Ich muss Tom G. umbringen – und zwar mit Kopfhörern. Wie soll mir das gelingen? Und vor allem: Wer ist überhaupt Tom G.? Ich lasse meinen Blick über unsere bunt zusammengewürfelte Reisegruppe schweifen. 15 Familien mit Kindern zwischen neun und 18 Jahren, die sich gerade erst kennengelernt haben, hier auf einem Campingplatz im Westen Sloweniens. Zehn Tage dauert das Familiencamp Slowenien im Sočatal, zu dem ich mich mit meinem Mann Jan und unseren Kindern Jette (16) und Tom (14) angemeldet habe. Zehn Tage gemeinsam wandern, klettern und biken. Und zehn Tage, die mir bleiben, um Tom G. zu überlisten. Das Verflixte daran ist nur: Irgendeiner der 39 Gäste hat es auch auf mich abgesehen.

Eine besondere Art des Familienurlaubs: Aktivurlaub mit Kindern und Jugendlichen
Keine Sorge, ich bin weder eine Auftragskillerin noch in irgendeiner Weise mordlustig. Das „Mörderspiel“ ist einer der Klassiker bei den Familiencamps von Elan Sportreisen – und eine originelle Art, um seine Mitreisenden kennenzulernen. Es ist ganz einfach: Jeder Gast bekommt einen Zettel mit einem Namen und einen weiteren mit einer „Mordwaffe“. Gelingt es mir, Tom G. im Laufe der Reise einen Kopfhörer zu überreichen, scheidet er aus dem Spiel aus – und muss seine Zettel an mich weitergeben. Klingt easy, wird sich aber als eine ziemliche Herausforderung herausstellen. Dabei bin ich ein alter Hase im Game, schließlich ist das schon unser fünfter Sommerurlaub in einem Familiensportcamp. Was allerdings eine Premiere für uns ist, ist das Reiseland: Slowenien.
Sommer in Slowenien: das Elan Familiencamp im Sočatal
Naturgewaltig – anders lässt sich Slowenien nicht beschreiben. Obwohl Slowenien ein Zwerg unter den europäischen Ländern ist (etwas kleiner als Hessen!), schlängeln sich hier mehr als 10.000 markierte Wanderwege über grüne Berge und durch noch grünere Täler, vorbei an glasklaren Flüssen, fast unverschämt türkisfarbenen Seen und tosenden Wasserfällen. Dazu ragen stolze 352 über 2.000 Meter hohe Gipfel in den Himmel. Der höchste unter ihnen: der 2.864 Meter hohe Triglav in den Julischen Alpen. Wir werden während unseres Urlaubs einige davon in Angriff nehmen: Wanderwege und Gipfel. Denn genau hier, am Rande des Triglav Nationalparks, umringt von imposanten Bergen und der plätschernden Soča, findet das Familiencamp Slowenien statt.

Das Campareal mit zentralem Pavillon, großer Terrasse, Bike-Station und Feuerstelle befindet sich auf einem eigenen Bereich auf dem Campingplatz Lazar, etwa zwei Kilometer vom kleinen Ort Kobarid entfernt. Rund um die Gemeinschaftsflächen tummeln sich Mietzelte, die eigenen Zelte und Camper der Gäste sowie drei gemütliche Bauwagen mit Platz für bis zu vierköpfige Familien. Einer davon ist für uns reserviert: der Grüne mit Pavillon, kleinem Tisch, Campingstühlen und Wäscheständer davor. Genau das richtige Urlaubsquartier für Menschen wie mich, die das Campingflair und die Draußenzeit zwar lieben, auf Luftmatratze und Schlafsack aber getrost verzichten können.

Im Familiencamp Slowenien gibt es einen Mix aus Wanderungen, Radtouren und Klettern
„Wir werden die wunderschöne Natur Sloweniens gemeinsam entdecken“, weckt Sabrina nach dem ersten gemeinsamen Abendessen unsere Vorfreude. Die Reiseleiterin ist eine von insgesamt fünf deutschen Teamern, die sich um das Programm kümmern. Außerdem sind Naturköchin Matti und Küchenhilfe Barbara vor Ort, denn zum Familiencamp gehört eine Halbpension Plus mit wirklich üppigem Frühstück, einem reichhaltigen Abendbuffet und der Möglichkeit, sich eine Lunchbox für den Tag zuzubereiten.

„Wir stellen euch jeden Abend das Angebot für den nächsten Tag vor und ihr könnt euch überlegen, worauf ihr Lust habt“, erklärt Sabrina weiter. „Und wenn ihr Kids weder wandern, radeln noch klettern wollt, kommt ihr zu uns ins KJP, dem Kinder- und Jugendprogramm“, ergänzt Marten, ein hochgewachsener junger Mann, der den ganzen Sommer als Gästebetreuer in Slowenien verbringt.

Die Entscheidung für den nächsten Tag ist schnell gefällt, denn ausnahmsweise gibt es zum Kennenlernen nur einen Programmpunkt: eine Wanderung entlang der Soča und über den Hausberg mit Eis-Pause in Kobarid. Die Erwachsenen gehen im Uhrzeigersinn, die Kinder in entgegengesetzte Richtung, weil sie anschließend eine Badepause an der Soča einlegen – und weil es sich ohne Eltern entspannter quatschen lässt.

Toll für Familien mit Teenagern: Sporturlaub in Slowenien
„Der Fluss ist eiskalt“, grinsen Jette und Tom, als sie nachmittags mit nassen Haaren und glücklichen Gesichtern zurück ins Camp kommen, „aber man kann richtig toll von den Felsen reinspringen.“ Eilig schmeißen sie ihre Rucksäcke in den Bauwagen und düsen schon wieder los, weil sie mit ein paar Gleichaltrigen zum Volleyball verabredet sind.

Jan und ich schmunzeln, denn wir kennen das schon aus den Familiencamps auf Korsika, in der Bretagne und in der Provence: Wer im Familiencamp auf viel exklusive Zeit mit seinen Kindern hofft, wird schnell eines Besseren belehrt. Klar, es wird im Laufe des Urlaubs auch Familienmomente geben, etwa beim gemeinsamen Kickerturnier, beim Klettern an schroffen Felswänden oder am Familientag am Stausee in Most na Soči, bei dem sich Eltern und Kinder gleichermaßen mutig ins kühle Nass schaukeln. Und auch am programmfreien Tag, der einmal während der Reise stattfindet, werden wir zu viert unterwegs sein, ins 1,5 Autostunden entfernte Grado am Mittelmeer fahren, um einen sonnigen Tag lang italienisches Dolce Vita zu genießen.

Vor allem aber hat jedes Familienmitglied auch die Möglichkeit, sein eigenes Ding im Sportcamp zu machen. Während unsere Teenager im Kinder- und Jugendprogramm „Capture the Flag“ spielen, am Ufer der Soča chillen, baden und eine Nacht sogar unterm freien Himmel schlafen, erkundet Jan an drei Tagen mit einigen anderen Radlerinnen und Radlern die serpentinenreiche Umgebung auf dem Mountainbike. Und ich? Ich bin glücklich, wenn ich die Wanderschuhe zuschnüren und auf die Berge stiefeln kann.

Elan Familiencamps – Aktivurlaub für sportliche Familien
„Puh, ich hätte nicht gedacht, dass sich 700 Höhenmeter so anstrengend anfühlen“, schnaufe ich, als wir an einem Tag den Matajur an der slowenisch-italienischen Grenze erklimmen. Chiara, eine der Sportteamerinnen und unser heutiger Wander-Guide, grinst verschmitzt: „Könnte sein, dass ich ein bisschen abgerundet habe, aber die Anstrengung lohnt sich, oder?“

Es stimmt: Die Wanderung ist wirklich ein Traum. Auf schmalen, nahezu einsamen Pfaden geht es durch verwunschene Wälder, über karge Felsenmeere und blühende Wiesen, auf denen Kühe träge in der Sonne dösen. Und immer wieder begleitet uns eine fantastische Sicht bis hin zum Mittelmeer, das weit in der Ferne glitzert. „Mama, das ist schließlich ein Familiensportcamp“, lacht Tom, der sich heute mit zwei gleichaltrigen Jungs unserer Wandergruppe angeschlossen hat und scheinbar mühelos den Berg hinaufspaziert. Er hat ja Recht, ich hätte vielleicht ein bisschen mehr trainieren müssen, aber wo sollen wir Norddeutsche das Bergsteigen üben?

Slowenien – ein naturgewaltiges, familienfreundliches Reiseland
Das Wandern wird von Tag zu Tag leichtfüßiger – auch wenn die Touren nicht anspruchsloser werden. Slowenien ist atemberaubend schön, aber gerade im Westen richtig bergig. Und immer wieder verblüfft die Vielseitigkeit dieses kleinen Landes. An den folgenden Tagen wandern wir durch blühende Wiesen und über karge Geröllfelder, auf sonnigen Bergkämmen und im Schatten dichter Wälder.

Mal passieren wir geschichtsträchtige Festungen, mal kleine Kapellen. Und wenn die Waden doch zu sehr zwicken, entscheidet man sich am nächsten Tag einfach für einen anderen Programmpunkt, geht klettern oder radfahren. Oder man klinkt sich einen Tag lang aus dem Programm aus, isst ein Eis in Kobarid oder entspannt am Ufer der Nadiza oder der wilden Soča.

Fazit: Ein Familiencamp ist immer wieder eine gute Idee – für Eltern und Kinder
„Lebst du eigentlich noch?“, fragt mich Jette am letzten Abend, als wir alle zusammen am Lagerfeuer sitzen. Die zehn Tage sind viel zu schnell vergangen und wir schauen alle etwas wehmütig in die zischenden Flammen. Über uns glitzert der Sternenhimmel und immer mal wieder huscht eine Fledermaus über unsere Köpfe hinweg. „Du meinst beim Mörderspiel? Nee, schon lange nicht mehr“, schüttle ich den Kopf, freu mich im Stillen aber, dass ich vorher zumindest Tom G. meine Kopfhörer in die Hand drücken konnte. Vielleicht brauche ich einfach ein bisschen mehr Übung – beim Spiel und beim Wandern. Wie gut, dass es noch ein paar Elan-Familiencamps gibt, die wir bislang nicht ausprobiert haben. „Was haltet ihr eigentlich im nächsten Jahr von Sardinien?“, frage ich meine Familie und blicke in drei zustimmende Gesichter.

Weitere Infos zum Familiencamp in Slowenien
Wann findet das Elan-Familiencamp in Slowenien statt?
Das Familiencamp im Sočatal dauert zehn Tage und findet jedes Jahr mehrmals in den Sommerferien von Juni bis September statt. Buchen könnt ihr hier.

Für welche Familien eignet sich ein Familiencamp bzw. ein Sportcamp für Familien?
Die Camps eignen sich für sportbegeisterte Familien, die Lust auf Bewegung, Natur und Gemeinschaft haben. Auch für Alleinerziehende mit Kind sind Familiencamps wie geschaffen. Wie alt eure Kinder sein sollten, hängt vom Camp ab. Das Flusscamp in Slowenien richtet sich zum Beispiel an Familien mit Kindern zwischen 8 und 17 Jahren.

Muss man im Familiencamp Slowenien bei jedem Programmpunkt mitmachen?
Nein, die Angebote im Familiencamp sind alle freiwillig. Gefällt euch das Programm an einem Tag nicht, könnt ihr auf eigene Faust einen Ausflug machen. Die Mahlzeiten (Frühstück und Abendessen) werden in der Regel gemeinsam auf der großen Terrasse eingenommen.

Welche Unterkünfte gibt es im Sportcamp in Slowenien?
Ihr könnt mit dem eigenen Zelt oder Camper anreisen oder euch in einem der Steilwandzelte oder Bauwagen einquartieren.

Welche Ausflugsziele in der Nähe eignen sich für Familien mit Kindern?
Am programmfreien Tag könnt ihr Slowenien auf eigene Faust entdecken. Empfehlenswert ist zum Beispiel ein Ausflug in die Hauptstadt Ljubljana (110 km entfernt), an den Bleder See (90 km), an den Bohinjer See (80 km) oder nach Grado (85 km) oder Triest (100 km) ans Mittelmeer.
















