Ein ideales Angelrevier: die Schlei

Nikos, ein Grieche in den Fünfzigern, hat sein Herz an diesen norddeutschen Landstrich verloren, schon vor Jahren. „Moment“, sagt er und zieht die Angel ein. „Schon wieder einer.“ Der Barsch zappelt, er nimmt ihn ab, ein kurzer Schlag auf den Fischkopf, dann wirft er ihn zu den anderen in die Tüte, sagt, dies sei schon sein Zwölfter heute, „die schmecken wunderbar, meine Frau friert sie portionsweise ein.“

Wer an der Schlei angeln geht, muss einen Urlaubsfischereischein erwerben

Zeit für meinen Sohn, seine Angeln bereitzumachen. „Welchen Köder nehmen Sie denn?“, fragt Tim und breitet seine Utensilien neben Nikos aus. Der schiebt ihm ein Schälchen kleiner, weißer Maden rüber, erzählt von den Barschen, die gerade schleiaufwärts schwimmen, um dort abzulaichen. „Die sind richtig hungrig“, sagt Nikos, grinst breit, und zieht den nächsten raus.

Kleine Städte, unberührte Natur und watteweiche Strände

Für ihren Fischreichtum ist die Schlei bekannt. Für die Barsche, die jetzt im Herbst so zahlreich beißen und für die Heringe im Frühjahr. Für Aal, Butt und Zander. „Aber natürlich gibt es hier auch noch anderes“, tröste ich meine Tochter, die für Fische nichts übrig hat. Was? Wir sitzen im Cafégarten des Missunder Fährhauses, rühren im Kaffee und Kakao mit Schlagsahne, während ich die Schokoladenseiten der Schlei aufzuzählen versuche: kleine, verträumte Städte und reichlich unberührte Natur. Watteweiche Strände ganz in der Nähe und kleine sandige Nischen an jeder Ecke. Und nicht zu vergessen: jede Menge Wikinger.

Im Cafégarten des Missunder Fährhauses hat man die Schiffe auf der Schlei stets im Blick

Ein Meeresarm – wie geschaffen für den Familienurlaub

Die Schlei. Wie ein riesiger Finger gräbt sich der Meeresarm fast 43 Kilometer weit ins schleswig-holsteinische Land, zerschneidet das wellige Grün, das die Eiszeit-Gletscher zu Hügeln zusammengeschoben haben. An den Ufern wuchert blondes Schilf.



Schwarze Kormorane kreisen in der Luft. Hier und da ragt ein hölzerner Steg ins Wasser, „ja, die Schlei ist wie geschaffen zum Segeln“, wird mir später ein Segler bestätigen, der an Missundes Kaimauer festgemacht hat. „Wissen Sie, wie viele Häfen es an der Schlei gibt? 42!“

Für segelnde Familien ein ideales Segelrevier: der geschützte Meeresarm

Anis und Kappeln: Für Eltern und Kinder gibt es viel zu entdecken

Einer davon ist Marina Hülsen. Früher standen hier Zelte und Wohnwagen, inzwischen ducken sich hier mehr als 20 Ferienhäuser ins Schilf. Ich schaue aus dem Fenster unseres Feriendomizils. Die Schlei gurgelt vorbei. Man hört das leise Rauschen des Schilfs und das Knistern des Kaminofens.

Klar, Ferienhäuser in erster Reihe mit Blick auf die Schlei sind begehrt

Morgen, denke ich, fahren wir nach Arnis, in die kleinste Stadt Deutschlands, deren grob gepflasterte Straße durch Kopfweiden und kleine, postkartenschöne Häuschen gesäumt ist. Und Kappeln steuern wir auch noch an, den Ort mit seiner Klappbrücke, die sich jede Stunde öffnet, um den Segelschiffen Einlass in das Schleirevier zu gewähren. Und Schleswig natürlich.

Schleswig steuern wir ein paar Tage später an. Wir nehmen bei Missunde die kleine Autofähre, mit deren Hilfe man die Schlei an ihrer schmalsten Stelle überqueren kann. Fahren über Brodersby und Klensby nach Schleswig. „Warum heißen die Orte hier alle so komisch?“, will Tim wissen. Links gräbt sich die Schlei weiter ins Land. Bis sich irgendwann Schleswig vor uns ausbreitet.

Die Pendelfähre bei Missunde muss man mit der Fährklingel herbeirufen

Ein Highlight für Familien: das Wikingermuseum Haithabu

Wer mit Kindern an die Schlei reist, der kommt an Schleswigs Attraktionen kaum vorbei, vor allem nicht an Haithabu. „Sind Wikinger so etwas wie Indianer?“, kommt es von der Rückbank. Ich denke noch über eine Erklärung nach, als wir uns dem Wikinger-Museum Haithabu nähern, wie erklärt man Wikinger? „Naja“, sage ich, „nicht wirklich. Wikinger sind Krieger gewesen, Krieger, die zur See gefahren sind.“

Unter Anleitung eines „Wikingers“ können die Kleinen hier das Bogenschießen probieren

In den folgenden Stunden sehen wir im Haithabu-Museum, was von den Wikingern noch übrig ist, Schmuck und Waffen aus längst vergangenen Zeiten. Schiffsteile, die in der Gegend gefunden wurden, „hier befand sich vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eines der bedeutendsten Handelszentren Nordeuropas“, erklärt ein Museumsmitarbeiter. In den nahe gelegenen Wikingerhütten beobachten die Kinder, wie über offenem Feuer aus Scherben Glasperlen hergestellt werden, sie schießen mit Pfeil und Bogen auf einen hölzernen Dachs und machen Feuer, wie es die alten Wikinger getan haben – mit Eisenstab und Feuerstein…

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Ebenfalls sehenswert: Eckernförde und Damp

Zurück in der Gegenwart, in unserem Ferienhaus in Marina Hülsen. Hasen flitzen durch den Garten, am Wegesrand wuchern Holunder und Brombeere, Enten schimpfen. Man könnte noch Tage bleiben oder Wochen und würde immer wieder neue, unbekannte Seiten der Schlei entdecken.

So zauberhaft wie sehenswert: die Stadt Kappeln mit ihren alten Fachwerk- und Giebelhäusern

Wir schaffen nur noch ein paar Highlights, fahren ins nahe Eckernförde und einmal nach Damp, sehen über die Bausünden hinweg auf den wunderbaren Strand und das Meer. Wandern durch die schmalen Gassen von Kappeln und schlemmen uns auf dem Obsthof Stubbe durch das Tortenangebot.

Das Wasser der Schlei ist wärmer als die Ostsee

Am letzten Tag scheint die Sonne vom blassblauen Himmel. „Das ist warm genug“, beschließt meine Tochter, schnappt sich ihren Badeanzug und steuert die kleine Badestelle ganz in der Nähe unseres Ferienhauses an. Dort, wo sich das Schilf teilt und Platz macht für eine kleine, sandige Nische, stapft sie herein ins Schleiwasser, sagt, „es ist gar nicht so kalt“, lässt die rundgeschliffenen Steine links liegen und schwimmt ein paar Züge. „Siehst du“, wird sie am Abend sagen und mir einen Satz aus einer Schlei-Broschüre unter die Nase reiben, „hier steht’s geschrieben: Die Schlei ist wärmer als die Ostsee.“ Ich nicke still und sage: „Vorausgesetzt, man ist so hartgesotten wie du …“

Kleine Strandnischen zum Baden wie hier in Maasholm gibt es reichlich entlang der Schlei

Auf Lumao gibt es weitere Artikel über Ferien an der Ostsee, zum Beispiel auf Hiddensee und Fehmarn und im Ostseeresort Olpenitz.

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